Die AfD in der Oberpfalz
AfD oft noch in der Anonymität

Sie geben der AfD in der Oberpfalz ein Gesicht: die Bezirksvorsitzenden Christian Paulwitz (47) und Claudia Marino (52) sowie Kreisvorsitzender Oliver Rödel aus Amberg (von rechts). Bild: cf
Politik
Amberg in der Oberpfalz
09.08.2016
1297
1

Polarisierend und provozierend klingen die Aussagen von AfD-Spitzenleuten wie Frauke Petry oder Alexander Gauland. Vergleichsweise artig wirkt dazu die Oberpfälzer Parteibasis. Ein Jahr vor der nächsten Bundestagswahl steckt der Bezirksverband der Alternative für Deutschland noch weitgehend im Aufbau.

Weiden/Amberg. Noch sind die AfD-Kreisverbände identisch mit den Bundeswahlkreisen Amberg-Neumarkt, Schwandorf-Cham und Weiden. Diese relativ großen Zuschnitte wollen die Bezirksvorsitzenden Christian Paulwitz und Claudia Marino "kleingliedriger" gestalten, also auf die kreisfreien Städte und Landkreise herunterbrechen. Die Nominierungsversammlungen der Kreisverbände für die Bundestagswahl sollen im Frühjahr 2017 über die Bühne gehen. Die Partei scheint sich wieder gefangen zu haben, nachdem vor einem Jahr der Streit mit Parteigründer Bernd Lucke auch der AfD in der Oberpfalz arg zusetzte: Die Mitgliederzahl sank nach eigenen Angaben im Sommer 2015 auf 157 und erreichte aber schon Ende Juli 2016 den bisherigen Höchststand von 230.

Der AfD-Kreisverband Amberg-Neumarkt zählt demnach 51 Mitglieder (Gründung mit 26 Personen), der Kreisverband Weiden 44 zahlende Anhänger (gestartet mit 18), der Kreisverband Schwandorf-Cham aktuell 47 Mitglieder. Paulwitz, von Beruf Elektroingenieur und in Nittendorf (Kreis Regensburg) wohnhaft, spricht von einer "enormen Aufgabe", eine neue Partei aufzubauen. "Das ist ein langwieriges Bohren dicker Bretter."

"An Weimar erinnert"


Claudia Marino aus Weiden, ehemalige Justizvollzugsbeamtin, sagt es noch deutlicher: "Viele unserer Mitglieder - Facharbeiter, Handwerker, aber auch Rechtsanwälte, Ärzte und Polizeibeamte - treten öffentlich nicht in Erscheinung, weil sie noch Angst haben." So würden die Inhaber der Versammlungs-Lokalitäten empfindlich unter Druck gesetzt, Sachbeschädigungen seien an der Tagesordnung. Paulwitz sieht die linke Antifa als "verlängerten Arm der etablierten Parteien": "Man fühlt sich an Weimar erinnert." So laufen die Versammlungen nicht selten in der Anonymität ab, bei den wenigen öffentlichen Veranstaltungen gibt es regelmäßig Zoff.

Gelassen beobachten Paulwitz und Marino den Machtkampf an der Parteispitze. "Wir sind basisdemokratisch eingestellt. Auch ein Meuthen oder eine Petry werden das begreifen - oder abgewählt werden", betont Paulwitz. "Wir brauchen keinen Führer-Kult", pflichtet Marino bei. Wegen der "Ignoranz der etablierten Parteien zum Rechtsstaat" trat der "immer schon politisch interessierte" Paulwitz im Juli 2013 der AfD bei. Er wirft der "politischen Klasse" vor, sich vom Grundgesetz und der Lebenswirklichkeit weg zu bewegen.

Nach den jüngsten islamistischen Attacken bei Würzburg und in Ansbach sieht Paulwitz Deutschland in einer "Ausnahme-Situation"; er hält deshalb die Forderung Gaulands nach einem Einreisestopp für Muslime für gerechtfertigt. Gerade die nicht vollzogene Abschiebung des Ansbacher Attentäters mache offenkundig, "wie wenig die staatlichen Institutionen funktionieren". Außerdem seien Amokläufe wie in München anders zu beurteilen als islamistische Anschläge. Unterm Strich hat Paulwitz "keine Sorge vor der intellektuellen Auseinandersetzung" mit den anderen Parteien.

Unsere Zeitung stellt in loser Folge die Parteien zur Bundestagswahl 2017 vor.

Ich habe keine Sorge vor der intellektuellen Auseinandersetzung mit den anderen Parteien.AfD-Bezirksvorsitzender Christian Paulwitz
1 Kommentar
56
Ali Zant aus Weiden in der Oberpfalz | 09.08.2016 | 14:03  
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.