Der frühere Landtagsabgeordnete Heinz Donhauser feiert 65. Geburtstag und kümmert sich lieber ...
Keine Sehnsucht nach der großen Politik

Für die AZ-Fotografin nahm Heinz Donhauser noch einmal auf seinem alten Landtagssitz Platz, den er sich 1998 nach dem Umbau des Plenarsaals sicherte. Bild: Hartl
Politik
Amberg in der Oberpfalz
22.06.2016
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Seinen Landtagssitz hält Heinz Donhauser schon noch in Ehren. Also den Stuhl, der die ersten acht Jahre im Maximilianeum sein Arbeitsplatz in der Öffentlichkeit war. Dann wurde 1998 die 50 Jahre alte Einrichtung des Plenarsaals ausgetauscht und Heinz Donhauser sicherte sich den geschichtsträchtigen Klappsitz als Souvenir.

Heute steht er gleich hinter der Eingangstür zur Wohnung des Raigeringers. Nicht zentral, man könnte ihn glatt übersehen, aber wenn man ihn wahrnimmt, passt diese Platzierung gut zu dem, was Heinz Donhauser über seine 23 Jahre als Landtagsabgeordneter und das Ende dieser Zeit sagt: Er könne dankbar und zufrieden zurückblicken, weil ihm die Menschen so lange ihr Vertrauen geschenkt hätten und weil er auch einiges für die Region habe erreichen können. Doch habe er es mit der selbstbestimmten Wahl des Zeitpunkts für das Ende seiner politischen Karriere - 2013 trat er in der CSU nicht mehr an - genau richtig getroffen.

Donhauser kennt auch die anderen Geschichten. Diejenigen von den Abgeordneten, die im fortgeschrittenen Alter nicht von ihrem Amt lassen konnten und damit weder ihrer Familie noch dem hoffnungsvollen Nachwuchs in ihrer Partei einen Gefallen taten.

Er habe zum Glück keine Probleme mit dem Loslassen gehabt, erzählt Donhauser im Gespräch mit der AZ zu seinem 65. Geburtstag. "Natürlich juckt es manchmal in den Fingern, wieder aktiver einzusteigen, aber das Heft des Handelns liegt jetzt bei anderen. Wenn sie mich fragen, bekommen sie Antworten, aber ich mische mich nicht von mir aus ein."

30 Jahre im Stadtrat


Das Gute am Ruhestand, den Donhauser nach den Übergangsmonaten Mitte 2015 offiziell antrat: Er hatte wieder Zeit, was mit den eigenen Händen zu arbeiten. "Was meine praktischen Fähigkeiten betrifft, hatte ich ja riesigen Nachholbedarf." Der gelernte Elektriker (in der Luitpoldhütte) kam über die Stationen Diplom-Ingenieur, Höheres Lehramt an beruflichen Schulen für Elektrotechnik, Informatik und katholische Religionslehre sowie Stadtrat (1984 bis 2014) und CSU-Kreisvorsitzender (1988 bis 2005) zur Tätigkeit im Landtag. Als er sich beim Bau seines neuen Hauses bei den Elektroarbeiten oder beim Fliesen habe einbringen können, da sei ihm bewusst geworden, wie viel Freude das mache und wie sehr er es in seiner "politischen Zeit" doch vermisst habe.

"Mein größter Clou"


Eine Beziehung zur Bautätigkeit hatte er auch da, war doch der Denkmalschutz sein Steckenpferd. Die Liste der Kirchen, Burgen und historischen Gebäude, für deren Sanierung Donhauser Geld beschafft hat, passt gar nicht auf ein Blatt. Am liebsten erinnert er sich daran, wie es gelang, das Staatliche Bauamt ins Sulzbach-Rosenberger Schloss zu holen - "das war mein größter Clou". Doch auch den Kurswechsel vom durchgehend vierspurigen zum wechselweise dreispurigen Ausbau der B 85 in der Region wertet Donhauser heute als goldrichtigen Einfall: "Der vierspurige wäre doch nie gekommen."

Wer so lange an vorderster Front politisch tätig war, der hat natürlich selbst im Ruhestand einen ausgefüllten Terminkalender, auch wenn er es sich leisten kann, nur noch ehrenamtlich zu arbeiten. Etwa alle 14 Tage fährt Donhauser nach München, wirkt dort als Prüfer für die Auswahl von Stipendiaten, die in die Hanns-Seidel-Studienstiftung aufgenommen werden, arbeitet im Forum für Medienpädagogik mit oder ist bei Treffen der ehemaligen Abgeordneten. Als früherer Vorsitzender der Elternschule - "ich war ja der einzige männliche in ganz Bayern" - ist er dort ebenfalls noch im Vorstand aktiv. Zwischendurch nimmt er auch Aufträge wie die Tätigkeit als Wahlbeobachter in Aserbaidschan an.

Mit der Familie im Urlaub


Aber die Prioritäten tragen heute bei Heinz Donhauser andere Namen: Rosemarie (5), Annabella (3) sowie Alexandra (sechs Monate). Das sind seine Enkel. "Meine Opa-Pflichten nehme ich sehr ernst", sagt er. "Mein Sohn und meine Tochter sehen das vielleicht auch als eine gewisse Kompensation, weil ich früher oft nicht da war." Apropos: Auch an seinem heutigen 65. Geburtstag ist Heinz Donhauser nicht da: Er ist mit seiner Frau Erika, den Kindern und den Enkeln in den Urlaub gefahren.
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