Das unternehmen Jobcenter und Industrie
Arbeit für Flüchtlinge

Klinikumsvorstand Manfred Wendl (links) und Pflegedirektorin Kerstin Wittmann setzen voraus, dass Flüchtlinge nur dann in St. Marien eine Arbeitsstelle bekommen, wenn sie gut Deutsch sprechen. Bild: Hartl
Politik
Amberg in der Oberpfalz
16.02.2016
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Peter Rihm, Personal-Chef am Siemens-Standort. Bild: Huber

Auf der einen Seite fehlen Pflegekräfte, auf der anderen gibt es immer mehr Flüchtlinge, die Arbeit suchen. Beides zusammenzuführen, ist nicht so einfach. Das Klinikum hat seine Fühler schon mal ausgestreckt und erste Erfahrungen gemacht.

Bis zum Jahr 2030 fehlen laut einer Studie bundesweit gut 200 000 Pflegekräfte. "Das wird nicht reichen", glaubt Kerstin Wittmann. Wie sehr das Klinikum davon betroffen sein wird, mag die Pflegedirektorin noch nicht einzuschätzen, denn dank der eigenen Berufsfachschule für Kranken- und Kinderkrankenpflege stehe St. Marien gut da. Eine Garantie für die Zukunft ist das nicht.

Da das Kolping-Bildungswerk sehr daran interessiert sei, vor allem junge Flüchtlinge in den Arbeitsmarkt zu integrieren, bestehe in Tagen wie diesen natürlich Kontakt. "Die wollen tatsächlich in die Pflege", sagt Wittmann über die beiden jungen Männer aus Syrien und Afghanistan, die seit einigen Wochen als Praktikanten tätig sind. Glücksfall und Ausnahme zugleich: In ihrer alten Heimat studierten die Anfang 20-Jährigen Medizin und Pharmazie, hatten folglich einen Bezug zu ihrem aktuellen Job. Männliche Ausländer in der Pflege? "Das klappt ganz gut", bestätigt Kerstin Wittmann und liefert die Begründung gleich mit: "Man muss sich bemühen." Und das sei bei den beiden Neuankömmlingen der Fall. Wenngleich die Aufgabe natürlich keine leichte sei: "Es macht einen Unterschied, ob ich an einem Firmenband stehe oder neben einem 80-jährigen Oberpfälzer, der schwer hört."

In anderen Sparten, die für den Klinikums-Betrieb wichtig sind, gestalte sich die Beschäftigung von Asylbewerbern weitaus schwieriger, weiß Vorstand Manfred Wendl: "Bei den Ärzten ist es so, dass nicht automatisch alle medizinischen Studienabschlüsse aus anderen Länden anerkannt werden." Wenngleich auch hier der Bedarf gegeben sei: "Wir müssen auf ausländische Ärzte zurückgreifen, weil wir unsere Stellen sonst nicht vollbekommen." Sollte sich unter den Flüchtlingen tatsächlich ein Arzt befinden, der in Amberg arbeiten möchte, müsste das die Landesärztekammer entscheiden. Notfalls bräuchte es eine Facharztprüfung. Wendl: "Das liegt alles nicht in unseren Händen."

Arbeit für Flüchtlinge: Das unternehmen Jobcenter und IndustrieFür Flüchtlinge, die nach Deutschland kommen, sind zuerst die Ausländerbehörde und das Sozialamt Ansprechpartner. Zunächst gilt laut Jobcenter-Geschäftsführerin Sonja Schleicher das Prinzip der Freiwilligkeit. Soll heißen: Der Asylbewerber muss sich bei der Arbeitsagentur melden, wenn er eine Beschäftigung möchte. Ist er anerkannt, wechselt die Zuständigkeit zum Jobcenter, die Arbeitssuche wird zur Auflage. Genutzt werde dabei der Arbeitgeberservice, dem Firmenchefs freie Stellen melden. Am einfachsten wäre es, sagt Schleicher, wenn an der Grenze nicht nur die üblichen Personalien notiert würden, sondern auch die beruflichen Qualifikationen: "Das ist der Weg, der am schnellsten ist" - für Arbeitgeber und Arbeitnehmer. (tk)

Wie Siemens mit der Flüchtlingskrise umgeht, erklärt der Amberger Personal-Chef Peter Rihm. Der Konzern habe bundesweit vier hauseigene Förderklassen eingerichtet, darunter eine bei Nürnberg. Dort werden potenzielle Azubis so geschult, dass sie im Herbst 2017 mit einer Lehre beginnen können: "Immer unter der Maßgabe, dass sie die Grundvoraussetzungen erfüllen." Dazu gehöre auch gutes Deutsch. Für die 21- bis 40-Jährigen sieht Siemens Praktika vor, um zu erfahren. "Vielleicht ist jemand dabei, der bei uns Fuß fassen kann." Ein erster Amberger Bewerber fängt laut Rihm im März in der Eingangslogistik an. Das Problem: Bewerbungsunterlagen stimmen häufig mit der Realität nicht überein. "Das klafft oft weit auseinander." (tk)
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