Crux einer hohen Nachfrage nach Baugrund
Wer zu erst kommt, mahlt zu erst

Baugrund ist in Amberg derzeit begehrt wie nie zuvor. An der Boslarnstraße waren knapp 20 Parzellen binnen einer halben Stunde weg. Bild: Hartl
Politik
Amberg in der Oberpfalz
05.03.2016
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Die Nachfrage übersteigt das Angebot deutlich. Amberg kann sich glücklich schätzen, weil Baugrund gefragt ist, wie nie. Im Rathaus verursacht das aber auch Bauchschmerzen.

Auf der Tagesordnung des Haupt- und Finanzausschusses stand das Thema nicht. Doch jeder wusste gleich, worum es geht, als Rupert Natter (CSU) am Donnerstag nachfragte, ob man nicht über ein neues Zuschlag-Verfahren beim Verkauf von Bauplätzen für Einfamilienhäuser nachdenken sollte.

Zum Anlass nahm er die kürzliche Vergabe von Grundstücken im Baugebiet Boslarnstraße. Das mail-gestützte "Windhundverfahren" (wer am schnellsten ist, bekommt den Zuschlag) sei "sehr stark hinterfragungswürdig", bezog sich Natter auf eine Diskussion in seiner Fraktion. Überlegungen seien deshalb in die Richtung gegangen, ob es nicht gerechter wäre, eine Art Punktesystem zu entwickeln, in dem beispielsweise die familiäre Herkunft (etwa ein Raigeringer) oder ehrenamtliches Engagement (FFW-Mitgliedschaft) eine Berücksichtigung finden sollten.

Oberbürgermeister Michael Cerny (CSU) gab das Wort an Stadtkämmerer Franz Mertel weiter, aus dem es förmlich heraussprudelte, dass auch er und das Liegenschaftsamt keineswegs glücklich mit dem angewandten Verfahren seien. "Wir haben das schon oft diskutiert und diskutieren es immer wieder", ließ sich Mertel ein. Auf den Stein der Weisen seien sie dabei aber noch nie gestoßen.

Der Kämmerer nannte ein paar Beispiele. Wie viele Punkte solle es für eine FFW-Mitliedschaft in einem dörflichen Stadtteil geben und wie viele für ein Engagement beim THW, das überörtlich bis international eingesetzt werden könne? Stichwort junge Familien: Punkte für Kinder würden eindeutig Paare benachteiligen, die keine Kinder bekommen können, oder ältere Menschen, die sich einen Altersruhesitz zulegen wollten.

Deshalb sei das Liegenschaftsamt zu der Entscheidung gekommen, mit dem derzeitigen Verfahren sich im Bereich des geringsten Übels zu bewegen. Mertel hofft, dass sich mit dem neuen Baugebiet Drillingsfeld, die Situation etwas entspannt. Förmlich gesprengt wurde die Diskussion durch einen Einwurf von SPD-Fraktionsvorsitzender Birgit Fruth. Sie spreche sich gegen die Förderung der "Bildung von Enklaven" aus, argumentierte sie in Richtung CSU. Reichlich verdutzt konterten Natter und der christsoziale Fraktionsvorsitzende Dieter Mußemann, sich "in der Wortwahl zu mäßigen", und der OB bat, "den Ball flach zu halten". Damit war die Diskussion unergiebig beendet. (Hintergrund, Angemerkt)
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