Dr. Matthias Schöberl beantragt Verlegung des Kriegerdenkmals
Weg vom Rathaus, hinter die Kirche St. Georg

Bild: Hartl
Politik
Amberg in der Oberpfalz
10.11.2016
167
0
 
Das Amberger Kriegderdenkmal an der Marktplatz-Stirnseite des Rathauses. Bild: Hartl

Vom Zeitpunkt her war der Vorstoß gut gewählt: Nur wenige Tage vor dem Volkstrauertag beantragte Dr. Matthias Schöberl in der Bürgerversammlung am Mittwoch, das Kriegerdenkmal vom Rathaus wegzuverlegen.

Der frühere CSU-Stadtrat findet, das in den 20er Jahren entstandene und 1957 ergänzte Denkmal wäre auf dem Platz westlich der Kirche St. Georg (hin zur Stadtmauer) wesentlich besser aufgehoben. Mit seinen räumlichen Bezügen zur ehemaligen Kaiser-Wilhelm-Kaserne, der Provinzialbibliothek und dem Malteserkomplex sei er "ideal geeignet, einer Erinnerungskultur zu dienen, welche die Bedeutung eines geeinten und friedvollen Europas herausstreicht und so den Lebenden zur Mahnung gereicht. Am aktuellen Standort kann das Denkmal diese Wirkung nicht entfalten."

Da Schöberl die derzeitige Form des Gedenkens als eine Art nicht sehr wirkungsvoller Pflichtübung wahrnimmt, möchte er, dass für den neuen Standort "ein gutes Konzept für eine wirkende Erinnerungsstätte" erstellt wird. "Mit einem bloßen Umhängen ist es nicht getan." Für den am Rathaus frei werdenden Platz schlägt Schöberl "eine der Belebung des Marktplatzes dienende Nutzung" vor. Dort könne man ruhig Kommerz zulassen. In der Bürgerversammlung stieß Schöberls Ansinnen nicht unmittelbar auf Gegenliebe. Eine Verlegung wirke, als wolle man das Kriegerdenkmal verstecken, lautete eine Meinung. Aber man könnte zumindest das Gedenken attraktiver gestalten, war eine andere.

Ein Antrag reicht nicht


Angemerkt von Markus Müller

Bautechnisch und rechtlich wäre es wohl machbar, das Kriegerdenkmal unter den Rundbögen des Rathauses hervorzuholen und an einem anderen Ort neu zu errichten, lautete die erste Einschätzung zum Schöberl-Antrag aus den Reihen der Stadtverwaltung. Die Begeisterung für die Verlegung hielt sich aber erkennbar in Grenzen. "Kein leichtes Diskussionsthema", meinte OB Michael Cerny und schlug vor, erst einmal schriftlich ein Meinungsbild bei betroffenen Verbänden wie der Militärkameradschaft einzuholen.

Es ist absehbar, welche Überlegungen die anstellen werden: Was gewinnt das Denkmal oder die Erinnerung an die Gefallenen durch einen anderen Standort? Was soll am Rand der Altstadt besser sein als im Herzen Ambergs, zumal die Steintafeln im Alltag wahrscheinlich hier wie dort kaum wahrgenommen werden? Warum gilt der Platz bei St. Georg Schöberl als würdiger und repräsentativer?

Und neben all diesen rationalen Erwägungen ist da ja auch noch das Gewicht der Tradition, der Emotion: Warum muss überhaupt herumgerissen werden an dem lieb gewonnenen Denkmal, auf dem der Name meines Großvaters steht und an dem ich schon seit Jahrzehnten die Gedenkfeier zum Volkstrauertag mitmache?

Man darf davon ausgehen, dass der Historiker, Journalist und Ex-Stadtrat Schöberl das genau weiß. Ihm wird klar sein, dass allein ein eher theoretisch-akademischer Antrag in der Bürgerversammlung nicht reicht, um Begeisterung für die Denkmalsverlegung zu erzeugen. Dass er mehr nachschieben muss, wenn es ihm mit seinem Anliegen wirklich ernst ist. Insofern wird es spannend, was der Stratege Schöberl hier noch ins Feld führen kann.
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.