Am wichtigen Bürgerspitalgelände scheint eine Vorentscheidung gefallen zu sein
Magnet und erster Investor raus?

Was wird aus dem Bürgerspitalgelände? Noch müssen sich die potenziellen Investoren, die ein Entwicklungskonzept eingereicht haben, in Schweigen hüllen. Eine laute Sprache spricht allerdings der Baubeginn im Eckert-Gebäude im Bildhintergrund, der eigentlich nur eines bedeuten kann: Eigentümer Dr. Ulrich Schmid und seine Partner sind raus aus dem Ideenwettstreit. Der Amberger setzt jetzt offenbar seine Wohnungsbau-Pläne im einstigen Modehaus um. Bild: Hartl
Politik
Amberg in der Oberpfalz
28.05.2016
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Es ist die Gretchenfrage für die östliche Altstadt: Was wird aus dem Bürgerspitalgelände und dem Ex-Kaufhaus Forum? Während die Stadt und die Bewerber des Ideenwettstreits darüber vorerst Stillschweigen vereinbart haben, schweigt eines nicht mehr: der benachbarte Eckert-Bau.

Dort sind seit kurzem erste Arbeiten zu beobachten, ist auch von außen lautes Hämmern zu hören. Das lässt aufhorchen - im doppelten Wortsinn. Denn man erinnert sich, dass der Eigentümer des ehemaligen Modehauses an der Ecke Bahnhofstraße/Spitalgraben mit dem Umbau doch eigentlich warten wollte. Bis sich abzeichnet, was aus dem direkt daneben liegenden, rund 8000 Quadratmeter großen leergeräumten Bürgerspitalgelände werden soll. Schließlich wäre eine Verbindung künftiger Projekte mit dem Eckert-Bau wohl sinnvoll gewesen.

So sah das auch der Besitzer der Immobilie, Dr. Ulrich Schmid. Bekanntlich gehört er zu dem kleinen Kreis an Investoren, die sich am sogenannten Dialogverfahren fürs Bürgerspitalgelände mit ihren Vorschlägen, Wünschen und Ideen beteiligen. Auch Schmid reichte ein Konzept ein - klar, dass er auf die eigenen Pläne besondere Rücksicht nahm, deshalb den Eckert-Bau erst mal nicht anpackte. Jetzt aber legt er damit los. Das kann eigentlich nur eines bedeuten: Schmid braucht nicht mehr zu warten, weil er offenbar mit seinem Konzept nicht zum Zuge kommt.

Großflächig statt Kleinklein


Wenn das zutrifft, geht Amberg ziemlich sicher eine der "großen Lösungen" verloren. Wer Schmid und seinen Einsatz für die Altstadt kennt, kann sich gut vorstellen, wohin seine Pläne zielten: auf eher großflächigen Einzelhandel - also auf einen sogenannten Magneten, den sich viele Bürger zur Belebung der östlichen City - man kann fast sagen der ganzen Altstadt - wünschen. Bekanntlich hat Schmid gute Kontakte zu Vertretern der Branche, zu namhaften Ketten oder Familienunternehmen, für die er teils auch andernorts als Projektentwickler tätig ist. Solche Firmen stellen gewisse Anforderungen, wie sich zuletzt beim Thema Tiefgarage unter Bürgerspital- und Forum-Gelände zeigte.

Da schwenkte der Stadtrat erst Ende vergangenen Jahres voll auf den Kurs ein, den die Investoren im Dialogverfahren verlangten. Sie forderten eine gemeinsame Zufahrt für beide Garagen in der Bahnhofstraße. Sie müsse sowohl die größere Bürgerspital- als auch die geplante kleinere Forum-Garage anschließen und quasi miteinander verbinden.

Mit 25:11 Stimmen öffnete der Stadtrat diesem Ansinnen buchstäblich die Tür, was schon damals zeigte, dass Amberg Investorenwünsche nicht völlig außer Acht lassen kann. Doch, einen vielleicht schon: den, den Schmid beziehungsweise sein wahrscheinlicher potenzieller Mieter im Gepäck hatte. Möglicherweise scheiterte es hier an einem Detail, das für die Stadt unverrückbar ist.

Was ebenso dahinterstecken kann: Das Konzept erschien insgesamt zu "mächtig" mit dem großen, wohl einige tausend Quadratmeter belegenden Einzelhändler. Selbst wenn er beziehungsweise Schmid und seine Partner noch Wohnungen - zum Beispiel in den Obergeschossen - untergebracht hätten, haben Stadtvertreter und -räte zuletzt eher einen Mix aus Einzelhandel, Wohnen, Dienstleistung und Gastronomie favorisiert.

Eckert-Bau: 15 Wohnungen


Wenn das so bleibt, passt Schmids angenommenes Konzept wohl weniger ins Bild. Vielleicht hat er es gar schon ad acta gelegt und fängt jetzt eben wenigstens im Eckert-Bau mit seinen ursprünglichen Plänen für 15 neue Wohnungen an. (Kommentar)

Schmid hält sein SchweigenOb die AZ die mögliche Entwicklung am Bürgerspitalgelände um Investor Dr. Ulrich Schmid richtig beschreibt, könnte natürlich keiner besser beantworten als der Betroffene selbst. Doch der Amberger ist seriöser Geschäftsmann genug, dass er sich an das vertraglich vereinbarte Stillschweigen über alle bisher vorgelegten und mit der Stadt diskutierten Pläne hält.

"Ich kann das weder bestätigen noch dementieren", sagte Schmid auf Anfrage. Doch wer den mitunter auch zwischen den Zeilen sprechenden Steuerberater, Immobilienbesitzer und Projektentwickler kennt, kann sich darauf seinen Reim machen.

Und der hieße: Der erste Investor des ohnehin kleinen Bewerberkreises ist raus. Ausgerechnet der bekannte lokale, der auch an anderer Stelle mit seinen sanierten Objekten samt zugkräftigen Geschäften viel für die Altstadt getan hat. (ath)
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