Demonstrationen in Amberg und Kreuth vor und während Petry-Auftritt
Laut gegen die AfD

Anti-AfD-Kundgebung in Amberg, Marktplatz. Foto: Wolfgang Steinbacher
Politik
Amberg in der Oberpfalz
04.10.2016
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Amberg/Rieden. Lediglich den Parkplatz teilten sich die Besucher der Petry-Rede und der Gegenkundgebung im Riedener Ortsteil Kreuth - politisch und räumlich waren sie weit auseinander. Während die einen Richtung Riedener Festhalle strömten - interessierte Bürger genauso wie laut Internetportal "Endstation rechts" der verurteilte Neonazi Patrick Schröder und Mitglieder des Freien Netzes Süd - sammelten sich die anderen rund 150 Meter davor. Parolen der etwa 250 Teilnehmer wie "Nazis raus" und "Refugees welcome" schallten über das Gelände.

Zuvor waren etwa 650 Demonstranten des "Bündnisses für Toleranz und Menschenrechte" über den Amberger Marktplatz gezogen. Bayern-3-Moderator Matthias Matuschik moderierte die 22 Redebeiträge von Initiativen, Gewerkschaften, Parteien, Kirchen und Kulturschaffenden. Ein Flüchtling aus dem Arbeitskreis Flüchtlingshilfe machte deutlich: "Ich bin nicht dein Feind. Dein Feind ist der Grund, warum ich hier bin." Viele Gruppen klärten mit kreativen Aktionen über AfD-Programmpunkte auf, wie die Abschaffung der Steuer für Reiche oder die Ablehnung erneuerbarer Energien.

Strobl verliest Hassmails


SPD-Landtagsabgeordneter Reinhold Strobl verlas einige der 130 Hass-E-Mails, die er vergangenes Wochenende bekommen hat, nachdem er sich gegen den Auftritt Frauke Petrys ausgesprochen hatte. Bei den Sätzen "Ihr dreimal verfluchte antideutsche antidemokratische rote Bande. Irgendwann Gnade euch Gott", wurde er sehr ernst. "Das hatten wir schon einmal, das wollen wir nicht mehr."

Nicht nur junge Menschen besuchten die Demonstration. Eine 70-Jährige aus Sulzbach-Rosenberg habe lange überlegt, ob sie kommen solle: "Die potenziellen AfD-Wähler erreicht man hier nicht." Trotzdem habe sie sich entschieden, "Gesicht zu zeigen", wie es in dem Aufruf zur Kundgebung hieß. "Die AfD profitiert von Unwissen. Die Menschen haben viele diffuse Ängste, die diese Partei bedient. Mich ärgert, dass die AfD aus diesen Ängsten Kapital schlägt."

Einige Demonstrationsteilnehmer, darunter ein Gewerkschafter, der nicht genannt werden möchte, wohnten Petrys Rede bei. Manche, um auch die Gegenseite zu hören, andere, um durch Zwischenrufe zu stören. Einen kurzen Tumult unterband die Polizei und verwies die Demonstranten der Veranstaltung. In der Folge diskutierten draußen Gegner und AfD-Verfechter laut, aber friedlich weiter. Eine 45-jährige Juristin aus Amberg, die ebenfalls der Rede lauschte, klagte, dass sie sich von einigen Besuchern abschätzig behandelt fühlte, "nur weil ich eine Ausländerin bin".
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