Bilder von möglichen Tiefgarageneinfahrten sorgen für Streit im Stadtrat
Noch lange kein Einfahrtsfrieden

Vorschlag 1
Politik
Amberg in der Oberpfalz
18.10.2016
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Die Stadträte sollten die Visualisierung von acht Entwürfen für eine Tiefgarageneinfahrt in der Bahnhofstraße "nicht abschließend, sondern anregend verstehen", bat Baureferent Markus Kühne. Das Ergebnis dürfte seine Erwartungen weit übertroffen haben.

Denn in der Sitzung am Montag nahm das Gremium die Präsentation der möglichen Gestaltungen zum Anlass, noch einmal heftig über Sinn und Unsinn der ganzen Angelegenheit zu diskutieren (siehe auch "Stimmen zur Einfahrt").

Kühne hatte eingangs die Vorgaben erläutert: Es müsse an dieser Stelle genügend Platz für Feuerwehreinsätze und Schwerlasttransporter bleiben. Das Eingangsbauwerk solle möglichst kurz sein, den vom Einfahrtsverkehr erzeugten Schall reduzieren und eine eventuelle Freischankfläche (für ein Eiscafé direkt daneben) integrieren. Daraus entsprangen folgende Maße der Abfahrt: 37,5 Meter Länge (davon 26,5 Meter offen), 15 Prozent Gefälle (das maximal mögliche), 2,20 Meter lichte Höhe, 3,50 Meter Breite. Das Geländer an den Seiten muss mindestens 1,30 Meter hoch sein, da es auch die Absturzsicherung für Radfahrer gewährleisten soll. Von der Einfahrt aus kann man nach links (Tiefgarage Neue Münze) oder nach rechts (Tiefgarage Bürgerspitalgelände) fahren.

Dafür zeigte Kühne acht verschiedene Lösungen: eher klassische mit Betonbegrenzung, filigranere mit verschieden weit offenen Einhausungen aus Glas, solche mit einem Dach aus Kunststoff-Lamellen oder nur angedeutete Ballon-Ideen, die den Bezug zur Luftkunst herstellen. Teilweise lief das Bauwerk in ein Podest oder eine Abstufung aus, die das Eiscafé nutzen könnte - einmal sogar in Form eines von unten beleuchteten Glasbodens. Der spektakulärste Entwurf war das "Wasserspiel": Eine Wasserwand verdeckt die Einfahrt zur Tiefgarage; wenn ein Auto kommt, stoppt der Wasserfluss und die Einfahrt wird möglich.



Auf Nachfrage von Dr. Klaus Ebenburger nannte Kühne Baukosten in der Größenordnung von 400 000 bis 500 000 Euro, die durch die Einfahrt auf die Stadt zukämen. Helmut Weigl (CSU) fand die Visualisierung wichtig, damit alle, die in der Bahnhofstraße ein Gewerbe betreiben, sehen könnten, was auf sie zukomme. Für Rupert Natter (CSU) war sie der Beweis, dass die "Horrordarstellungen", die veröffentlicht worden seien, "nicht den Tatsachen entsprechen".

Diejenigen, die sich grundsätzlich gegen eine Tiefgarageneinfahrt ausgesprochen hatten, sahen mit diesen Entwürfen aber ihre schlimmsten Befürchtungen bestätigt. Lauter "abschreckende Beispiele" nahm etwa Helmut Wilhelm (Grüne) wahr. "Baut die mal, aber nicht mit meiner Stimme", war Martin Seibert (SPD) eine Spur versöhnlicher. Dieter Mußemann (CSU) sprach von Tiefgaragen in fast allen größeren Städten Bayerns, "die sich gut ins historische Ambiente einfügen". Das könne man in Amberg auch hinbekommen. Da schwante OB Michael Cerny nach einer Stunde hitziger Diskussion bereits: "Es wird keine Lösung geben, mit der alle zufrieden sind."

Nach Ansicht von Markus Kühne ("wir haben versucht, sehr sensible Lösungen zu finden") geht die Vehemenz, mit der sich der Stadtrat dieser Abfahrt widmet, zulasten anderer großer Bauten - "und die sind für die Stadt wichtiger". Weil man sich mit der Entscheidung für die Form der Einfahrt noch Zeit lassen kann, sollen die Vorentwürfe der Öffentlichkeit erst einmal ab November in einer Ausstellung in der Spitalkirche nahegebracht werden.



