Fachstelle für pflegende Angehörige
Das dicke Aber von Frau Fruth

Pflege ist absolut ein Auftrag für die Krankenkassen.
Politik
Amberg in der Oberpfalz
26.01.2016
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"Ich bin entsetzt", sagte Bürgermeister Martin Preuß (CSU) nach einer Wortmeldung von SPD-Fraktionschefin Birgit Fruth. Sie stellte hinter die Einrichtung einer Fachstelle für pflegende Angehörige ein "dickes Aber".

Zuerst präsentierte Sozialreferent Dr. Harald Knerer-Brütting den Mitgliedern des Hauptausschusses den Sachstandsbericht: Künftig sollte dem Amt für soziale Angelegenheiten eine Fachstelle für pflegende Angehörige angegliedert werden. Erster Schritt war der Antrag auf eine staatliche Förderung in Höhe von 8500 Euro pro Jahr.

Darüber hatte das Gremium zu entscheiden - und tat es einstimmig, obwohl zuvor die SPD-Fraktionsvorsitzende, die bei der AOK tätig ist, Bedenken geäußert hatte. "Die Pflege ist Sache der Kassen", meldete sich Fruth zu Wort, und setzte zu weiteren Erklärungen ihres "dicken Abers" an.

Die Kassen sind laut Gesetzeslage strikt angewiesen, Beratung zu leisten. Außerdem sei der Datenschutz nicht geregelt. Ihrer Meinung nach wäre es besser, das Pflegestärkungsgesetz III abzuwarten, das im Sommer verabschiedet werden soll. "Und eine Halbtagesstelle ist ein Witz", holte sie zum Rundumschlag aus. Bereits jetzt seien zwei Vollzeitkräfte für 4000 Pflegende unterwegs.

Martin Preuß, der ein Seniorenheim in Sulzbach-Rosenberg leitet, schnappte hörbar nach Luft und brachte sich aber selbst zur Ruhe: "Ich will es sachlich erwidern." Die geplante Angehörigen-Beratungsstelle sei ein klares Ergebnis aus dem seniorenpolitischen Gesamtkonzept, die Fachstelle habe es bereits einmal gegeben und sie habe erfolgreich gearbeitet. Außerdem gab es zu diesem Thema bereits eine Initiative aus Amberg, die es als Petition in den Bayerischen Landtag geschafft habe (wir berichteten). Preuß wörtlich: "Wenn wir jetzt einfach zuwarten, dann wäre das völlig falsch. Gerade jetzt stellen sich die Leute die Frage, wo man Hilfe bekommen kann." Auch die Kommunen hätten den klaren Auftrag, sich stärker zu engagieren.

Die von Oberbürgermeister Michael Cerny mit Spannung erwartete Abstimmung ging nach der Debatte wider Erwarten einstimmig aus.
Pflege ist absolut ein Auftrag für die Krankenkassen.SPD-Fraktionsvorsitzende Birgit Fruth
Auch die Kommunen haben einen klaren Auftrag, sich stärker zu engagieren.Bürgermeister Martin Preuß


AufgabenDie Fachkraft soll laut Sozialreferent Dr. Harald Knerer-Brütting "zunächst mit einer halben Stelle" beginnen. Zu den Aufgaben zählen Anleitungen zur Pflege im häuslichen Bereich, Hilfen zur Inanspruchnahme einer Sozialstation und anderer Leistungen, Informationen zur Umgestaltung des sanitären Bereichs oder zu Pflegehilfsmitteln, Ernährungsberatung, praktische Hinweise zur Sturzprophylaxe und Beratung zur Inkontinenz. (roa)
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