Entwicklung der Amberger Altstadt
Die Eckpunkte sind gesetzt

Nur ein erster Denkanstoß und eine kleine Auswahl möglicher Gestaltungsansätze: Diese Muster liegen im nordwestlichen Eck des ehemaligen Bürgerspital-Areals gegenüber dem Ring-Theater. Die Ansprüche, was ein neues Innenstadtpflaster-Konzept leisten soll, sind hoch - fußgängerfreundlich (Absatzschuhe), barrierefrei für Rollstuhlfahrer und Rollatornutzer, lärmmindernd, Integrierbarkeit von Blinden-Leitsystemen, Gestaltungsoffenheit und Altstadtflair. Bild: Steinbacher
Politik
Amberg in der Oberpfalz
30.06.2016
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Noch passt das laufende Großprojekt Stadtarchiv im denkmalgeschützten Renaissance-Bau kurfürstliches Wagenhaus (im Hintergrund) in den abgesteckten Kostenrahmen von 6,3 Millionen Euro. Das beruhigte auch die CSU-Stadtratfraktion bei einem Ortstermin. Bild: Steinbacher

Die Stadtrats-CSU möchte beim Pflaster in der Altstadt neue Wege gehen. Das ist auch Oberbürgermeister Michael Cerny ein erklärtes Anliegen, obwohl ihm und seinen Parteifreunden bewusst ist, dass sie sich auf die Suche nach der berühmten Eier legenden Wollmilchsau begeben. Das im Zentrum überwiegende Granit-Kopfsteinpflaster sei keine zukunftsweisende Lösung, herrscht Einigkeit. Es sei lärmträchtig (Abrollgeräusche beim Befahren), wenig fußgängerfreundlich (Fugenspalten, Stöckel- oder andere Schuhabsätze) und pflegeintensiv (Straßenreinigung). Deshalb wird in Richtung eines naturnahen Kunststein-Konzepts gedacht, das völlig neue Variationsmöglichkeiten erschließen kann. Deshalb wird bereits an diverse größere, öffentlich zugängliche Demonstrationsflächen gedacht.

Klare Ansage: Das geht nicht

Amberg. (zm) Schon im Schul- und Sportausschuss hatte Stadtrat Josef Lorenz (Amberger Bunt) bei Bürgermeister Martin Preuß (CSU) auf Granit gebissen, den Erweiterungsbau der Städtischen Wirtschaftsschule zum Anlass zu nehmen, das Kursgeschehen der VHS dort deutlich zu intensivieren (wir berichteten). Eine klare Absage erteilte diesen Überlegungen nun auch Schulleiterin Brigitte Conchedda. Die neuen Klassenräume würden keine zusätzlichen Kapazitäten schaffen, stellte sie klar. Zudem sei es illusorisch, während des laufenden Unterrichts das Schulgebäude Dritten zugänglich zu machen. Dem widersprächen die immer schärfer werdenden Sicherheitsvorschriften nach diversen Amoktaten an Schulen.

Die Akquise läuft, die Planung auch

Amberg. (zm) Die letzte Station der Ortsbesichtigungs-Tour der CSU-Stadtratsfraktion war zugleich der noch größte Brocken der Innenstadt-Entwicklung: das ehemalige Forum-Kaufhaus. Gewerbebau-Geschäftsführer Karlheinz Brandelik zeigte sich jedoch recht entspannt. Seit die städtische Immobilien-Tochter die Entwicklung dort federführend in die Hand genommen hat, sei Bewegung in das Projekt gekommen. Die Akquise künftiger Mieter laufe auf Hochtouren, parallel die darauf abgestimmte Bauplanung. Für das Frühjahr 2017 rechnet Brandelik mit ersten Abbrucharbeiten an dem Großkomplex in der Bahnhofstraße.

Nicht minder "menschengerecht"

Amberg. (zm) Recht dünnhäutig reagierte der Vorsitzende der CSU-Fraktion im Stadtrat, Dieter Mußemann, auf Vorwürfe der Interessengemeinschaft menschengerechte Stadt (IG) eine öffentliche Tiefgarageneinfahrt zu Beginn der Fußgängerzone in der Bahnhofstraße würde unverantwortlich viel Autoverkehr ins Zentrum ziehen und das Altstadtensemble empfindlich stören.

"Diese Einfahrt ist entschieden", will in diesem Punkt die Stadtrats-CSU offenbar nicht mehr mit sich reden lassen. Die von der IG erhobenen Vorwürfe würden zudem an eine "Verunglimpfung" grenzen, da es "nicht minder menschengerecht ist, wenn die Altstadt nach heutigen Kriterien und Bedürfnissen erschlossen wird", konterte Mußemann. Dennoch forderte er die Bauverwaltung auf, schnellstmöglich mit den entsprechenden Planungen zu beginnen, um diese Zufahrtvariante nachvollziehbar darstellen zu können.

