Barbara Lanzinger: Wiedereinführung des Meisterbriefs im Bauhandwerk
Fachgespräch zum Meistervorbehalt mit Barbara Lanzinger, MdB

Bundestagsabgeordnete Barbara Lanzinger (Vierte von links) lud Experten aus dem Handwerk zum Fachgespräch über den Meistervorbehalt. Bild: hfz
Politik
Amberg in der Oberpfalz
02.09.2016
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Barbara Lanzinger, MdB

Der Meister ist eines der wirksamsten und wichtigsten Güter für unsere Wirtschaft, unsere Ausbildung und unsere Gesellschaft! Diese Meinung vertrat Barbara Lanzinger beim Fachgespräch zum Thema "Meisterpflicht im Handwerk". Es ging aber noch um viel mehr.

Auf Initiative des Fliesenlegermeisters und Mitglieds im Vorstand der Landesfachgruppe Fliesen und Naturstein im Landesverband Bayerischer Bauinnung, Bernhard Schöppl, trafen sich die Experten im Bürgerbüro der Abgeordneten.

Der Meistervorbehalt


Neben Andreas Demharter, Christian Huber, Holger Seit und Horst Barisch vom Landesverband Bayerischer Bauinnungen saßen auch Johann Seidenschwand, Obermeister aus Regensburg, und Wolfgang Hummel, Obermeister aus Amberg, am Tisch. Diskutiert wurde vor allem die Abschaffung des Meistervorbehalts in 53 Berufen. "Die durch die Novelle der Handwerksordnung der rot-grünen Regierung im Jahr 2004 in Kraft trat", erklärte Lanzinger.

Andreas Demharter zu den Folgen: "Seither hat sich wegen dieser falschen politischen Entscheidung die Situation im betroffenen Handwerk stark verschlechtert. Bei den Fliesenlegern beispielsweise stieg die Zahl der Betriebe in Bayern von 2200 im Jahr 2003 auf nun 12 000 an. Das sind größtenteils Ein-Mann-Betriebe oder Solo-Selbständige, darunter viele aus Süd- und Osteuropa. Die meisten haben keinerlei berufliche Qualifikation." Obwohl die Zahl der Betriebe insgesamt deutlich angestiegen sei, werden 30 Prozent weniger Lehrlinge ausgebildet. "Die Zahl der Meisterschüler ging sogar um über 80 Prozent zurück", so Demharter. "Ohne Meister können auch keine jungen Menschen mehr ausgebildet werden. So gehen Kenntnisse und Fertigkeiten verloren", fügte er hinzu.

Diese Entwicklung führe seiner Meinung nach zu erheblichen Qualitätsverlusten in den betroffenen Handwerken. Sie müsse dringend gestoppt werden, waren sich die Teilnehmer des Fachgesprächs einig.

"Es kann nicht sein, dass am Ende die Verbraucher den Schaden tragen müssen", sagte MdB Lanzinger. "In drei Anträgen in den vergangenen drei Jahren machten wir in der CDU/CSU-Fraktion in der Koalition klare Ansagen zum Erhalt des Meistervorbehalts", so Lanzinger weiter.

Horst Barisch, Vorsitzender der bayerischen Landesfachgruppe der Fliesen-, Platten- und Mosaikleger, wies darauf hin, dass die Meisterfreiheit auch ein Einfallstor für Scheinselbstständigkeit, Illegalität und Schwarzarbeit auf deutschen Baustellen geworden sei. "Viele Scheinselbstständige melden sich in meisterfreien Handwerken an und treten als Ein-Mann-Betrieb oder juristische Gesellschaft ohne Arbeitnehmer auf deutschen Baustellen auf. Für diese Personen gelten weder der Tarif- noch der Mindestlohn und für sie werden auch keine Sozialabgaben bezahlt. Dadurch gefährden sie die gesetzes- und tariftreuen Unternehmen und deren Arbeitnehmer in ihrer Existenz."

Am Runden Tisch betonten die Vertreter aus dem Handwerk und die Politikerin einmal mehr, dass der Meisterbrief eine gute und qualifizierte Ausbildung sichere, Verbraucher vor qualitativ schlechtem Handwerk schützte und gelebte Mittelstandspolitik sei.

Basis der Wirtschaft


Lanzinger: "Es gilt für die Zukunft ganz klar, über die Sinnhaftigkeit nachzudenken, für Berufe wie Fliesen- und Estrichleger den Meistervorbehalt wieder zu fordern. Das Handwerk ist das Fundament unseres Mittelstandes und die Basis für die starke Wirtschaft in Deutschland. Wir müssen für den Meisterbrief wieder als Qualitätssiegel werben."

Ohne Meister können auch keine jungen Menschen mehr ausgebildet werden. So gehen Kenntnisse und Fertigkeiten verloren.Andreas Demharter vom Landesverband Bayerischer Bauinnungen
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Dr. Peter Steinbock aus Eschenbach in der Oberpfalz | 10.09.2016 | 21:40  
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