Falschparker während des Gottesdienstes in St. Martin Thema bei Bürgerversammlung
Anwohner holt die Polizei

Neben dem Luftmuseum findet sich noch ein Schwerbehinderten-Parkplatz, aber danach beginnt die Fußgängerzone, in der man laut Rechtsreferent Dr. Bernhard Mitko selbst beim besten Willen keinen einrichten kann.
Politik
Amberg in der Oberpfalz
11.11.2016
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OB Michael Cerny (stehend) hörte sich viele Bürgerwünsche an. Brigitte Netta und Martin Preuß bildeten an diesem Abend die schweigende Mehrheit des Bürgermeister-Trios. Bilder: Steinbacher (2)
 
"Nach der Kirche gab es dann totalen Ärger." Zitat: Erhard Hirmer

Bei Bürgerversammlungen geht es oft um kritikwürdige Zustände. Erhard Hirmer leitete sein Anliegen deshalb untypisch ein: mit einem Dank an die Stadtverwaltung, "dass wir uns hier glücklich und wohl fühlen dürfen". Als er noch ein Lob für die Stadtgärtnerei anfügte, gab es spontanen Applaus.

Aber auch Hirmer hatte einen Verbesserungswunsch: Man sollte während der Gottesdienstzeiten in der Basilika St. Martin das Angebot an Parkplätzen für Gehbehinderte drumherum ausweiten, speziell auf dem Eichenforstplatz und im Eichenforstgässchen. Es gebe in diesem Bereich so wenige Parkmöglichkeiten, dass man oft "falsch parken" müsse, wenn man nicht mehr gut zu Fuß sei. Vor einiger Zeit habe ein Anwohner deshalb während des Sonntagsgottesdienstes die Polizei informiert, die daraufhin einigen Autos auf dem Eichenforstplatz kostenpflichtige Verwarnungen verpasste. Ergebnis laut Hirmer: "totaler Ärger" bei den Falschparkern.

Kein Platz für Autos


Rechtsreferent Dr. Bernhard Mitko konnte Hirmer wenig Hoffnung machen: Das Eichenforstgässchen sei Fußgängerzone, da dürfe man gar nicht mit dem Auto rein. "Für eine andere Regelung müsste ich die Fußgängerzone aufheben." OB Michael Cerny wollte aber prüfen, ob sich - "in einem etwas aufgeweiteten Gebiet" - nicht noch Raum für zwei zusätzliche Schwerbehinderten-Parkplätze finden lasse.

Erwin Niklaus hätte als Bewohner der Frühlingstraße gerne einen Beschluss der Bürgerversammlung herbeigeführt, dass der Ausbau der Eglseer Straße im Abschnitt B 299 - Alteglsee - Drillingsfeld vom Stadtrat ohne den parallelen Fuß- und Radweg verwirklicht werden soll. Dieser solle dann als eigenständiges Vorhaben umgesetzt werden.

450 Meter eingespart


Falls es bei der Planung mit dem straßenbegleitenden Fuß- und Radweg bleibt, befürchtet Niklaus, dass sie der Stadt zum einen viel höhere Kosten beschert, und zum anderen die Straße nicht rechtzeitig zum Baubeginn im Drillingsfeld 2 fertig wird, weil noch wesentlich umfangreicherer Grunderwerb nötig wird. Die Verbindung für Fußgänger und Radfahrer könnte dann nach der Vorstellung von Niklaus später vom bestehenden Fuß-/Radweg im Drillingsfeld 1 zur Brücke über die B 299 führen und wäre so nur 350 statt 800 Meter lang.

Baureferent Markus Kühne hatte für Niklaus Zahlen parat: Schon für die Straße alleine müsse die Stadt Grund erwerben, etwa 1800 Quadratmeter. Mit Fuß- und Radweg seien es rund 4000 Quadratmeter. Dann kämen zu den 1,35 Millionen Euro für den Straßen-Grunderwerb schätzungsweise noch rund 900 000 Euro dazu. Falls man die Straße für eine Höchstgeschwindigkeit von 70 km/h baue, rechnet Kühne mit Mehrkosten von etwa zwei Dritteln gegenüber dem ursprünglichen Ansatz für eine auf 50 km/h begrenzte Verbindung. Auf die Landwirte als Grundstücksanlieger kämen keine Erschließungskosten zu, sagte Kühne.

Für den Baustellenverkehr im Drillingsfeld 2 prüfe man eine provisorische Anbindung über die B 85. Dann sei die Erschließung schon nächstes Jahr möglich. "Wir werden nicht bis zum Sankt Nimmerleinstag warten, wenn wir zumindest den Grund für den Straßenausbau kriegen", machte OB Cerny zu den zeitlichen Vorstellungen der Stadt deutlich. Letztlich werde die ganze Geschichte "eine Frage der Verfügbarkeit des Bodens und der Finanzmittel" sein. "Ich will verhindern, dass da oben eine Rennstrecke entsteht", bemerkte Erwin Niklaus zu seiner Motivation.

