Diskussion um Tiefgaragen-Einfahrt in der Bahnhofstraße
Fotomontage trifft einen Nerv

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Mit dieser Fotomontage will die Interessengemeinschaft Menschengerechte Stadt die Öffentlichkeit wachrütteln. Es soll die in der Bahnhofstraße geplante Einfahrt der Tiefgarage unter dem Bürgerspitalgelände zeigen. Bild (M): IG Menschengerechte Stadt
Politik
Amberg in der Oberpfalz
28.04.2016
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Andreas Raab (Foto: Stefan Huber)
Amberg: Neue Münze |

Mit ihrer Grafik zur Tiefgarageneinfahrt in der Bahnhofstraße hat die Interessengemeinschaft Menschengerechte Stadt in ein Wespennest gestochen. Im Internet ist ein heftiger Schlagabtausch von Befürwortern und Gegnern im Gang.

Von "unbedingt notwendig" bis hin zu "absolute Horrorvorstellung" reichen die Reaktionen unter dem Facebook-Hinweis auf den AZ-Artikel in der Mittwochsausgabe. Mittlerweile gibt es mehr als 60 Wortmeldungen zu dem Beitrag, der die Kritik der Interessengemeinschaft (IG) Menschengerechte Stadt an den Planungen der Stadt für das Bürgerspitalgelände aufgreift. Im Fokus steht dabei die geplante Einfahrt für die Tiefgarage, die in der Bahnhofstraße entstehen soll.

IG-Vorsitzender Achim Hüttner hatte die Zufahrt als "Monstrum in der Hauptblickachse" bezeichnet und eine Grafik präsentiert, die ein realistisches Bild vom fertigen Bauwerk zeichnen soll. Auch über deren Qualität ist eine Diskussion entbrannt. "Selten so eine schlechte Fotomontage gesehen. Da stimmen die Größenverhältnisse überhaupt nicht", mokiert sich ein Diskussionsteilnehmer. Andere geben ihm Recht. Da sei wohl ein möglichst schlimmes Szenario dargestellt worden, um die Diskussion zu befeuern, meint ein anderer.

Im Gegenzug heißt es in etlichen Kommentaren, die IG habe richtig gehandelt, indem sie die Öffentlichkeit für dieses sensible Thema wachgerüttelt habe. "Oje, wie schrecklich", schreibt eine junge Frau. "Wir haben genug Tiefgaragen und Parkplätze für die Innenstadt. Besser wäre, wenn die Stadt die Leute dazu animieren würde, diese zu nutzen und dafür ein paar Schritte mehr zu Fuß zu laufen." Ein Kommentator schlägt süffisant in die gleiche Kerbe: "Da soll tatsächlich die historische Altstadt verschandelt werden, um den unzähligen Joggern und Fitnesscenter-Besuchern ein paar Schritte zu ersparen."

Denkmalschutz passé


Dass das Bürgerspitalgelände wiederbelebt werden muss, steht in der Kommentarspalte außer Frage. Den meisten Kritikern geht es um das Aussehen des Zufahrtsbauwerks. "So was müsste doch allein schon der Denkmalschutz verbieten können", merkt ein Mann an. "Umfangreiche Auflagen bei Renovierungen und Neubauten würden ad absurdum geführt durch solch einen gravierenden Einschnitt in die Altstadtoptik."

Doch die Fraktion der Befürworter ist mindestens genauso groß. "Gott sei Dank haben Generationen vor uns noch nicht solche Worte wie Denkmalschutz und Altstadt-Flair gekannt, sonst würden wir heute noch mit Holzrädern auf buckeligen Steinwegen durch den Wald fahren", heißt es in einem Kommentar aus der Ecke derer, die nichts gegen die Einfahrt einzuwenden haben. Mehrere Diskutanten unterstreichen, was ein anderer Unterstützer formuliert: "Ich finde es eine gute Idee. Belebt die Geschäfte. Wie oft sucht man wegen 10 Minuten einkaufen 20 Minuten einen Parkplatz?" Generell halten viele ein attraktives Parkplatzangebot für zwingend nötig, um die östliche Altstadt zu beleben. Man könne die Stadt auch "menschengerecht sterben lassen", schreibt einer in diesem Zusammenhang.

Samstag am Info-Stand


Ein anderer Befürworter kündigt an, seinem Unmut am Info-Stand der Interessengemeinschaft vor der Spitalkirche Luft zu machen. "Ich weiß schon, wo ich am Samstag hingehe. Denen werde ich was erzählen ... Bin gespannt, wie schön die Altstadt sein wird, wenn alles so leersteht wie das Forum."

Die Vorgeschichte und die Reaktionen auf der Onetz-Facebok-Seite

Gott sei Dank haben Generationen vor uns noch nicht solche Worte wie Denkmalschutz und Altstadt-Flair gekannt, sonst würden wir heute noch mit Holzrädern auf buckeligen Steinwegen durch den Wald fahren.Aus der Facebook-Diskussion

Parken Teil des Gesamtpakets


In der Diskussion um die anvisierte Tiefgaragen-Einfahrt in der Bahnhofstraße hat sich am Donnerstag auch die Park- und Werbegemeinschaft (PWG) zu Wort gemeldet. Vorsitzender Andreas Raab lässt in einem an Oberbürgermeister Michael Cerny versandten offenen Brief keinen Zweifel daran, dass er den Plänen der Investoren positiv gegenübersteht.

