Frauenrechtlerin und Politikerin diskutieren Sexarbeit und Frauenhäuser
Was Frauen nicht wollen

Frauenrechtlerin Lea Ackermann (links) erzählt beim Sozialdienst katholischer Frauen über Schicksale auf der ganzen Welt. Vorsitzende Marianne Gutwein, Sabine Kreiner vom Notruf-Team, Abgeordnete Barbara Lanzinger mit Assistentin und zweite Vorsitzende Waltraud Frieser (von rechts) kennen viele Fälle in der Oberpfalz. Bild: Luber
Politik
Amberg in der Oberpfalz
31.10.2016
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Kaum haben sie sich ihren Kaffee eingeschenkt, beginnen die Frauen schon mit ihrem ersten Thema: Prostitution. "Das ist die letzte Bastion des Patriarchats", sagt Lea Ackermann, Ordensschwester und Frauenrechtlerin. Sie besuchte mit Bundestagsabgeordneter Barbara Lanzinger den Sozialdienst katholischer Frauen (SkF) in Amberg. "Je mehr ich über das Thema weiß, desto mehr bin ich für ein Verbot", sagt die CSU-Politikerin. "Keine einzige Frau macht das freiwillig."

Die Vorsitzende des Sozialdienstes, Marianne Gutwein, berichtete über eine Studie, dass die Frauenhausplätze in Deutschland nicht ausreichten. Mit ihrer Idee, ein eigenes Frauenhaus für Amberg zu schaffen, rennt sie bei Lanzinger offene Türen ein. "Das werde ich forcieren", verspricht die Abgeordnete. Sie denke dabei auch an eine Anlaufstelle für obdachlose Frauen. Bis jetzt teilt sich die Stadt mit den Landkreisen Amberg-Sulzbach und Schwandorf ein Frauenhaus. Lanzinger hat eine enge Bindung zum Sozialdienst. Die gelernte Sozialpädagogin arbeitete dort nach ihrem Studium mehrere Jahre. "Ich sag immer noch zum Sozialdienst: Das ist mein Verein."

Die Frauen kommen zum nächsten Thema: Vergewaltigung. "Das wird oft verklärt. Da heißt es dann: Die Frauen wollen das ja. Und die Männer brauchen es", sagt Ordensschwester Ackermann.

Unermüdlich reist die 79-Jährige zu Kongressen ins Ausland und zu den Projekten ihrer Frauenrechts- und Hilfsorganisation Solwodi. Sie erzählt die Lebensgeschichten von missbrauchten Frauen und Kindern aus Afrika, Rumänien oder Deutschland, wo Solwodi seit 1985 Schutzhäuser und Beratungsstellen gründet. Wo vielen der Kaffeekeks im Halse stecken bleiben würde, nicken die Zuhörerinnen wissend. Auch beim Amberger Sozialdienst erfahren die Mitarbeiter von vielen Schicksalsschlägen. Zunehmend kämen auch Migrantinnen zu ihnen, erklärt Sabine Kreiner vom Notruf-Team.

Gutwein spricht beim Treffen mit Lea Ackermann das nächste Thema an: Kinder von Prostituierten. Auch das betreffe Amberg wegen der Grenznähe zu Tschechien. "Das sind auch unsere Männer, die da rüber fahren", sagt Gutwein. Kinder, die daraus entstünden, würden oft in Heime in Tschechien gesteckt.

Notruf für FrauenWer sich bedroht, erniedrigt oder ohnmächtig fühlt, wer Schutz sucht, wer eine Misshandlung melden möchte, wer sein Leben neu gestalten will, kann die Notrufnummer des Sozialdienstes wählen. Er ist unter 09621/22200 rund um die Uhr erreichbar. (blu)
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