Zwei Perlen in der Altstadt
Angemerkt

Das Amberger Landgericht bekam während der Nachkriegszeit eine Reihe von Präsidenten. Die Namen Georg Wilhelm, Klaus Pfannschmidt, Josef Auernhammer, Klaus Demmel und Wolfgang Schmalzbauer haben feste Plätze in der Erinnerung von Leuten, die mit der Justiz zu tun haben. Jeder von ihnen führte die Geschäfte auf seine eigene Art.

Doch gemeinsam sahen sie sich vor ein Problem gestellt: Das Gebäude an der Regierungsstraße verkam mehr und mehr. Wir haben noch den Schwurgerichtssaal vor Augen, in dem wegen mangelnder Akustik kaum ein Satz zu verstehen war. Im Gedächtnis geblieben sind auch unzureichende Unterkünfte und eine Klimaanlage, die eher hitzefördernden Zuschnitt hatte.

Bei alledem wussten Beobachter nie, wie es droben unter den weitläufigen Dächern aussah. Gebälk und Gemäuer waren marode. Fenster ließen sich nur noch schlecht in den Griff bekommen, obgleich - und auch das ist ein Stück Geschichte - ein aus Schwandorf stammender Mörder in den 1960-er Jahren rief, man möge sie öffnen, "damit die Gerechtigkeit herein kann".

War es nicht so, dass man damals überlegte, ein generell neues Gebäude für Land- und Amtsgericht hinaus auf die grüne Wiese zu bauen? Glücklicherweise ist dieser Gedanke nicht weiter verfolgt worden.

Denn heute zeigt sich: Die beiden getrennt voneinander angesiedelten Komplexe haben, jeder für sich, eine eigene Struktur und mithin auch Charme. Sie sind Bestandteile der Geschichte dieser Stadt und verdienen finanzielle Förderung durch den Freistaat.

An der Regierungsstraße ist eine bauliche Perle entstanden, um die Amberg beneidet wird. Am Paulanerplatz, wo sich das Amtsgericht befindet, gehen die Substanz sichernden Arbeiten weiter. Der Justizminister hat dafür Unterstützung versprochen.

Womit sich zeigt: Zusammenführung in einem Zweckbau hätte im Fall Amberg die schlechteste Lösung bedeutet. Auch wenn das womöglich weitaus billiger gekommen wäre. "Gerechtigkeit hat keinen Preis", pflegen Juristen zu sagen. In diesem Fall trifft das ganz besonders zu.

redaz@zeitung.org

Zitat des Tages

"Wir hatten das Problem, dass die Anforderungen unserer Zeit darin unterzubringen waren."

Baudirektor Peter Thumann bei der Einweihung des Landgerichts.
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