Die Ortstermine dauerten fast zweieinhalb Stunden. Jahre werden vergehen, bis das alles fertig ist, und es kostet viele Millionen. Die Stadtrats-CSU nimmt es wie die Kanzlerin und verbreitet Optimismus à la "Wir schaffen das".

In dieser Stimmung gingen am Montagabend die Christsozialen gut gelaunt auseinander. Sie hatten sich zuvor drei reale, respektive lokalpolitische Großbaustellen in der Altstadt erlaufen und angeschaut: den Schießl-Stadl, das Bürgerspital-/Wirtschaftsschule-Areal und den gleich gegenüber liegenden ehemaligen Forum-Komplex. Aus über Jahre hinweg diskutierten "Innenstadt-Themen", so Fraktionsvorsitzender Dieter Mußemann, seien greifbare Projekte geworden. Die Umsetzung erfordere nun "eine Art Masterplan", um die damit verbundenen Belastungen der sich abzeichnenden Großbaustellen in vernünftigen Grenzen zu halten.

Weit gediehen ist der sogenannte Schießl-Stadl, den der Denkmalschutz unter der Bezeichnung kurfürstliches Wagenhaus führt. Baureferent Markus Kühne und Hochbauamtsleiter Hans-Georg Wiegel sehen in dem auf 1615 datierten Renaissance-Bau am Paulanerplatz eine ursprüngliche Reithalle. Darauf deute die hochkomplexe Balken-Statik hin, die darauf abziele, eine möglichst große, von Stützen freie Fläche im Erdgeschoss zu schaffen.

Diese Konstruktion habe die Möglichkeit einer dem Denkmalschutz optimal entgegenkommenden neuen Nutzung als künftiges Stadtarchiv eröffnet. Im Innern entsteht ein Haus im Haus, das hauptsächlich als Magazin mit 4400 Regalmetern dienen wird. Der dem Publikumsverkehr vorbehaltene Bereich (Eingang, Lesesaal) schließt sich linkerhand des Hauptcorpus' (jetziger Biergarten-Durchgang) an. Stadtarchivleiter Dr. Johannes Laschinger bestätigte den Fraktionsmitgliedern, dass sein künftiges Haus allen Ansprüchen einer sachgerechten Archivierung auch alter und entsprechend wertvoller Bestände genügen wird.

Paulanerplatz anpacken


Die Fertigstellung ist für Ende nächsten Jahres vorgesehen. Das Projekt bewegt sich noch im veranschlagten Kostenrahmen von 6,3 Millionen Euro, alles in allem liegt die Förderquote bei 75 bis 80 Prozent. Mit dem Abschluss dieser Maßnahme möchte die Bauverwaltung fließend eine Umgestaltung des gesamten Paulanerplatzes angehen. Erste Überlegungen stellte Kühne der Runde vor und legte dar, dass hier die funktionalen Belange des benachbarten Amtsgerichts, der Paulanerkirche sowie -gemeinde und von Wohnanliegern berücksichtigt werden müssten.

Ohne Stolperkanten


Das bedeute, bestehende Parkplatzflächen in der Summe zu erhalten, jedoch die bauliche Trennung (Bordsteinkanten) von fußläufigen und befahrenen Verkehrsflächen (Barrierefreiheit) weitgehend zurückzunehmen. Damit war die Fraktion inhaltlich bei ihrem jüngsten Antrag an den Stadtrat "Neues barrierefreies Altstadtpflaster - künftige Oberflächengestaltung in der Innenstadt" (sie unten) angelangt.

Im Rohbau fertig ist die Erweiterung der Städtischen Wirtschaftsschule. Außer Frage steht für die CSU-Fraktion, dass diese Investition in die "einzige wirkliche städtische Schule" (Mußemann) auch ein klares Bekenntnis zu einem speziellen Bildungszweig in der Stadt darstelle.

Noch reichlich in der Schwebe ist allerdings, was auf und mit dem westlichen Nachbargrundstück, dem ehemaligen Bürgerspital-Areal, passieren wird. Das sogenannte Dialogverfahren zwischen der Stadt und zwei verbliebenen Investoren läuft noch, eine Entscheidung strebt Oberbürgermeister Michael Cerny (CSU), der die Fraktion bei deren Rundgang begleitete, noch vor der Sommerpause an. Ernüchterung bis Enttäuschung machte sich plötzlich bei der Leiterin der Wirtschaftsschule, Brigitte Conchedda, breit.

Fraktionsmitglied Helmut Weigl hatte vor dem Ortstermin die Baugrenze zum ehemaligen Bürgerspital einmessen und abstecken lassen. Demnach rückt der künftige Nachbar dem neuen Aula-Anbau der Wirtschaftschule reichlich auf die Pelle. Dessen war sich offenbar aber nicht nur die Studiendirektorin bewusst, auch einige Stadträte stutzten. (Im Blickpunkt)
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