Barrierefreiheit an Ambergs Bushaltestellen
Der Anfang ist gemacht

Ein großflächig angehobenes Bodenniveau mit taktilem Leitsystem (weiße Relief-Bodenplatten), gut lesbare, eine digitale Fahrgast-Informations-Säule (links) und ein Windschutzhäuschen markieren den künftigen Ausbaustandard einer barrierefreien Bushaltestelle. Die erste stellten (vorne, von links) Oberbürgermeister Michael Cerny, Helmuth Pfeffer (RBO), ZNAS-Geschäftsführer hans-Jürgen Haas und André Linzer (Citybus) vor. Bild: Hartl
Politik
Amberg in der Oberpfalz
24.11.2016
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Barrierefreiheit ist keine gesellschaftliche Nettigkeit, sondern gesetzlicher Auftrag. Das wird in dieser Deutlichkeit gerne nur hinter vorgehaltener Hand gesagt. Amberg geht nun aber in die Offensive.

Nicht alleine, sondern in enger Kooperation mit dem ZNAS (Zweckverband Nahverkehr Amberg-Sulzbach). In der Barbarastraße stellten die beiden Partner gestern zusammen mit Linienbetreibern und Betroffenen eine barrierefrei ausgebaute Bushaltestelle vor. "Auch wenn der Begriff der Barrierefreiheit je nach der Situation vor Ort eigentlich neu definiert werden muss und sich wandeln kann, sind wir es angegangen, nach und nach unsere Haltestellen entsprechend auszubauen", betonte OB Michael Cerny.

Da haben sich die Beteiligten einen gewaltigen Brocken auf die Schultern geladen. Allein Amberg hat rund 400 Bushaltestellen, im gesamtem ZNAS-Gebiet geht dessen Geschäftsführer Hans-Jürgen Haas von etwa 1000 aus. Die Beethovenstraße soll künftig als eine Art Muster dienen. Auch hinsichtlich der Auswahl im Sinne einer Prioritätenliste. Diese Haltestelle liegt im unmittelbaren Einzugsgebiet des Heilig-Geist-Stifts, des Pflegeheims St. Benedikt, der Zulassungsstelle des Landratsamtes und des Katharinenfriedhofs.

Paket von Maßnahmen


Der Umbau bestand aus einer Anhebung der Bordsteinkante, um die Einstiegshöhe zu minimieren, Angleichung der dahinterliegenden Gehflächen, dem Einbau weißer taktiler Relief-Leitsystem, der Installation einer digitalen Fahrgastanzeige mit größeren Buchstaben und Ziffern sowie einem Windschutzhäuschen. Das gilt jedoch nur für die Fahrtrichtung Fleurystraße. Die Gegenseite muss sich mit der Niveauanhebung und dem Leitsystem begnügen.

60 000 Euro haben diese Maßnahmen gekostet, werden zu einem noch nicht genau bekannten Prozentsatz bezuschusst und entsprechen dem Standard einer einschlägigen DIN-Norm, unterstrich Haas. Oberbürgermeister Cerny ergänzte, dass der Stadtrat beschlossen hat, jährlich bis 2022 stets 150 000 Euro für einschlägige Ausbauten zur Verfügung zu stellen. Das entspreche in der Regel zwei Haltestellen. Derzeit laufen vergleichbare Arbeiten an der Haltestelle am Englischen Garten in westliche Richtung. Für Rollstuhl-Fahrer, Rollator-Nutzer oder Personen mit Kinderwägen minimiert sich nach einem Ausbau die Einstiegskante im hinteren Doppeltür-Bereich von Bussen auf maximal fünf Zentimeter. Sie werden noch durch eine busseits ausklappbare Auffahrrampe leicht überbrückbar. Zudem können inzwischen nahezu alle im Linienverkehr eingesetzten Busse auf der Ein- und Ausstiegsseite bei Halts um mehrere Zentimeter abgesenkt werden.

Klassische Zwickmühle


Michael Cerny und Hans-Jürgen Haas unterstrichen, dass nicht nur in der Beethovenstraße, sondern auch künftig, die Zusammenarbeit mit dem Bündnis für Menschen mit Beeinträchtigungen bei entsprechenden Ausbauten gesucht wird. Die bisherige Erfahrung zeige, dass so die wohl pragmatischsten Lösungen gefunden werden können.

Wohl nur schwer zu lösen scheint ein Problem zu sein, mit dem sich Betroffene an André Linzer wandten, der die Citybus-Linien bedient: Können Busfahrer Betroffenen mit Schwierigkeiten beim Ein- oder Aussteigen behilflich sei? Sie seien dazu angehalten, hielt der Busunternehmen nicht hinter dem Berg. Einschlägige Vorschriften würden es ihnen jedoch untersagen, weil sie eigentlich das Steuer nicht verlassen dürfen. Eine Hilfestellung anderer Fahrgäste wäre deshalb die bessere Lösung.
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