Bitte verbal abrüstenAngemerkt von Markus Müller

Manch ein Stadtrat hat sich sogar die Uhrzeit gemerkt: 19.08 Uhr war es, als das Gremium sich in nichtöffentlicher Sitzung am 25. Juli in Sachen Bebauung des Bürgerspitalgeländes für den Vorschlag von Ten Brinke entschied. Das Stimmenverhältnis war noch deutlicher als das 25:11, mit dem der Stadtrat zuvor die Bahnhofstraße als möglichen Standort für eine Tiefgarageneinfahrt akzeptiert hatte.

Wer allerdings mit dieser Deutlichkeit oder mit der Tatsache, dass alle Wettbewerbsteilnehmer eine Tiefgarage vorgesehen hatten, die Hoffnung verknüpfte, die Diskussion um diese Einfahrt sei nun quasi automatisch zu Ende, sah sich in der Sitzung am Montag getäuscht: Deren Gegner haben keineswegs kapituliert. Sie bliesen vielmehr noch einmal zum Angriff. Die Frage dürfte sein, ob das ein Rückzugsgefecht zur Gesichtswahrung war ("denen haben wir es aber noch einmal gegeben") oder die Attacke, die den Grundton für die Behandlung dieser Angelegenheit auch in der Zukunft vorgibt.

Als neutraler Beobachter erkennt man sofort: Alle Diskussionsteilnehmer haben ehrenwerte Motive. Sie wollen das Beste für ihre Stadt. Im Eifer des (Debatten-)Gefechts tut man sich aber offensichtlich schwer, das anzuerkennen. Außerdem ist es - solange Beschlüsse noch nicht unumkehrbar sind - vollkommen legitim, sie erneut auf den Prüfstand zu stellen. Speziell in Sachen Tiefgarage wäre es ja nicht die erste Richtungsänderung. Aber die weitere Behandlung des Themas wäre für alle wesentlich ersprießlicher, wenn die Hauptkombattanten verbal abrüsten würden.




Stimmen zur Einfahrt"Eine Fehlplanung sondergleichen ... von abgrundtiefer Hässlichkeit."
"Das wird ein Sargnagel werden für die Attraktivität der Altstadt."
"Das Beste wäre, das Wasserspiel weit aufzudrehen, damit das ganze Unternehmen absäuft."
"Dass der Investor die Tiefgarage zahlt, glaube ich erst, wenn ich den unterschriebenen Vertrag sehe."
Dr. Klaus Ebenburger (Grüne)

"Wir wollen nicht den Online-Handel unterstützen, sondern den Handel in der Innenstadt, dessen Kunden Parkplätze suchen."
Helmut Weigl (CSU)

"Das was hier droht, ist viel schlimmer als das, wovor bisher gewarnt wurde."
"Das Ganze ist nicht nur hässlich, es ist auch gefährlich ... stadtbildgefährdend bis stadtbildzerstörend."
Helmut Wilhelm (Grüne)

"Mir ist schon bewusst, dass wir etwas machen, das nicht zur Verschönerung beiträgt. Aber es geht um die Ziele, die wir erreichen wollen. Und es waren ansprechende Vorschläge dabei."
Uli Hübner (SPD)

"Wir wollen unsere Innenstadt nicht konservieren, wir wollen sie beleben."
Dieter Mußemann (CSU)

"Diese Konzepte sind nicht innovativ, sondern kalter Kaffee von gestern. ... Wer meint, mit Garagen das Problem des Handels zu lösen, der täuscht sich."
Martin Seibert (SPD)

"Mit Dach sieht die Einfahrt wie ein Schneewittchensarg aus."
Dr. Eberhard Meier (FW)

"Unser größtes Problem in der Stadt scheint ein Loch zu sein."
OB Michael Cerny

"Ich will gar keine Gutachten dazu mehr haben, ich will, dass sich was bewegt."
Florian Fuchs (SPD)

"In einem haben Sie recht, Herr Kühne: Man kann dieses scheußliche Loch immer wieder zuschütten, wenn man es nicht mehr aushält."
Dr. Klaus Ebenburger (Grüne)


1 Kommentar
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Rene Kinderlein aus Sulzbach-Rosenberg | 18.10.2016 | 20:53  
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