Duell der CSU-Abgeordneten Lanzinger und Karl
Zwei Bewerber, ein Platz

Gar nicht so leicht, ein aktuelles Bild mit beiden zu finden: Das Foto von Barbara Lanzinger und Alois Karl stammt aus dem Jahr 2005. Beide wollen bei der Wahl 2017 als Direktkandidat der CSU im Wahlkreis 232 antreten. Am Donnerstag, 7. November, treffen sich die CSU-Delegierten in Kastl, um zu entscheiden, wer ins Rennen geschickt werden soll. Bild: upl
Politik
Amberg in der Oberpfalz
05.11.2016
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Das wird eine heiße Versammlung: In zwölf Tagen stimmen die CSU-Delegierten ab, wen sie bei der Bundestagswahl 2017 als Direktkandidaten ins Rennen schicken. Für Barbara Lanzinger geht es dabei ums Ganze.

Die 61-jährige Ambergerin hat bereits angekündigt, sich von der Bundespolitik zu verabschieden, sollte sie nicht nominiert werden. Ihr parteiinterner Gegner ist Alois Karl (65) aus Neumarkt. Nach elf Jahren als direkt gewählter Abgeordneter im Wahlkreis 232 will er es noch einmal wissen. Zwei Wochen vor der Nominierungsversammlung in Kastl (Donnerstag, 17. November) hätte die Redaktion die beiden Kontrahenten gerne zu einem Interview-Duell eingeladen. Das scheiterte aber aus terminlichen Gründen seitens Alois Karl. Deshalb haben wir unsere Fragen schriftlich gestellt - und Antworten erhalten.

Sie vertreten die Region bereits seit einigen Jahren im Bundestag. Was war Ihr bislang größter Erfolg für den Raum Amberg-Sulzbach?

Barbara Lanzinger: Mir fällt hier sofort das Thema Bahn ein. Noch nie waren wir bei den Verhandlungen in Sachen Ausbau der Bahnhöfe und Bahnstrecken auf so einem guten Weg. Darauf bin ich stolz. Sicherlich könnte ich auch noch auf Straßenbauprojekte oder die Erfolge bei der Ansiedlung neuer Behörden und Bildungseinrichtungen verweisen oder die dauerhafte Förderung für unsere Mehrgenerationenhäuser oder dass jetzt endlich geschafft wurde, dass Geld für den Neubau des THW bereitgestellt wurde. Hier war lange nichts passiert. Meine größten Erfolgserlebnisse hatte ich aber immer dann, wenn ich bei Anliegen unserer Bürger durch entscheidende Hinweise und Telefonate behilflich sein konnte.

Alois Karl: Ich habe mich sehr gefreut, dass ich bei der Fertigstellung der Autobahn 6 mitwirken konnte, ferner beim Ausbau verschiedener Teilstrecken der Bundesstraße B 85 und dass in den Bundesverkehrswegeplan jetzt erstmals die Bahnstrecke von Nürnberg über Amberg nach Schwandorf und Prag aufgenommen wird.

Wenn Sie an Amberg denken, für welches Problem können Sie in Berlin in den nächsten Jahren am ehesten eine Lösung erreichen?

Lanzinger: Herausforderungen: Integration, Inklusion, Leopoldkaserne, Krankenhäuser, Militärhistorische Sammlung und, wie schon gesagt, unsere Infrastruktur. Ich habe mir als Ziel gesteckt, immer als erste über jede für meine Region hilfreiche bundespolitische Maßnahme informiert zu sein und mit aller Kraft dafür zu sorgen, dass sie uns direkt zugute kommt. Dazu gehören Förderungen unzähliger Art zum Beispiel für historische Bauten oder in der Forschung, die bisher häufig nicht in Anspruch genommen wurden. Da bleibe ich dran.

Karl: Ich werde mich in den nächsten Jahren sehr stark dafür einsetzen, dass die genannte Eisenbahnstrecke tatsächlich auch eine Finanzierung erfährt, ebenso werde ich mich für die Nachfolgenutzung der Leopold-Kaserne starkmachen.

Warum glauben Sie, bei der Nominierungsversammlung die Mehrheit der Delegierten auf Ihrer Seite zu haben?

Lanzinger: Ich bin seit 30 Jahren ehrenamtlich in der Politik - das erdet und prägt mich und meine Arbeit auch im Umgang mit den Menschen. Ich bin am Boden geblieben, mache meine Arbeit, bin immer als Ansprechpartner da und jette nicht wichtig um die Welt. Die Amberger, Amberg-Sulzbacher und Neumarkter wissen das und vertrauen mir, wünschen mir Glück und ermuntern mich jeden Tag. Dieser großartige Beweis des Zutrauens gibt mir unendlich viel Kraft, Freude und Zuversicht. Wäre schön wenn mich diese so positive Stimmung auch bei den Wahlfrauen und Wahlmännern trägt.

Karl: Ich bin sehr optimistisch, weil ich glaube, dass gute und einsatzbereite Arbeit auch honoriert wird, weil ich in den letzten Jahren doch sehr viel Präsenz im Amberg-Sulzbacher Raum gezeigt habe und weil eine klare und eindeutige Mehrheit aus Neumarkt in geheimer Abstimmung gezeigt hat, dass ich unterstützt werde.

Was machen Sie, wenn es mit der Aufstellung nicht klappt? Wie sieht Ihr Plan B für die Zukunft aus?

Lanzinger: Ohne Bundestagsmandat wären meine Arbeitsmöglichkeiten zu meinen Lieblingsthemen natürlich sehr eingeschränkt, aber ich würde mich weiter engagieren, wie in den 30 Jahren zuvor auch. Von 150 Prozent auf Null, das geht ja wahrscheinlich auch gar nicht. Ein Motto meiner letzten Frauen-Union-Veranstaltung war "Frauen von heute warten nicht auf Wunder, wir machen sie!" Ich brauche dazu das Ja der Delegierten in Kastl.

Karl: Ich gehe davon aus, dass ich auch in den nächsten vier Jahren Amberg, den Landkreis Amberg-Sulzbach sowie den Landkreis Neumarkt im Bundestag vertreten werde.

Sie bewerben sich beide um das Direktmandat, kennen sich schon lange. Was schätzen Sie an Ihrem Mitbewerber?

Lanzinger: Alois Karl ist seit Jahrzehnten ein Berufspolitiker. Ich habe gehört, er war ein sehr guter Oberbürgermeister in der Kreisstadt Neumarkt.

Karl: In der Tat kenne ich Barbara Lanzinger schon lange, ich schätze insbesondere ihren Einsatz um Frauenfragen in der gesamten Oberpfalz, zum Beispiel für Frauenhäuser oder in Fragen der Zwangsprostitution. Auch ihren besonderen Einsatz bei gesellschaftlichen Veranstaltungen, früher beim Hexentreiben oder beim Amberger Musikantenstadel oder auch bei der "Ladies-After-Work-Party" schätze ich. (Angemerkt)

Alois Karl ist seit Jahrzehnten ein Berufspolitiker. Ich habe gehört, er war ein sehr guter Oberbürgermeister in der Kreisstadt Neumarkt.Barbara Lanzinger


Ich bin sehr optimistisch ... weil eine klare und eindeutige Mehrheit aus Neumarkt in geheimer Abstimmung gezeigt hat, dass ich unterstützt werde.Alois Karl
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