Bargeld über einen Cashpool
Rot-blaue Geldautomaten

Die Sparkasse-Zentrale an der Marienstraße. Hier fiel vor einigen Monaten die allem Anschein nach unumstößliche Entscheidung, die Filialen in Witzlhof, Freudenberg, Freihung und Edelsfeld zu schließen. Bilder: Steinbacher (2)
Politik
Amberg in der Oberpfalz
29.12.2015
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Wir hatten sogar in Amberg schon mal einen Automaten, der bei Siemens aufgestellt war, das war einer für beide Banken.

Witzlhof, Edelsfeld, Freihung, Freudenberg - das Vorhaben der Sparkasse, dort ihre Filialen zu schließen, hat für mächtigen Wirbel gesorgt. Und der Bank bei den betroffenen Kunden Sympathien gekostet. OB Michael Cerny indes sagt: "Die Zeit, dass du fußläufig deinen Geldautomaten erreichst, ist eigentlich vorbei."

Im Jahresgespräch mit der AZ-Redaktion verteidigte der Oberbürgermeister die Entscheidung der Sparkassen-Spitze, die genannten Außenstellen dicht zu machen. Tenor: Dazu gebe es aus wirtschaftlichen Gründen keine Alternative.

Cerny warf im Interview einen Blick auf die Bankenlandschaft. Wenn die Zinsen nicht nach oben gehen, dann müsse die Politik mit den Instituten reden, wie die Geldversorgung in der Region sichergestellt werden kann. Dabei spiele es aus seiner Sicht eigentlich keine Rolle, merkte der OB an, "ob der Automat oder das Sparbuch rot oder blau ist". Hauptsache es gebe überhaupt einen Automaten - "meinetwegen ist er auch rot-blau oder grün".

Cerny hält es für notwendig, dass "wir uns gemeinsam darüber unterhalten, wer wo welche vorhält". Er nannte in diesem Zusammenhang den Begriff Cashpool. Darunter versteht man einen Zusammenschluss mehrerer Banken, der deren Kunden ermöglicht, bei allen Automaten der Mitgliedsinstitute kostenlos Bargeld abzuheben. Der ehemalige Siemensianer Cerny erinnert sich: "Wir hatten sogar in Amberg schon mal einen Automaten, der bei Siemens aufgestellt war, das war einer für beide Banken." Das sei ist nichts Unmögliches und "auch technisch kein Hexenwerk".

Wirtschaftliche Zwänge


Cerny verwies auf ein Gespräch mit dem Tirschenreuther Landrat Wolfgang Lippert. Der habe ihm berichtet, sie hätten es schon an einer Stelle geschafft, dass Sparkasse und Raiffeisenbank eine gemeinsame Filiale betreiben. "Das sind wirtschaftliche Zwänge", unterstreicht der Amberger Oberbürgermeister. Im Moment sei es bei uns in der Stadt und im Landkreis vielleicht eher noch so, "dass der eine sagt, wenn der andere den Geldautomaten abschafft, wechseln vielleicht ein paar Kunden. Da hat er nicht den großen Drang zu sagen, jetzt machen wir was gemeinsam".

Die Veränderungen in der Bankenlandschaft seien überall zu sehen. "Die Diskussion, die wir jetzt führen, haben wir im Nürnberger Land, im Münchner Umfeld. Das liegt an der Strategie der Banken." Die, die ihr Geld langfristig angelegt haben, hätten noch relativ hohe Zinserträge und könnten deshalb "warten und schauen, dass sie jetzt Kunden gewinnen". Die anderen, die mit den kurzfristigeren Anlagen, müssten hingegen sparen.

Politisch vermitteln


In diesem Spannungsfeld - "der eine muss, der andere wartet noch" - sei es durchaus einen Versuch wert, politisch ein bisschen zu vermitteln. Ein Amberg-Sulzbacher Cashpool wäre für Michael Cerny der "Idealfall". "Das wäre meines Erachtens der sinnvollste Weg, mit dem Thema umzugehen."

Wir hatten sogar in Amberg schon mal einen Automaten, der bei Siemens aufgestellt war, das war einer für beide Banken.Oberbürgermeister Michael Cerny

Die Volks- und Raiffeisenbanken "haben momentan auch ihre Findungsgeschichte", meinte der OB und fügte hinzu: "Ich hab schon mit dem Landrat gesprochen, dass wir mal mit ein paar Leuten reden und an einen Tisch kommen. Das ist aber nichts für 2016. Wir können nur moderieren und sagen, unser Wunsch ist es, dass wir die Geldversorgung in der Fläche sicherstellen. Denn die Privat- und Direktbanken machen das nicht. Das Thema müssen wir in der Region lösen."
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