CSU-Stadtratsfraktion diskutiert über die Erweiterung der VHS
Die Lösung liegt im Stadtarchiv

Fast schon wie bestellt: ein mustergültiger weiß-blauer Himmel, milde Abendsonne und das Bild des eingerüsteten Martinsturms in Hintergrund. Allen Teilnehmern des CSU-Ortstermins war schnell klar, wieso Dieter Mußemann und OB Michael Cerny (von links) die Ecke von Schiffgasse und Zeughausstraße als idealen Standort für ein kleines Café in VHS-Zuständigkeit bezeichneten. Hinter der Gruppe die beiden Häuser, die noch das Stadtarchiv beherbergen. Bild: Hartl
Politik
Amberg in der Oberpfalz
31.07.2016
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Die Volkshochschule platzt aus allen Nähten. Dass sie mehr Platz braucht, ist unbestritten. Die CSU-Fraktion setzt auf eine Lösung mit dem direkt daneben liegenden Stadtarchiv. Und möchte damit sogar noch etwas für die Schiffgasse tun.

Kulturreferent Wolfgang Dersch und VHS-Leiter Thomas Boss erläuterten den CSU-Stadträten am Freitagabend beim Rundgang durch die Räume der VHS im Raseliushaus, wo der Schuh drückt.

Montags sehr umständlich


Da ist etwa die Anmeldung im zweiten Stock des Gebäudes, die einen für ältere Menschen oft anstrengenden Aufstieg über eine enge Wendeltreppe erfordert. Barrierefrei ist das allenfalls, wenn man den Aufzug in der Stadtbibliothek nutzen kann. Die hat allerdings am Montag zu, so dass die Nutzung des Aufzugs dann immer besonders umständlich ist.

Ein weiteres Problem: Der Seminarraum im ersten Stock wird sowohl für Sport- als auch für Sprachkurse gebraucht. Das erfordert häufiges Be- und Entstuhlen sowie ständig ausgiebiges Lüften. "Mit mehr Räumen könnte man das auflösen", meinte Fraktionssprecher Dieter Mußemann. "Und mit mehr Flexibilität werden auch unsere Kurse noch attraktiver", ergänzte Wolfgang Dersch.

Das gilt nicht zuletzt für den Vortragsraum im Erdgeschoss, der die meiste Nutzfläche aufweist und deshalb multifunktional genutzt wird. Derzeit auch als Lagerraum, den die VHS ansonsten nicht hat. Deshalb werden jetzt - in den Ferien sind keine Kurse - die Requisiten des Sommerfestivals dort aufbewahrt.

Mehr Platz macht nach Auffassung von Dersch nicht nur der Verwaltung der VHS die Arbeit leichter, sondern würde es auch erlauben, in den besonders nachgefragten Bereichen wie den Gesundheitskursen zusätzliche Angebote auf die Beine zu stellen.

Gut für die Innenstadt


Die von der CSU propagierte Lösung sieht so aus, dass die VHS die Räume im jetzigen Stadtarchiv - insgesamt fast 450 Quadratmeter - mitnutzen kann, wenn diese Einrichtung 2018 ins frühere Kurfürstliche Wagenhaus umzieht. "Das bringt auch Frequenz in die Innenstadt", sah Mußemann einen weiteren Vorteil. Speziell für die Schiffgasse wäre das gut, meinte Cerny, "denn es tut uns weh, dass sie jetzt autofrei ist, eine Belebung sich aber nicht ergeben hat".

