Zwei Täter müssen in Haft, der dritte Angeklagte erhielt einen Freispruch - Der Weg zum ...
Milde Strafen für einen dreisten Tresor-Coup

Die Erste Strafkammer des Landgerichts Amberg hat zwei Männer hinter Gitter geschickt, die im Juni letzten Jahres auf dem Schwandorfer Weinberg ein Haus betraten und einen Tresor in ihren Besitz brachten (wir berichteten). Ein Dritter im Bunde wurde freigesprochen.

Sie kamen am 14. Juni letzten Jahres. Ein Sommerabend, es war noch hell. Die beiden Männer betraten ein Haus auf dem Weinberg über die Tür zum Garten, gingen zielstrebig auf einen Tresor zu und wollten ihn eben mitnehmen, als die Hausbesitzerin hinzu kam. Daraufhin wurde die 50-Jährige vom jüngeren der beiden Täter mit einem Teleskop-Schlagstock attackiert, geschlagen und zu Boden geworfen. Dort blieb sie blutend liegen.

Dafür muss der 29-Jährige aus Burglengenfeld nun dreieinhalb Jahre hinter Gitter. Während dieser Zeit kann er aber, so entschied die Erste Strafkammer des Landgerichts Amberg, eine Drogenentzugstherapie machen. Die Staatsanwaltschaft hatte fünf Jahre und zehn Monate Haft für ihn beantragt.

Anstiftung nicht belegbar

Während bei dem 29-Jährigen eine Verurteilung wegen schweren Raubes erfolgte, gingen die Richter bei seinem Komplizen nur von einem schweren Diebstahl aus. Der Mann hatte während des zweitägigen Prozesses beteuert, eigentlich nur mitgegangen zu sein und den Schlagstock nicht getragen zu haben. Auch der 52-Jährige stammt aus Burglengenfeld. Er hatte, wie sich während des Verfahrens ergab, zahlreiche Vorstrafen wegen Diebstahls. Für ihn verlangte Staatsanwalt Daniel Gold viereinhalb Jahre. Er bekam zwei Jahre und sechs Monate.

Der dritte Angeklagte konnte nach Ansicht der Strafkammer nicht belangt werden. "Er war freizusprechen", sagte die Kammervorsitzende Roswitha Stöber. Der 59-Jährige stand in dem Verdacht, zu dem Raub angestiftet zu haben, weil der 29-Jährige angeblich Drogenschulden bei ihm hatte und er sein Geld sehen wollte. "Das habe ich nie getan", ließ der Mann wissen. Allerdings hatte er eingeräumt, den 29-Jährigen am fraglichen Abend von Burglengenfeld aus nach Schwandorf gefahren zu haben. "Dass ein Tresor geholt werden sollte, habe ich nicht gewusst", ließ er anklingen. Das Gegenteil konnte nicht nachgewiesen werden.

Zumindest der 29-Jährige war bei dem dreisten Verbrechen maskiert. Er trug eine Sturmhaube mit Sehschlitzen. Sein Mittäter hatte sich eine Kappe ins Gesicht gezogen. Nachdem die Hausbesitzerin zu Boden gegangen war, flüchteten beide, nahmen den Tresor mit und warfen ihn am Weinberg in ein Gebüsch. In dem Safe befanden sich 45 000 Euro.

Mann saß in der Wanne

Während der Verhandlung hatte die seinerzeit attackierte Frau das Geschehen ausführlich geschildert und dabei erkennen lassen, dass sie keine Folgeschäden davongetragen habe. "Erstaunlich", wie die Richterin bemerkte. Später erfuhr die 50-Jährige, dass es sich bei dem Haupttäter um einen Verwandten ihres zur Tatzeit im Obergeschoss des Anwesens in der Badewanne sitzenden Ehemannes handelte.

Der 29-Jährige wusste, dass sich in dem Haus ein Tresor mit viel Geld befand. Doch die Initiative zu dem Raub, so sagte er, "ist nicht von mir ausgegangen." Er habe seinen beiden Mitangeklagten in Burglengenfeld davon erzählt und sei von dem 59-Jährigen aufgefordert worden, zum Zweck der Geldbeschaffung tätig zu werden.

Zwei der Urteile wurden noch im Sitzungssaal rechtskräftig. Der drogenabhängige 29-Jährige kann jetzt damit rechnen, dass er nach erfolgreicher Therapie den Rest seiner Strafe zur Bewährung ausgesetzt bekommt. Der freigesprochene 59-Jährige, vorbestraft wegen zahlreicher Drogendelikte, erhält nun eine Entschädigung für seine Untersuchungshaft. "Das können Sie dann gleich mit noch offenen Geldstrafenverurteilungen verrechnen", sagte er in Richtung des Staatsanwalts.
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