Freie Wähler widmen sich der Altstadt
"Forum Ambergensis" für die Nachwelt erhalten

Stadtrat Dr. Eberhard Meier, Freie-Wähler-Vorsitzende Veronika Niklaus und Schriftführer Erwin Niklaus (von links) haben ihre eigenen Ideen für die Altstadt - eine Tiefgarage kommt darin nicht vor. Bild: Steinbacher

Stadtrat Dr. Eberhard Meier glaubt zu wissen, was Asterix sagen würde: "Die spinnen, die Amberger." Seine Mitstreiter von den Freien Wählern, Vorsitzende Veronika Niklaus und Schriftführer Erwin Niklaus, nicken zustimmend. Das Trio ist vehement gegen eine Tiefgarage in der Altstadt. Es hat ganz andere Ideen für die Stadtmitte.

Bei einem Pressegespräch legten die Freien Wähler ihre Vorstellungen dar. Meier zählte dabei Kriterien für das Funktionieren einer Altstadt auf, wozu er unter anderem Wohnen, Arbeiten, Erreichbarkeit und Parken zählt. Ebenso definierte er, was Aufenthaltsqualität ausmache. "Wir haben viel öffentlichen Raum in der Altstadt", sagte er. Dieser sei eine notwendige Voraussetzung für Begegnung, Erholung und Entspannung.

Trotz "Hunderter attraktiver Arbeitsplätze in der Altstadt" sieht Meier aber auch große Probleme: Immer mehr Geschäfte stünden leer. Als Beispiel nannte er das Storg-Areal. Den Verkauf der Immobilie vor zwölf Jahren an Manfred Reichholf für 2,5 Millionen Euro bezeichnete er als "eine der größten Fehlleistungen der CSU in den letzten Jahrzehnten". Weiter führte Meier die Einkaufszentren an den Franzosenäckern und an der Fuggerstraße ins Feld. Online-Handel und E-Commerce verzeichneten eine gigantische Zunahme.

Wöhrl als Negativbeispiel


Dass man trotzdem erfolgreich in der Innenstadt sein könne, zeigte Meier am Beispiel von H & M auf: Top-Kundenfrequenz dank eines attraktiven Angebots, obwohl keine Parkplätze vor dem Gebäude sind. "Vielleicht ist es gerade deshalb ein Erfolgsmodell." Als Gegenpart dazu erwähnte er Wöhrl: "nicht zeitgemäßes Angebot, schlechte Kundenfrequenz, laufendes Insolvenzverfahren der Hauptfirma". Trotz Tiefgarage drohe die Schließung der Filiale. Der Freie-Wähler-Stadtrat kam auch auf den Marktplatz mit bald dem fünften Café zu sprechen. "Das ist eine fantastische Location, Altstadt pur", schwärmte er. Dafür würde es sich rentieren, "von Neumarkt, Schwandorf oder Nürnberg nach Amberg zu fahren".

Garagen in Leerstände


Meier erläuterte seine Ideen, mit denen man Leerstände bekämpfen könnte. Wo heute leere Schaufenster seien, könnten Garagen für die Anwohner eingebaut werden. Die Stadt sollte zudem die Renovierung von Altstadthäusern fördern. Meier fordert aber auch eine Mobilitätswende, die Vernetzung aller Verkehrsmittel, den ÖPNV, Carsharing ("Das dauert in Amberg sicher länger als in München"), autonomes Fahren ("Das wird vieles revolutionieren") sowie ein Radwegenetz in der Stadt und im Landkreis beinhalte.

Das Parken bezeichnete Meier als "absolutes Lieblingsthema vieler Stadträte, insbesondere der CSU". Er findet, dass mehr als genug Parkplätze vorhanden seien, vor allem in der Ziegeltor- und der Bahnhofstiefgarage. "Da mutet es geradezu grotesk an, wenn Millionen für eine weitere Tiefgarage in der Altstadt investiert werden sollen, wenn Riesen-Kapazitäten zur Verfügung stehen", so der Vertreter der Freien Wähler. Die Kosten seien die ganz große Unbekannte. Meier nannte in diesem Zusammenhang den Hauptwassersammler in der Münzgasse. "Da muss erst die Machbarkeit geprüft werden."

Meiers Park-Idee


Er schlug vor, die Rathaus-Tiefgarage in der Spitalgasse (rund 50 Plätze) für die Angestellten der Stadt in eine Quartiersgarage umzuwandeln. Für Rathaus-Beschäftigte könnten Stellfächen in der Ziegeltorgarage ausgewiesen werden. Im zehnminütigen Hin- und Rückweg zur Arbeit sah Meier ein "kostenloses Gesundheitsprogramm". Jeder Schritt verlängere das Leben. "Was Besseres könnte den städtischen Angestellten gar nicht passieren", sagte der Mediziner.

Ausgrabungsstätte erhalten


Werde eine sündteure Tiefgarage in der Altstadt gebaut, "laufen wir Gefahr, dass wir in Bayern zur Lachnummer werden. Asterix würde sagen: Die spinnen, die Amberger." Auch für das Bürgerspital-Gelände hat Meier eigene Vorstellungen: "In Rom gibt es ein Forum Romanum, in Amberg könnte es ein Forum Ambergensis mit der Bewahrung der Ausgrabungsstätte geben", meinte er.

Veronika Niklaus fürchtet, dass die Spitalkirche durch die Baumaßnahme noch mehr Schaden nehme. "Für ein paar Parkplätze schenken wir unsere Vergangenheit her", sagte sie über die Funde auf dem Bürgerspitalareal.

Lebendiges ViertelGemeinsam und gleichberechtigt einen öffentlichen Raum nutzen, ohne dass der Autoverkehr dominiert: Das meinen Stadtplaner mit Shared Space. Und dieses Modell können sich die Freien Wähler sehr gut für die Obere Nabburger Straße vorstellen. Vorsitzende Veronika Niklaus nennt einen Vorteil: "Shared Space verlangsamt den Verkehr." Parkplätze müssten trotzdem fest eingezeichnet werden, außerhalb davon dürfte nicht geparkt werden. In die geplanten Maßnahmen (Kanalarbeiten und Gestaltung) müssten natürlich die Anwohner eingebunden werden. Beziehe man den Paulanerplatz noch mit ein, wäre das eine "wohnenswerte Ecke". Auch Erwin Niklaus sah durchaus Potenzial im Paulanerplatz: Wenn Menschen sich dort wohlfühlen, könne man die Aufenthaltsqualität verbessern. (san)
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