Amberg stellt sich auf weiteren Zustrom von Asylbewerbern ein
Bauen für Flüchtlinge

An der Ecke Schlachthausstraße/Schießstätteweg hat der Abrissbagger ganze Arbeit geleistet. Das erste Haus ist platt. Das zweite (im Hintergrund) folgt in den nächsten Tagen. Hier soll eine Gemeinschaftsunterkunft für Flüchtlinge entstehen, die bereits im Juli ihren Betrieb aufnehmen kann. Bild: Steinbacher
Politik
Amberg in der Oberpfalz
20.01.2016
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Amberg: Baustelle Gemeinschaftsunterkunft |

Amberg stellt die Weichen für die Aufnahme neuer Asylsuchender. Nach Landwirtschaftsschule und Bundeswehrkrankenhaus entsteht in der Schlachthausstraße bis zum Sommer eine weitere Unterkunft. Und auch diese wird nicht die letzte sein.

Eines der seit mindestens 20 Jahren leerstehenden Häuser ist dem Erdboden gleich, das andere reißen die Bagger in den nächsten Tagen ein: Auf der Baustelle an der Ecke Schlachthausstraße/Schießstätteweg pressiert es. Bereits Anfang Juli soll die neue Unterkunft für rund 100 Flüchtlinge bezugsfertig sein. Das hat die Regierung der Oberpfalz mitgeteilt, die mit dem Investor, einem Privatmann aus Amberg, in engem Kontakt steht. Die für die Gemeinschaftsunterkünfte zuständige Regensburger Behörde hat mit dem Bauherrn eigenen Angaben zufolge eine Mietdauer von zehn Jahren angepeilt.

Ab März im BWK


leistet seinen Beitrag zur Aufnahme der Flüchtlinge. "Vor einem Jahr hat es geheißen, wir brauchen einen Notfallplan. Die Städte müssen vielleicht mal 200 Flüchtlinge aufnehmen, aber da werden wir rotieren. Also mal vier Wochen Amberg, dann vier Wochen Weiden, dann vier Wochen Cham", erklärte Oberbürgermeister Michael Cerny beim Jahresgespräch mit der Redaktion. "Ich hab damals schon gesagt, ich bin gespannt, ob aus dem Winter- ein Sommernotfallplan wird. Ich hab mich etwas getäuscht. Es ist ein Dauernotfallplan geworden."

Trotz aller Klimmzüge stehe die Stadt nun erneut vor der Herausforderung, eine Notunterkunft anbieten zu müssen. "Wenn jemand ankommt, egal, ob registriert oder nicht, braucht er halt erst einmal ein Dach über dem Kopf", unterstreicht Cerny. Auf Schulturnhallen wollte die Stadt nicht schon wieder zurückgreifen. Mit der Anmietung der beiden leerstehenden ehemaligen Gebäude für die Sanitätsausbildung auf dem Gelände des ehemaligen Bundeswehrkrankenhauses (BWK) sei nun eine gute Lösung gelungen. Allerdings nur vorübergehend. Cerny: "Das löst das Thema auch nur für vier Jahre." Anfang März soll der BWK-Komplex so weit hergerichtet sein, dass die ersten von rund 280 Flüchtlingen einziehen können.

Mehr günstige Wohnungen


Die Stadt prüft alle Optionen - auch die, selbst Wohneinheiten für Asylsuchende zu schaffen. Allerdings erwartet Cerny für einen solchen Fall ein deutliches Entgegenkommen des Gesetzgebers. "Wir haben verwaltungsintern gesagt: eigentlich müsste die Bundesregierung nur ein Gesetz erlassen mit zwei Paragrafen. Paragraf 1: Bei allen Themen, die Flüchtlinge und Unterbringung betreffen, werden die Kommunen ermächtigt, pragmatische Lösungen zu finden. Und Paragraf 2: Das ist auch verbindlich für die Gerichte. Damit wir entscheiden dürfen und nicht weggeklagt werden, weil ein anderes Gesetz dagegen spricht." Eine solche Regelung beinhalte natürlich eine große Verantwortung für die Kommunen, räumt der Rathauschef ein.

Wichtig sei dabei, den wachsenden Wohnungsbedarf der einheimischen Bevölkerung nicht aus den Augen zu verlieren. "Wir suchen Platz, wo wir modernen Geschosswohnungsbau erstellen können. Stichwort: Wohnen für alle", bringt Cerny seine Überlegungen auf den Punkt. Er denke dabei an Wohnungen ohne großen Schnickschnack, dafür im untersten Preissegment. "So eine Geschichte, die eine Lebensdauer von 10 oder 15 Jahren hat und sehr günstig ist, als Übergangswohnen." Der Stadtrat hat die Weichen bereits gestellt. Sowohl die Fraktion der CSU, als auch die der SPD hat entsprechende Anträge formuliert.

Aktuelle ZahlenDie Zahlen ändern sich täglich. Laut Flüchtlingskoordinator Christian Zisler sind in Amberg derzeit 630 Menschen untergebracht, die Asyl beantragt haben. Einen Anstieg bis zu 1000 in den nächsten Monaten hält er für realistisch. "Ich bin aber kein Hellseher. Keiner weiß, wie die Situation zum Jahresende ist", sagt er.

240 Asylsuchende wohnen in den Gemeinschaftsunterkünften an der Kümmersbrucker Straße, in der Gailoher Straße und der Crayerstraße, 170 in der Erstaufnahmeeinrichtung an der Adalbert-Stifter-Straße (ehemalige Landwirtschaftsschule). Hinzu kommen rund 150 Personen, die in Privatwohnungen einquartiert sind, sowie die 70 unbegleiteten Minderjährigen, die in Wohngruppen leben. (upl)
Ich hab damals schon gesagt, ich bin gespannt, ob aus dem Winter- ein Sommernotfallplan wird. Ich hab mich etwas getäuscht. Es ist ein Dauernotfallplan geworden.Oberbürgermeister Michael Cerny
2 Kommentare
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Peter Lustig aus Alteglofsheim | 21.01.2016 | 19:13  
6
Peter Meyer aus Amberg in der Oberpfalz | 24.01.2016 | 20:32  
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