Zusätzlichen Publikumsverkehr könnte ein kleines Café generieren, das sicher auch der eine oder andere VHS-Kunde besuchen würde. "Keine Riesengastronomie", schränkte der OB ein, denn die Sache müsse ja mit vertretbarem Aufwand zu betreiben sein. Ein paar Tische im Erdgeschoss, möglicherweise neben der neuen VHS-Anmeldung, lautete ein Gedankenspiel. Aber doch vor allem bewirtschaftete Freifläche vor dem Haus, an der Ecke von Schiffgasse und Zeughausstraße. Die CSU-Kommunalpolitiker sind erfahren genug, um zu wissen, dass so etwas nicht ganz einfach geht, dass da schnell Fragen wie Umnutzung, Stellplätze oder Reaktionen der Nachbarn auftauchen. Aber davon will man sich nicht ins Bockshorn jagen lassen. Zu eindeutig war die Wirkung des besagten Platzes bei einem kurzen Ortstermin: "Ideal" nannte ihn Cerny, "eine der schönsten Partien an der Schiffgasse" ist er in den Augen von Dieter Mußemann. Wolfgang Dersch machte zudem darauf aufmerksam, dass er als Plätten-Anlegestelle dient.

In zwei Häusern


Am Schluss war man sich einig, es nicht bei der fünf Jahre alten groben Überplanung für eine Nutzung des Stadtarchivs zu belassen, sondern die gesamten Räume dort und im Raseliushaus, die der Volkshochschule zur Verfügung gestellt werden können, gründlich zu überplanen. (Angemerkt/Im Blickpunkt)

Freundliche Übernahme

Von Markus Müller

Wer sich fragte, warum die Amberger VHS nicht mit gleicher Intensität wie ihre Schwester auf Landkreisebene im Bereich der Integration von Flüchtlingen tätig ist, der wurde aus den Erläuterungen von VHS-Leiter Thomas Boss beim Besuch der CSU schlau: Es gibt eine Absprache mit dem Kolping-Bildungswerk, dass dieses die Integrationskurse gibt. Deshalb ist die VHS auf diesem Gebiet erst später eingestiegen und stand dann vor dem Problem, keine Kursleiter zu bekommen, "weil der Markt leer gefegt ist" (Boss).

"Da sind wir noch nicht aufgestellt", war die Erkenntnis des VHS-Chefs, nachdem bislang nur zwei Sprachkurse für Migranten abgehalten werden konnten, also quasi freiwillige Leistungen der Asylbewerber, nicht einmal die von ihnen geforderten Integrationskurse. Allerdings hat die Stadt die Stelle eines Bildungskoordinators für Neuzugewanderte ausgeschrieben, der sich ab 1. September unter dem Dach der Volkshochschule um diesen Sektor kümmern soll.

Wahrscheinlich steigt damit der Raumbedarf weiter. OB Cerny schließt allerdings eine größere Bautätigkeit dafür aus. Zudem sprechen viele Argumente für einen Verbleib in der Zeughausstraße, "der "Kulturmeile Ambergs". Nicht zuletzt die "sehr gute Symbiose" (Boss) mit der Stadtbibliothek. Insofern könnte die "freundliche Übernahme" des bisherigen Stadtarchivs der Königsweg sein. Dann müsste man freilich wohl noch mindestens eineinhalb Jahre in der derzeitigen Enge überbrücken.

markus.mueller@zeitung.org

Im Blickpunkt

VHS will nicht in Wirtschaftsschule

Amberg. (ll) Als "Strohfeuer-Diskussion" sah Dieter Mußemann die Idee, die VHS in die Wirtschaftsschule zu verlagern. Das ließe sich sowohl baulich als auch organisatorisch nicht verwirklichen, meinte OB Michael Cerny. Die VHS sei ja schließlich keine Abendschule, sondern biete den ganzen Tag über Aktivitäten an. Und vonseiten der Wirtschaftsschule lehne man diese Art der Mitnutzung schon aus Sicherheitsgründen ab: "Für eine Schulleitung ist so etwas ein Riesenhorror: Ich weiß nicht, wer gerade alles in meinem Schulhaus ist."

Thomas Boss erteilte einem Umzug ebenfalls eine Absage: "Aus unserer Sicht kommt das nicht infrage." Am Vormittag habe man allein im Raseliushaus 30 Kurse; zudem 12 an weiteren Standorten in der Stadt. Am Abend nutze man die EDV-Räume der Wirtschaftsschule aber gerne. "In Schulen sind wir überhaupt viel, aber nur am Abend", ergänzte Wolfgang Dersch.
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