Ex-Polizist fürchtet um sein Leben
Gedroht, Familie etwas anzutun

Die Angst ist sein ständiger Begleiter. Der Mann fühlt sich bedroht. Und würde, um sich zu schützen, zur Pistole greifen. Wohl auch deshalb bekommt ein pensionierter Polizeibeamter keinen Waffenschein.

Mit seinem Ausscheiden aus dem Polizeidienst wegen Erreichen der Altersgrenze wollte ein Erster Polizeihauptkommissar im Oktober 2014 einen Waffenschein zu seiner privat bereits vor Jahren gekauften Pistole erwerben. Nach Anhörung des Polizeipräsidiums Regensburg lehnte das Landratsamt Amberg-Sulzbach seinen Antrag ab. Auch seine Klage vor dem Verwaltungsgericht Regensburg blieb am Dienstag ohne Erfolg. Obwohl er ordnungsgemäß Inhaber einer Waffenbesitzkarte ist, ist es ihm verwehrt, die Pistole zu führen.

Der Kläger verrichtete von 1981 bis 1994 seinen Dienst bei einem Sondereinsatzkommando und anschließend bis 2005 bei einer Zivilen Einsatzgruppe, bevor er bis zum Ruhestand in den Innendienst versetzt wurde. Während dieser Zeit war er nach seinen eigenen Worten an mehr als 1000 Festnahmen von Straftätern beteiligt.

"Keine erhöhte Gefahr"

2004 hatten zwei Festgenommene dem Kläger konkret damit gedroht, ihn nach der Entlassung aus dem Knast aufzusuchen und ihm und seiner Familie etwas anzutun. 2013 wurde nachts der Eingangsbereich des Hauses, in dem der Hauptkommissar früher wohnte, so mit Öl beschmiert, dass Rutschgefahr bestand. Dennoch kam das Polizeipräsidium in seiner "Gefährdungsanalyse" zu dem Ergebnis, dass der frühere Beamte "keiner erhöhten Gefahr" ausgesetzt sei.

Der als Zeuge gehörte Sachbearbeiter des Präsidiums bestätigte, dass die beiden konkreten Drohungen aus dem Jahr 2004 bei Erstellen der Analyse bekannt waren. Einer der Täter sei jedoch bereits 2009 aus dem Bezirksklinikum als geheilt entlassen worden und seitdem nicht mehr straffällig geworden. Beim zweiten Täter handle es sich um einen polnischen Bürger, der ebenfalls nach seiner Strafverbüßung nicht mehr auffällig ist. Man wisse gar nicht, ob er sich nicht längst wieder außerhalb des Bundesgebiets aufhält.

Der "Ölangriff" auf das Haus konnte nicht aufgeklärt werden. Damit wisse man nicht, wer der Täter war und gegen wen sich die Tat richtete. Auch die früheren Dienststellenleiter des Klägers seien befragt worden. Von diesen habe man die Auskunft erhalten, dass die vom Kläger geltend gemachten Bedrohungen "nicht über die übliche abstrakte Gefährdung hinausgehen".

Er würde zur Waffe greifen

Damit wollte sich der Kläger nicht zufriedengeben. Ausschweifend und von der Gerichtsvorsitzenden immer wieder aufgefordert, auf den Punkt zu kommen, berichtete er Details von den damaligen Festnahmen. Konkrete Tatsachen für eine gegenwärtige Bedrohung konnte er nicht vortragen. Er äußerte lediglich die Befürchtung, dass der damals im Bezirksklinikum untergebrachte Täter auch heute noch einen "Schub" bekommen könne. Da sei es denkbar, dass er die Privatadresse des Klägers ermittelt und plötzlich vor dessen Tür steht.

Auf Nachfrage eines Beisitzers von der Richterbank gab der Ex-Polizist unumwunden zu: "Wenn einer mit einer Axt auf mich zugeht, würde ich die Waffe zum Schutz einsetzen."
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