CSU-Verbände streiten um das Direktmandat
Neumarkt will Lanzinger nicht

Derartige Aussagen werden gerne vorgeschoben, wenn es um die Wahrung persönlicher Interessen geht.
Politik
Amberg in der Oberpfalz
07.04.2016
374
0

Barbara Lanzinger oder Alois Karl? Wer wird der nächste Direktkandidat für den Bundestag? Die Neumarkter CSU hat jetzt klargemacht: Bei der Entscheidungsfindung werden "sicher nicht die erkennbaren Eigeninteressen einzelner um ihre politische Zukunft oder andere Scheinargumente im Vordergrund stehen".

So deutlich formuliert es in einer am Donnerstag zugesandten Stellungnahme Robert Renker, der Vorsitzende des Stadtverbandes Neumarkt. Lanzinger, sagt er, habe mit ihrer Einschätzung sicherlich Recht, dass sie über die CSU-Liste möglicherweise nicht mehr so große Chancen auf einen erneuten Einzug in den Bundestag hat. "Wenn sie sich dies öffentlich vergegenwärtigt und nun für ihre persönliche Zukunft sorgen will, so ist dies auch für uns nachvollziehbar."

Allerdings sollte ein solches Verfahren fair und korrekt verlaufen, fordert Renker. Deshalb nehme der Neumarkter CSU-Vorstand mit Verwunderung die Argumentation der Amberger Parteispitze zur Kenntnis, mit der Lanzinger als Direktkandidatin auf den Schild gehoben werden soll. "Für Neumarkt mutet es komisch an, dass Lanzinger von heute auf morgen als ,die beste Fürsprecherin für Amberg, Amberg-Sulzbach und Neumarkt' tituliert wird", hält Renker fest. Der gesamte Wahlkreis werde seit 2005 durch den Inhaber des Direktmandates, Alois Karl, "hervorragend vertreten". Dieser habe sich "nachweislich stets mit großem Nachdruck" für die Anliegen der Landkreise Neumarkt und Amberg-Sulzbach, aber auch der Stadt Amberg eingebracht.

Renker hat Zweifel


Nicht besonders stichhaltig erscheint Renker und seinen Vorstandskollegen auch das Argument, dass es "Zeit für eine Frau" werde: "Derartige Aussagen werden gerne vorgeschoben, wenn es um die Wahrung persönlicher Interessen geht." Die Neumarkter sprechen von einem Scheinargument und fügen hinzu: "Wäre es ein ehrliches Argument, so stellt sich die berechtigte Frage, weshalb es bei der Kandidatenfindung der CSU Stadt Amberg für das Amt des Amberger Oberbürgermeisters für 2014 wohl keine Rolle gespielt hat." Es könnte nun der Eindruck entstehen, "dass es hier vorrangig darum geht, die Chancen der Amberger Kandidatin zu wahren, noch einmal in das Parlament einzuziehen". Deren eingetrübte politische Zukunftsperspektive über die Landesliste habe aber wenig mit dem Geschlecht oder der hohen Qualität der Arbeit des bisherigen Direktabgeordneten zu tun.

Die Amberger CSU scheine auch Folgendes zu vergessen: Seit 1949 wähle man einen Direktabgeordneten in den Deutschen Bundestag. 56 Jahre lang sei dies jemand aus dem Bereich Amberg/Amberg-Sulzbach gewesen. "Das haben wir als CSU in Neumarkt stets mitgetragen", unterstreicht Renker. Seit über zehn Jahren nehme mit Karl ein Neumarkter das Direktmandat wahr. "Es lässt sich aus unserer Sicht kein krasses Missverhältnis erkennen, wenn dann nach zwölf Jahren Alois Karl als Direktabgeordneter erneut ein Neumarkter für die CSU kandidieren wird", bekräftigt der Vorsitzende.

Richtige Schlüsse ziehen


Er kündigt an: "Wir werden als CSU in Neumarkt in aller Ruhe ausführlich miteinander reden. Dann werden wir zum richtigen Zeitpunkt die richtigen Schlüsse ziehen und uns entscheiden. Dem Ergebnis wollen wir nicht vorgreifen." Bei der Entscheidungsfindung, fügte Renker hinzu, "werden aber sicher nicht die erkennbaren Eigeninteressen einzelner um ihre politische Zukunft oder andere Scheinargumente im Vordergrund stehen". (Angemerkt)
Derartige Aussagen werden gerne vorgeschoben, wenn es um die Wahrung persönlicher Interessen geht.Der Neumarkter CSU-Chef Robert Renker zum Amberger Argument, dass es "Zeit für eine Frau" werde
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.