Mittel gegen Leerstände


"Ein Monstrum in der Altstadt - das war und ist auch noch das leerstehende, ehemalige Kaufhaus Forum", schreibt Raab. "Um unsere Stadt konkurrenzfähig zu erhalten, sind Investitionen in die Infrastruktur notwendig, nicht weil es vonseiten einiger Kaufleute oder unserer Stadträte so gewünscht wird, sondern weil ein Leerstand, wie das ehemalige Forum, nur durch kapitalstarke Investoren erschlossen werden kann." Dass diese Forderungen stellen, sei klar. Auch zu vermieten seien solche Objekte an leistungsstarke Firmen nur, "wenn der heutige Standard der Erreichbarkeit, sprich Parkplätze, erfüllt ist", erklärt der PWG-Chef. "Nahe und bequem ist das Zauberwort, welches nicht durch uns kleine Kaufleute kreiert worden ist, sondern durch unsere Kunden, die es gewohnt sind, in den Gewerbegebieten am Stadtrand geradezu mit Bequemlichkeit überschüttet zu werden."

Eine verfallende Innenstadt mit wachsenden Leerständen könne sich niemand wünschen, also seien Anstrengungen notwendig, um die Attraktivität der Altstadt zu erhalten. Raab wirft die Frage auf, was passieren würde, wenn über Jahre hinweg die Kundenfrequenz abnimmt, die Zahl der Leerstände steigt, "wenn Fassaden verfallen, weil kein Hausbesitzer mehr in der Lage ist, Geld für die Pflege seines Objekts zu investieren?" Eine Stadt wie ein Museum könne nicht das Ziel sein. "Eine schöne, mittelalterliche Stadt ist eine Stadt mit vielen Menschen und florierenden Geschäften."

Auch Raab kritisiert die Qualität der Fotomontage. Die Tiefgaragen- Einfahrt sei darauf möglichst dominant und überdimensional dargestellt. Das sei einer Lösungsfindung nicht zuträglich. "Die Gruppierung Menschengerechte Stadt müsste großes Interesse daran haben, dass diese Stadt lebt und eben aus heutiger Sicht menschengerecht ist." Er glaube nicht, dass von jedem Besucher der Altstadt verlangt werden könne, mit dem Rad in die Innenstadt oder vielleicht zum Supermarkt zu fahren.

Umsatz bringt Leben


"Eine Stadt lebt von vielen Aspekten, aber vor allem von Kundenfrequenz und Umsatz." Die Neugestaltung des Bürgerspital-Areals und die Wiederbelebung des Forums sieht Raab als "einmalige, nie wiederkehrende Gelegenheit, einen schönen funktionierenden und lebendigen Bereich zu schaffen, der unsere Stadtentwicklung in die Zukunft führt." Und zwar mit einer Tiefgaragen-Einfahrt in der Bahnhofstraße.

Nahe und bequem ist das Zauberwort, welches nicht durch uns kleine Kaufleute kreiert worden ist, sondern durch unsere Kunden, die es gewohnt sind, in den Gewerbegebieten am Stadtrand geradezu mit Bequemlichkeit überschüttet zu werden.Andreas Raab, PWG-Vorsitzender

"Greislich" reicht nicht


Angemerkt von Uli Piehler

Die Interessengemeinschaft Menschengerechte Stadt hat schon mal angekündigt, bis zum Äußersten zu gehen, um die Tiefgarageneinfahrt in der Bahnhofstraße zu verhindern. Bis zum finalen Sieg haben Achim Hüttner und seine Mitstreiter zwar noch einen weiten Weg vor sich. Das 1:0 allerdings ist schon mal im Kasten. Die Fotomontage hat voll eingeschlagen. Die ganze Stadt diskutiert auf einmal über das Bauwerk in der Bahnhofstraße, für das längst noch kein offizieller Plan vorliegt.

Das Thema elektrisiert die Öffentlichkeit. Forum, Bürgerspital, Bahnhofstraße - da geht es um das verwundete Herz der Altstadt. Das Für und Wider um die Parkplätze polarisiert ohnehin. Doch einen eindeutigen Trend zeigen die Reaktionen im Internet und in den Zuschriften an die Redaktion nicht auf. Wer sich die Kommentare genau durchliest, wird merken, dass das Argument "greislich" nicht vollumfänglich sticht. Die Optik alleine ist offenbar nicht das Maß aller Dinge. Die Interessengemeinschaft muss inhaltlich nachlegen, wenn sie im Kampf um die Meinungshoheit nicht bald in Rückstand geraten will.
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Yuri Mayer aus Regensburg | 09.05.2016 | 11:18  
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