Baureferent fordert Rückkehr zur Aufbruchstimmung
Herz für Amberg statt Gejammer

Im Querbau zum Münzgäßchen (rechts) und auf der vom Kapellentrakt aus gesehen linken Seite (obere Bildhälfte) soll die nicht denkmalgeschützte Innenhof-Fassade eine moderne Gestaltung erhalten, die nach den Architektenvorstellungen aber ins historische Bild gegenüber passt. Bild: Steinbacher
Politik
Amberg in der Oberpfalz
23.06.2016
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Dach plus Läden und Café sollen für Belebung sorgen. Bild: Steinbacher

Markus Kühne kann die Amberger anhand eines einfachen Musters gut von Besuchern der Stadt unterscheiden. Letztere sind nämlich meist begeistert. Sie schwärmen über das, was sie sehen: ein historisches Zentrum mit Flair. Mancher Amberger dagegen betrachtet das eher kritisch und meckert lieber, als dass er die Schätze seiner Heimat preist.

Das ist dem Baureferenten, der ja auch ein "Zugereister" ist, schon häufig aufgefallen. Ohne Problemstellen totschweigen zu wollen, findet er diese Haltung schade. Denn das "Gejammer" verhindere die Aufbruchsstimmung, die es nach seiner Ansicht durchaus auch geben dürfte. Die jetzt begonnene Entwicklung zur Gropius-Stadt (AZ berichtete am Mittwoch ausführlich) ist da so ein Beispiel: "Leute, wacht auf. Schaut euch doch um, was ihr besitzt", appelliert Markus Kühne an alle eher "negativ eingestellten" Bürger. Wobei er zugibt, dass das Gropius-Projekt bisher im Verborgenen lag, als neuer "Schatz" erst gehoben und entwickelt werden muss.

Kraftwerk und Markthalle


Außerdem unterstellt Kühne den Ambergern nicht generell, dass sie die Vorzüge ihrer Stadt nicht kennen würden. "Sie sind schon auch stolz, aber sie tragen ihr Herz nach innen", hat der Baureferent festgestellt. Um das zu ändern und sozusagen auch von ureigenster heimischer Seite eine bessere Außendarstellung zu bekommen, liefert er ein paar Beispiele, was seiner Meinung nach in Amberg aktuell positiv läuft.

Da wäre zum Beispiel die anvisierte Neugestaltung des Bahnhofs, die sich nach seiner Auskunft nicht nur auf den Abbruch des alten Gebäudes und die Schaffung einer neuen Mobilitätsdrehscheibe beschränkt (AZ berichtete). Damit verbunden sei auch ein "völlig innovatives Kraftwerk", das am Entree der Stadt in Zusammenarbeit mit Professor Dr. Markus Brautsch vom OTH-Institut für Energietechnik entsteht. Außerdem sollen bei dieser Neugestaltung auch eine bessere Anbindung Richtung Klinikum hergestellt und der Multifunktionsplatz miteinbezogen werden.

Auf Letzterem schwebt Markus Kühne zum Beispiel immer noch die Idee einer Markthalle vor. Klar verläuft hier auch der vierspurige Altstadtring, den es zu überwinden gilt. Warum nicht entweder mit einer Tieferlegung der Straße oder einer über der Fahrbahn schwebenden Brücke für Fußgänger, die in ähnlicher Form auch weiter vorne beim Kaiser-Ludwig-Ring, Nähe Kino, angedacht ist? So könnte dieses Areal mit dem dahinterliegenden Bereich Marienstraße besser an die Altstadt angebunden werden. Dort wird ja bekanntlich das bereits beschlossene Parkdeck gebaut - und das soll laut Markus Kühne nicht die einzige Maßnahme bleiben.

Disco ist nicht tot


Er deutet damit kurz an, dass auch die von ihm schon einmal vorgelegten Ideen wie der Bau einer neuen Disco plus weitere Gastronomie und Läden nicht ad acta gelegt sind. "Wir haben noch Pfeile im Köcher", macht Kühne auf solche Varianten aufmerksam, die er prinzipiell als "Kür" bezeichnet.

Glasdach-Innenhof bringt Leben


Im Gegensatz zur "Kür" (siehe oben) gibt es nach der Abstufung von Baureferent Markus Kühne in Amberg auch Projekte, die die "Pflicht" sind. Dazu zählt er beim Thema Innenstadt ganz klar die Entwicklung von ehemaligem Bürgerspitalgelände und Ex-Kaufhaus Forum. Dabei sieht Kühne die gewünschte Belebung der City an dieser Stelle "in erster Line vom Forum ausgehen".

Das verspricht er sich nicht nur vom geplanten bunten Ladenmix im Erd- und ersten Obergeschoss, sondern auch vom hübschen Innenhof. Den stellen sich der Baureferent und das Stuttgarter Architekturbüro Wittfoht, das die aktuellen Pläne entwarf, nämlich überdacht vor.

Und zwar auf der ganzen Fläche zwischen den gegenüberliegenden Häusern, wobei die Fassade des nicht denkmalgeschützten, auf unserem Bild links zu sehenden Gebäudes erneuert werden sollte. Natürlich mit moderner Architektur, die gut zum historischen Ambiente gegenüber passt. Auf beiden Seiten sollen mehrere, vom Innenhof aus begehbare Läden für Belebung sorgen. Diesem Ziel dient ferner ein Café, das im rückwärtigen Querbau gegenüber dem Kapellentrakt zum Münzgäßchen hin untergebracht werden könnte. Klar, dass es sich unter den überdachten Flächen auch nach außen ausbreiten darf.

Hinten Gastronomie mit fast ganzjährigem Gartencharakter und zu beiden Seiten Läden mit erdgeschossigem Zugang zum Shop-in-Shop-Center, das ans einstige Kaufhaus erinnert: "Dieser Raum wird angenommen - da fress ich einen Besen", sagt Markus Kühne überzeugt.
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