Berechnung des aktuellen Richtwertes belegt
Sozialmieten stagnieren

In Ballungszentren explodieren die Mieten. Das schafft nicht zuletzt soziale Probleme. Auch Amberg geht es gut, die Stadt wächst. Die Anzahl der Verlierer auf dem Wohnungsmarkt soll aber nicht steigen.

Als ein zumindest praktikables Instrument des sozialpolitischen Dagegenhaltens gilt der sogenannte Grundsicherungsrelevante Mietspiegel. Er ist ein Pendant zum klassischen Mietspiegel des freien Wohnungsmarktes, berücksichtigt bei der Ermittlung jedoch spezifische Indikatoren, die soziale Bedürftigkeit definieren. Seit 2014 bedient sich die Stadtverwaltung dieses Indexmodells zur Ermittlung von zu gewährenden Wohnkosten. Nun wird es fortgeschrieben.

Die detaillierte Berechnung und die daraus resultierenden Ergebnisse legt die Verwaltung heute dem Stadtrat vor. Viel zu beschließen gibt es nicht, zu debattieren ebenso wenig. Denn bei der Einführung dieses Instruments wurde festgelegt, dass dieser spezielle Mietspiegel alle zwei Jahre neu zu berechnen ist. Wenn das Ergebnis hinsichtlich der "Richtwerte für angemessene Unterkunftskosten" sich um nicht mehr als fünf Prozent verändert, kann die Verwaltung automatisch die neuen Sätze übernehmen. Das ist der Fall. Demnach ergibt sich lediglich eine zweiprozentige Steigerung bei Wohnungen für Ein-Personen-Haushalte (50 Quadratmeter) sowie Fünf-Personen-Haushalte (91 bis 105 Quadratmeter. Die Richtwerte dazwischen für Zwei-, Drei- und Vier-Personen-Haushalte blieben hingegen unverändert.

Vielsagende Zahlen


Aufschlussreich sind einige Eckdaten der vorgelegten Berechnung, die möglichst breit angelegt ist. Demnach geht die Verwaltung von einem Wohnungsbestand (31. Dezember 2014) von 22 843 Einheiten aus. Bei einer Eigentumsquote von 42 Prozent (bayerischer Durchschnitt in Städten dieser Größenordnung) ergeben sich rechnerisch daraus 13 248 Mietwohnungen. Davon stehen wiederum 5030 (38 Prozent des Bestandes) im Eigentum der fünf größten in der Stadt tätigen Wohnungsbaugesellschaften. Für den Grundsicherungsrelevanten Mietspiegel kommen aufgrund ihrer Einkommenssituation Bedarfsgemeinschaften nach dem Sozialgesetzbuch, Wohngeldempfänger, Studenten und Flüchtlinge in Frage. Diese Zahlen haben sich zwischen dem Januar 2014 und Februar 2016 durchaus verschoben, jedoch keineswegs dramatisch. So sank die Zahl der Wohngeldempfänger um 41 (von 431) und auch bei durch Arbeitslosigkeit verursachten Bedarfsgemeinschaften ging die Fallzahl um 93 (von 1356) zurück. Gestiegen um 46 (von 548) ist die Zahl der alters- sowie durch Arbeitsunfähigkeit bedingte Grundsicherungsempfänger. Bei den Studenten wurde ein Plus von 64 verzeichnet.

Noch nicht relevant


Schwierig einzuordnen sind Flüchtlinge. Im August 2014 waren als Leistungsempfänger 211 registriert, im Mai 2016 waren es 557. Sie lebten jedoch überwiegend in Gemeinschaftsunterkünften, so dass dieser Anstieg in die Berechnung des aktuellen Mietspiegels noch nicht nennenswert einging. Das wird sich ändern, wenn Asylsuchende anerkannt sind, hier bleiben wollen und auf den Wohnungsmarkt drängen.

Die Bruttokaltmieten bewegen sich je nach Wohnungsgröße zwischen 5,42 und 6,07 Euro pro Quadratmeter. Auch die sogenannten "kalten Nebenkosten" (unter anderem Müllabfuhr, Grundsteuer, Versicherungen, "Gemeinschaftsstrom") wurden berechnet. Sie liegen zwischen 1,21 und 1,39 Euro pro Quadratmeter.

MietrichtwerteEin-Personen-Haushalt:

30 bis 40 Quadratmeter, Bruttokaltmiete bis 304 Euro.

Zwei-Personen-Haushalt:

51 bis 65 Quadratmeter, Bruttokaltmiete bis 387 Euro.

Drei-Personen-Haushalt:

66 bis 75 Quadratmeter, Bruttokaltmiete bis 444 Euro.

Vier-Personen-Haushalt:

76 bis 90 Quadratmeter, Bruttokaltmiete bis 523 Euro.

Fünf-Personen-Haushalt:

91 bis 105 Quadratmeter, Bruttokaltmiete bis 570 Euro. (zm)
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