Friedenssymbol auf dem Kirchturm
Weiße Fahne als Mahnmal

Die Welt braucht mehr weiße Fahnen: Die Pfarrei Dreifaltigkeit erinnert auch heuer an die friedliche Übergabe der Stadt an die US-Armee im April 1945. Bild: ads
Politik
Amberg in der Oberpfalz
05.04.2016
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Amberg: Pfarramt Dreifaltigkeit | Als vor einem Jahr der 70. Jahrestag des Kriegsendes begangen wurde, wehte sie noch einmal: die weiße Fahne am Turm der Dreifaltigkeitskirche, die Amberg vor der Zerstörung bewahrt hat. Die Gedenkfeier hat die Teilnehmer so bewegt, dass sie sie heuer wiederholen möchten. "Wir brauchen viel mehr weiße Fahnen des Friedens. Auf der ganzen Welt", sagt Wolfgang Babl. Der 86-Jährige war es, der das Stofftuch am 22. April 1945 von der Laterne der Turmhaube aus ausgerollt hat. Damals war er 15 Jahre alt.

Der neuerliche Gedenkakt ist für Samstag, 16. April, um 16.30 Uhr vor dem Hauptportal der Dreifaltigkeitskirche geplant. Und Wolfgang Babl ist die Teilnahme eine Herzensangelegenheit. "Ich wünsche mir, dass die 15-Jährigen von heute erkennen, wie wichtig Frieden ist", sagt er. "Und dass sie bereit sind, auch etwas dafür zu tun." Die Feier beginnt mit einem Gebet, zu dem Stadtpfarrer Ludwig Gradl einlädt. Danach erklingt eine Trompetenmelodie, und es läutet die große Glocke, während die weiße Fahne symbolisch noch einmal aus dem Turm gehängt wird. Gleich im Anschluss, um 17 Uhr, findet ein Gottesdienst in der Kirche statt.

Die Gedenkfeier soll künftig jedes Jahr im April an das Kriegsende erinnern und daran, wie die Stadt friedlich der US-Armee überlassen wurde. "Ich denke oft zurück an jenen Tag", sagt Wolfgang Babl, der heute in Lindau am Bodensee lebt. Sein Vater gehörte der Gruppe um Julian Keppner an, die die widerstandslose Übergabe im Geheimen organisiert hatte. Weil Wolfgang Babl Ministrant war und sich im Gebälk der Dreifaltigkeitskirche bestens auskannte, kam ihm als Fahnenhisser eine Schlüsselrolle zu. Ursprünglich war geplant, dass aus vier großen Türmen im Stadtgebiet weiße Fahnen hängen sollten. Die Aktionen an den anderen Orten – Martinskirche, Bergkirche und Förderturm auf dem Erzberg – scheiterten aber.
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