Zwei verkannte Juwelen

Außen ist sie für viele nur ein alter, schmuckloser Holzbau. Drinnen jedoch zeigt die Barackenkirche am Bergsteig ihre wahre Schönheit: Erlöser- und russisch-orthodoxe Gemeinde nutzen sie als Gotteshaus. Für Stadtheimatpflegerin Beate Wolters sind dieser und der noch erhaltene zweite Barackenbau einmalige Zeitzeugen aus der Anfangszeit des Bergsteigs. Archivbild: Hartl

Kann eine Baracke ein Schatz sein? Stadtheimatpflegerin Beate Wolters beantwortet diese Frage mit einem klaren Ja: Die Barackenkirche am Bergsteig ist ein solches Juwel. Auch wenn sie - zumindest von außen - nicht danach aussieht.

Für den AZ-Adventskalender ist Wolters auf "Schatzsuche" in Amberg gegangen. Und auch am Bergsteig fündig geworden: Die dortige Barackenkirche sei von Größe, Erhaltungszustand und Einrichtung her einmalig, betont sie.

Mit dieser Bewertung beruft sie sich auch auf einen Kollegen, der sich mit dem Thema intensiv befasst. Lorenz Burger, Mitarbeiter des Freilandmuseums Neusath-Perschen (Landkreis Schwandorf), arbeite an einer Promotion über Baracken. Exemplare dieser Größe seien laut Burger sonst im gesamten ostbayerischen Raum nicht mehr zu finden, berichtet Wolters. "Die beiden großen Baracken an der Breslauer Straße 9-13 und 15 sind die letzte Erinnerung an den Ursprung der Siedlung am Bergsteig", erläutert die Heimatpflegerin.

Letzte Zeitzeugen

Zwar hätten sich hier 1927 erste Betriebe wie die Amberger Flaschenhütte AG und das Brillantbleikristallwerk Amberg (später Rosenthal/Gropiusbau) angesiedelt. Das Gelände sei aber vor allem vom Heeresnebenzeugamt genutzt worden. Dieses habe, wahrscheinlich seit der Entstehung der Leopoldkaserne 1913, "daneben" (also im heutigen Bergsteigviertel) Depots und andere Bauten errichtet.

"Fast alle Barackengebäude, die bis 1945 in größerer Zahl dort entstanden, wurden durch Fliegerangriffe zerstört", betont Wolters. Unversehrt geblieben seien nur die beiden heute noch stehenden Exemplare an der Breslauer Straße. Damit dokumentierten nur noch diese beiden Bauten "die ursprüngliche Nutzung des Gebietes durch das Heeresversorgungsamt im II. Weltkrieg am Beginn der 40er Jahre des vergangenen Jahrhunderts und davor durch das Heeresnebenzeugamt".

In der Nachkriegszeit entwickelte sich nach Wolters Worten daraus Wohnraum, wie in der Breslauer Straße 9-13 noch ablesbar sei. Die zweite Baracke, Breslauer Straße 15, wurde und wird bis heute als Kirchenraum von der evangelisch-lutherischen und der russisch-orthodoxen Gemeinde genutzt - für die im Umfeld lebenden Bewohner wichtige Anlaufstellen.

Auch für die Stadtheimatpflegerin steht fest: "Der immer wieder zu hörenden Forderung, die Baracken abzureißen, dürfen wir auf keinen Fall nachgeben, denn damit verliert der Bergsteig seine Wurzeln."

Wolters wird konkreter: "Hier können wir noch sehen, dass von den Baracken ausgehend nach dem Krieg Wohnraum für die vielen Flüchtlinge aus Osteuropa entstand, die dann in einer dieser Baracken ihren Gottesdienstraum einrichteten und heute noch nutzen." Für die Heimatpflegerin sind diese beiden Bauten deshalb "Denkmale der anderen Art". Und diese seien "nicht einmal teuer im Unterhalt".

Unter Denkmalschutz

Dabei bezieht Wolters auch das Umfeld mit ein. "Der Standort gegenüber dem Polizeibau am Bergsteig mit seiner charakteristischen Durchfahrt ergibt mit der großen Grünfläche dazwischen eine Art Platzcharakter, die einen ruhenden Pol zu den stärker bebauten Flächen bildet." Damit seien die beiden Baracken tatsächlich echte Schätze. Und diese stehen, wie Wolters noch anmerkt, seit 2002 auch unter Denkmalschutz.
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