Diskussion über Flüchtlinge
Zwischen Hilfe und Hetze

Werner Konheiser, Gertrud Strauß und Hans Lauterbach (von links) berichteten über ihre Arbeit mit Flüchtlingen.
Politik
Amberg in der Oberpfalz
21.03.2016
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Auch die beteiligten sich an der Podiumsdiskussion: die stellvertretenden Leiter der Inspektionen Sulzbach-Rosenberg und Amberg, Michael Kernebeck und Werner Pichl, sowie Anne Kuchler von der Caritas. Bilder: gf (3)

Hilfe auf der einen, Hetze auf der anderen Seite. Kaum ein Thema spaltet die Gesellschaft derzeit mehr als die Flüchtlingsfrage. Die IG Metall will Aufklärungsarbeit leisten und lud zu einer Podiumsdiskussion ein. Gekommen war auch ein ganz besonderer Gast.

Amberg. (gfr) Haben Menschen miteinander zu tun, komme es zwangsläufig zu Konflikten, gab Dr. Reinhard Böttcher die Richtung vor. Der Pfarrer ist Referent des Evangelischen Bildungswerks, das mit der Katholischen Erwachsenenbildung und der IG-Metall die örtlichen Flüchtlingshilfsorganisationen sowie die Caritas, das Diakonische Werk und die Polizei zur Darstellung der Problematik aus ihrer jeweiligen Sicht gebeten hatte.

Einige Schlagworte stellte Dr. Böttcher in den Raum. Zum Beispiel: "Flüchtlinge haben Probleme mit der Gleichberechtigung." Gertrud Strauß vom Diakonischen Werk betonte ausdrücklich, dass sie von Neuankömmlingen stets höflich und zuvorkommend behandelt werde. Das Kopftuch werde von Frauen nicht als Unterdrückung angesehen, sie würden sich damit einfach wohler fühlen.

Dem Vorurteil "Flüchtlinge sind kriminelle Sozialschmarotzer, die uns die Jobs wegnehmen und unsere Kultur verdrängen" widersprach Hans Lauterbach (Sulzbach-Rosenberg hilft). Ein anerkannter Asylbewerber habe ein Recht auf Sozialleistungen. Schmarotzer sei ein Ausdruck, den er dem rechtem Gedankengut zuordne. Von einem Wegnehmen der Jobs und Kultur könne auch nicht die Rede sein, so Lauterbach. "Wir schleppen unsere Flüchtlinge überall mit hin", sagte der Sulzbach-Rosenberger, am Rosenmontag hätten sie eine "saugeile Party" gefeiert.

Keine Islamisierung


Für Werner Konheiser (Amberg hilft Menschen) ist die Aussage "Der Islam passt weder zu Deutschland noch zu Europa" vollkommen falsch. Kulturen und Gesellschaften seien einem steten Wandel unterworfen. Von einer Islamisierung Europas könne nie die Rede sein, denn Religionen hätten in heutiger Zeit nicht mehr den bestimmenden Charakter vergangener Jahrhunderte. Wenn Frauen im Islam eine untergeordnete Rolle spielten, so stünden auch hier schon Veränderungen an.

Seit Jahren betreute sie Asylbewerber und Flüchtlinge, betonte Anne Kuchler (Sozialpädagogin bei der Caritas und Asylberaterin der Stadt). Viele Zuwanderer seien der Ansicht, dass das Leben in Deutschland einfacher sei, aber die Bürokratie sei ihnen fremd. Positiv stimme sie, dass die Hilfsbereitschaft aus der Bevölkerung nicht von falschen Bildern negativ beeinflusst werde.

Hauptkommissar Michael Kernebeck, stellvertretender Leiter der Polizeiinspektion Sulzbach-Rosenberg, sagte, dass die Öffentlichkeit ein Recht darauf habe, wahrheitsgemäß informiert zu werden. Herkunft und Religion würden aber nur dann genannt, wenn es für die Straftat relevant sei. Ausdrücklich hob Kernebeck hervor, dass es für die Polizei keinen Maulkorberlass gebe. Erster Polizeihauptkommissar Werner Pichl, stellvertretender Leiter der Inspektion Amberg, erklärte, dass die Beamten verstärkt Aufenthaltsorte von Flüchtlingen und Asylbewerbern zu deren Schutz überwachen.

Bedenken im Publikum


Einer der Zuhörer äußerte Bedenken, dass sich in Ballungszentren Parallelgesellschaften entwickeln könnten. "Derartigen Tendenzen begegnen wir mit Unterstützung von Richtern und Staatsanwälten durch Aufklärung über Recht und Ordnung im Staat", entgegnete Lauterbach. Dem Vorwurf, dass sozialschwache Deutsche auf der Strecke bleiben könnten, widersprach Werner Konheiser. Flüchtlinge würden bei Sozialleistungen nicht bevorzugt. Das Armutsthema werde derzeit missbraucht, beteiligte sich der Zweite Bevollmächtigte der IG Metall Amberg, Udo Fechtner, an der Diskussion. Allgemeine Missstände ordne man an Tagen wie diesen gerne den Flüchtlingen zu.

Gelungene Integration


Als positives Beispiel für gelungene Integration stellte Anne Kuchler den 24-jährigen Iraner Mohammad Amin Vahdat Zadeh vor, der eine Ausbildung zum Elektroniker für Automatisierungstechnik absolviert, beste Leistungen an der Berufsschule erreicht und sich intensiv um seine Deutschkenntnisse bemüht. Seine Chancen wolle er in Deutschland nutzen, denn zurück in seine Heimat Iran könne er nicht. Dort drohe ihm als Christ die Todesstrafe.
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