Gegen den Bebauungsplanentwurf Drillingsfeld hatte Christian Pongratz beantragt, man möge dort weniger Mehrfamilienhäuser bauen, da diese nur mehr Verkehr produzierten. Markus Kühne hielt es für gut verkraftbar, wenn von 87 Parzellen drei für Geschosswohnungsbau vorgesehen seien. Dort habe man zudem für jede Wohneinheit zwei Stellplätze geplant, so dass diese Form der Bebauung auch nicht den von Pongratz befürchteten starken Parksuchverkehr hervorbringen dürfte.

Kleine Wohnungen fehlen


Überall entstünden neue Siedlungsgebiete, aber nirgends die kleinen Wohnungen in der Stadt von vielleicht 50 oder 60 Quadratmeter, die ältere Leute gerne anstelle eines großen Hauses kaufen würden, meldete sich Karlheinz Schelter in der Bürgerversammlung zu Wort. Da solle doch bitte die Stadt mehr anschieben. In OB Michael Cerny fand er einen Mitstreiter: "Wir brauchen mehr seniorengerechte Wohnungen in der Stadt." Die Bauleitplanung ziele schon auf einen verstärkten Geschosswohnungsbau, erläuterte Markus Kühne dazu. "Aber den vorgegebenen Rahmen ausfüllen können nur die Bauträger beziehungsweise die Bau- und Wohnungsgesellschaften."

Nach der Kirche gab es dann totalen Ärger.Erhard Hirmer

Tempo-30-Schild noch nie gesehen

Amberg. (ll) Auf wenig Gegenliebe stieß in der Bürgerversammlung Günther Menzels Vorschlag, bei der Kreuzung von Krumbacher Kirchenleite und Lintacher Steig die Rechts-vor-links-Regelung aufzuheben. An ihrer Stelle möchte er eine Vorfahrt für diejenigen einführen, die den steilen Steig hinaufwollen und damit bei Glätte ihre Probleme haben, wenn sie aus dem Stand anfahren müssen. Rechts vor links sei in einer Tempo-30-Zone zwingend vorgeschrieben, hielt Bernhard Mitko dem Antragsteller entgegen. Wo denn hier Tempo 30 sei, wollte der wissen. Als Mitko ihm erläuterte, wo das entsprechende Schild steht, gab Menzel etwas perplex zu, das noch nie bemerkt zu haben.

Er hatte aber noch einen zweiten Pfeil im Köcher: Das Zusatzschild "Radweg kreuzt" sei dort kaum mehr sichtbar. Ob da nicht eine Markierung des Radwegs mit roter Farbe eine Hilfe wäre? Die Polizei sagt laut Mitko, dass so etwas den Radfahrern nur eine vermeintliche Sicherheit vorgaukelt, weil sie dann oft glauben, Vorfahrt zu haben. Der Rechtsreferent plädierte dafür, solche Rot-Markierungen für querende Radwege im gesamten Stadtgebiet einheitlich zu regeln. Dafür müsse man dann aber auf das Rad-Verkehrskonzept warten, das 2017 fertig werden solle. In Ammersricht, so ergänzte OB Cerny, habe diese Rot-Färbung eine sehr gute Resonanz erfahren.

LED-Lampen kosten Hausbesitzer nichts

Amberg. (ll) Wenn die Stadt Amberg ihre Straßenbeleuchtung großflächig auf LED umrüstet, müssen sich dann die Hauseigentümer an den Kosten beteiligen? Nein, lautete die beruhigende Antwort der Verwaltung auf die Anfrage von Horst Carstiuc. Die Stadt finanziere das selbst. Sie gebe 2,3 Millionen Euro aus, um die restlichen 5900 Lampen mit LED-Technik auszustatten. Das amortisiere sich in weniger als zehn Jahren und spare dazu 750 Tonnen CO2 pro Jahr ein.

Carstiuc befürchtete auch, ein Bundesgesetz könnte viele Stromkunden zwingen, ihre alten Zähler durch digitale Messsysteme zu ersetzen. Stadtwerke-Geschäftsführer Professor Dr. Stephan Prechtl erklärte dazu, in Amberg sei diese konsequente Umrüstung noch nicht erfolgt. Für Verbraucher unter 6000 Kilowattstunden pro Jahr bestehe keine Einbauverpflichtung. "Für die Zählerumrüstung entstehen keine Kosten für den Kunden", sagte Prechtl. Sollte ein Umbau nötig werden, um die neue Technik aufnehmen zu können, müsse dafür aber der Eigentümer bzw. Verbraucher aufkommen.
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