Familienvater schlichtet Streit: trotzdem 100 Euro Bußgeld
Zivilcourage mit Bußgeld belohnt

Daniel Emmanuel (26) hat acht Jahre nach dem Vorfall eine Familie mit (von links) Saskia, Mali (1) und Jamian (4). Zeit für langwierige Zeugenaussagen lässt sich da nur aus den Rippen schneiden - trotzdem erschien er bei jedem Termin vor Gericht. Nur einmal nicht. Jetzt kostet ihn dieses Fehlen 100 Euro Bußgeld. Bild: roa

Daniel Emmanuel (26) geht 2006 bei einer Schlägerei dazwischen - und erlebt acht Jahre später eine wenig schöne Überraschung. 100 Euro Bußgeld soll der junge Familienvater wegen Nichterscheinens als Zeuge vor Gericht bezahlen. Dabei wusste er nach eigenen Angaben gar nichts von diesem Termin.

Diese Geschichte beginnt 2006 im Magma. Wir erinnern uns: Das war ein angesagter Club an der Regensburger Straße, der heute längst geschlossen hat. Vor acht Jahren war Daniel Emmanuel mit seiner Freundin Saskia dort zu Gast, um zu feiern. Plötzlich kam es zu einer Schlägerei. Der 26-Jährige kannte das Opfer. Daniel Emmanuel, passionierter American-Football-Spieler, ging dazwischen, das ist er gewohnt, "das mach' ich immer so". Er half aus, bis die Polizei anrückte.

Vertagt, vertagt, vertagt

Den Beamten bot er an, als Augenzeuge auszusagen. Heute, im Jahr 2014, also acht Jahre später, soll Daniel Emmanuel 100 Euro Bußgeld bezahlen. Der Bescheid wurde ausgestellt vom Amtsgericht Amberg, weil er zu einer erneuten Verhandlung nicht erschienen sei. Problem: Der 26-Jährige wusste nach eigenen Angaben nichts von diesem Termin. "Angeblich habe ich nochmal eine Ladung bekommen." Aber der Reihe nach: 2006 passierte die Schlägerei. "Das Verfahren wurde vertagt, vertagt und wieder vertagt. Nach einiger Zeit bekam ich ein Schreiben, dass es nun eingestellt ist", erinnert sich Daniel Emmanuel zurück. Vor neun Monaten allerdings kam die Überraschung: Der Fall sei wieder aufgenommen worden, las er da in einem Brief. "Nach acht Jahren? Euer Ernst? Nun gut, ich sehe es ja als Bürgerpflicht an, eine Aussage zu tätigen. Aber ich bekam Ladungen und Abladungen, immer wieder." Nach einiger Zeit sollte es zur Anhörung kommen. Der 26-Jährige, mittlerweile verheiratet und Vater von zwei kleinen Kindern, ging zum Amtsgericht, wartete eineinhalb Stunden, um schließlich zu erfahren, dass auch dieser Termin vertagt worden sei. "Nach einiger Zeit bekam ich wieder Post. Es war: eine Ladung. Aber ich bin ja nicht blöd. Ich habe beim Amtsgericht vorher telefonisch nachgefragt, ob dieser Termin zustande kommt. Und tatsächlich: Ich bekam die Auskunft, dass der wieder verschoben wird."

"Ihr seid was Besonderes"

Letztendlich sei es doch zu einer Verhandlung gekommen. "Es waren viele Augenzeugen vor Ort und ich freute mich schon, dass dieses Martyrium endlich ein Ende nimmt. 20 Minuten nach Prozessbeginn wurde die Verhandlung wieder unterbrochen, weil es dem Angeklagten nicht gut ging." Der Industrie-Elektroniker ärgerte sich. Immerhin sei er auf Überstunden und trotz Schmerzmittel - er hatte eine Woche zuvor die Weisheitszähne entfernt bekommen - dort aufgetaucht. Die Richterin habe den geladenen Zeugen vor Ort gesagt, dass es einen neuen Termin gebe - "allerdings habe ich die Ladung nie bekommen".

Dafür den Bußgeldbescheid: 100 Euro soll Daniel Emmanuel jetzt berappen, plus eventuelle entstandene Kosten, weil er nicht in der Behörde aufgetaucht ist. "Vielen Dank Amtsgericht Amberg", adressiert er ironisch an die erste Instanz der ordentlichen Gerichtsbarkeit, "ihr seid was ganz Besonderes".
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