30 Jahre nach Tschernobyl
Auf Horror-Szenario vorbereiten

Die Decke ist heruntergefallen, die Fenster sind zerbrochen: Der Amberger Michael Golinski war im ehemaligen Schwimmbad der verlassenen Stadt Prypjat unweit des havarierten Atommeilers Tschernobyl, um dort zu fotografieren (wir berichteten). Bild: Michael Golinski
Politik
Amberg in der Oberpfalz
28.04.2016
110
0

Es ist einmal passiert. Und es kann wieder passieren. Die Frage ist nur: Wie sicher sind Amberg und der Landkreis, wenn sich der atomare Super-GAU nicht wie vor 30 Jahren in der Ukraine ereignet, sondern im 183 Kilometer entfernten Temelin?

Der 30. Jahrestag der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl hat die ÖDP dazu veranlasst, sich genau dieser Frage zu widmen.

Mehr noch: Sie blickt dabei nicht nur ins benachbarte europäische Ausland, sondern auch auf die Atomkraftwerke Isar 2 Essenbach (Luftlinie 103 Kilometer von Amberg entfernt) und Gundremmingen (148 Kilometer). Dazu haben die Stadträte und die Kreistagsfraktion einen Fragenkatalog erarbeitet, der laut einer Presse-Info behandelt werden soll.

Die ÖDP-Vertreter Klaus Mrasek (Amberg) und Michael Birner (Freudenberg) wollen wissen, wie die Alarmierung der Bevölkerung bei Stromausfall erfolgt und wie bei einer atomaren Katastrophe die Versorgung der Bevölkerung aufrechterhalten werden kann. Ein genereller Schutz vor Verstrahlung sei zwar nicht möglich, die rechtzeitige Einnahme von Jodtabletten könne aber zumindest das Schilddrüsenkrebsrisiko senken.

Frage nach Jod-Vorräten


So habe nach Tschernobyl zum Beispiel nur Polen konsequent reagiert und für alle Kinder und einen Großteil der Bevölkerung eine Jod-Gabe angeordnet. "Welche Vorräte gibt es bei uns und wie ist die Verteilung geregelt?", fragen Mrasek und Birner in ihrem Schreiben. Bei einer atomaren Katastrophe könne man davon ausgehen, dass der Verkehr auch innerhalb und außerhalb Ambergs zusammenbricht, möglicherweise auch die Stromversorgung.

Genügend Messgeräte?


Die kreisfreie Stadt und der Landkreis seien als Katastrophenschutzbehörden zuständig. Deshalb müssten sie sich beide rechtzeitig auf solche Herausforderungen vorbereiten, schreiben Stadtrat Mrasek und Kreisrat Birner. Sie wollen zudem wissen: "Wie soll die Bevölkerung, wie sollen vor allem Kinder vor den Folgen des radioaktiven Fallouts geschützt werden? Wer bereitet dies flächendeckend vor? Haben die Einsatzeinheiten und Krankenhäuser genügend Strahlenmessgeräte? Werden fehlende Geräte durch die Stadt und den Landkreis beschafft?" Diese Fragen müssen laut Mrasek und Birner beantwortet werden. Wenngleich die ÖDP-Vertreter einräumen: "Das klingt zwar alles nach Horror-Szenario, aber die Gefahr ist real. Tschernobyl und Fukushima haben das gezeigt." Auch in Deutschland laufen noch mehrere Atomreaktoren, im benachbarten Ausland vielleicht noch für Jahrzehnte. "Wir dürfen das nicht einfach mit einer Kopf-in-den-Sand-Haltung achselzuckend hinnehmen", fordern Mrasek und Birner.

Auf Atomkraft verzichten


30 Jahre nach Tschernobyl sei eine Überprüfung des atomaren Katastrophenschutzes mehr als berechtigt: "Wir müssen die Gefahren realistisch betrachten, um die richtigen Schlussfolgerungen zu ziehen." Das könne nur bedeuten, noch schneller aus der Atomkraft auszusteigen.
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.