Gewerbebau verändert sich mit ihrem Prestigeprojekt an der Emailfabrikstraße
Neuer Name, neues Haus

Auch aus der Luft eine imposante Baustelle: Bis zu 12 Millionen Euro investiert die Gewerbebau in das Büro- und Geschäftshaus mit den Hausnummern Emailfabrikstraße 13 und 15. Es entsteht zwischen den Dienstleistungsgebäuden an der Marienstraße (vorne) sowie in der Emailfabrikstraße (rechts), dem Arbeitsamt (oben, Mitte) und der Sparkassenzentrale (links). Die Gewerbebau wird das Haus nicht nur vermieten, sondern auch selbst als neues Domizil nutzen. Bild: Jürgen Klein
Politik
Amberg in der Oberpfalz
30.08.2016
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Baustellenluft schnupperte die SPD-Fraktion kurz vor Feierabend beim "größten Gewerbebau-Projekt seit 25 Jahren". Karlheinz Brandelik (Dritter von links) erläuterte die Ziele der Investition. Bild: Hartl

Fast hätte es Karlheinz Brandelik bei der Aufzählung der Nutzer des neuen Gewerbebau-Projekts in der Emailfabrikstraße vergessen: "Ach ja, die Wirtschaftsförderung zieht auch mit ein." Er benutzte also gleich den neuen Namen der Gewerbebau. Zumindest einen Teil davon.

Denn ganz wollte der Geschäftsführer der städtischen Tochtergesellschaft noch nicht mit der geänderten Bezeichnung rausrücken. Bei einzelnen Namensbestandteilen werde noch geprüft, ob man sie führen dürfe. Doch dass "Wirtschaftsförderung" darin vorkomme, stehe bereits fest. "Für mich ist das ein ganz wichtiger Schritt", bemerkte Brandelik zu dieser Benennung, die aus sich selbst heraus viel aussagekräftiger sei als "Gewerbebau".

Vom Umzug in die neuen Räume verspricht sich der Geschäftsführer eine Aufwertung seines Unternehmens, nicht nur von der Optik her, sondern auch im Kontakt mit den Kunden. Bisher logierte die Gewerbebau in sehr beengten Verhältnissen in der Gasfabrikstraße, quasi im Hinterhaus der Stadtwerke, außerdem seit zwei Jahren in einem gekündigten Mietverhältnis.

Ab Anfang 2018 werden der Gesellschaft mit ihren 13 Mitarbeitern dann 500 Quadratmeter zur Verfügung stehen, die "ganz nach Dienstleistungskriterien ausgerichtet sind", wie es Brandelik ausdrückte. "Wir werden mehr Räume zur Verfügung haben, die brauchen wir dann aber auch." Eine Erweiterung sei jederzeit möglich. Man habe elf verschiedene Standorte geprüft, ehe man sich für den im eigenen Objekt an der Emailfabrikstraße entschieden habe.

Die Mitglieder der SPD-Fraktion des Stadtrats erfuhren am Montagabend bei ihrem Besichtigungstermin auf der Baustelle noch mehr. Etwa dass die Gewerbebau das Konzept eines Dienstleistungzentrums an der Marienstraße mit Bedacht umsetzt. Das stellt laut Brandelik der Produktionslastigkeit der Amberger Wirtschaft mit einer Exportquote von über 85 Prozent einen anderen wachsenden Schwerpunkt entgegen. Außerdem trügen sich viele Dienstleister (und Ärzte) mit Abwanderungsgedanken, wenn sie keine Erweiterungsmöglichkeiten haben.

Im ersten Bauabschnitt, der bei Kosten von rund 8 Millionen Euro bis Ende 2017 fertig sein soll, seien von den 2500 Quadratmetern Bürofläche noch zwei Einheiten frei. Den zweiten Bauabschnitt (4 Millionen Euro) in der Verlängerung des ersten entlang der Emailfabrikstraße werde man erst angehen, wenn der Bedarf da sei. Auch das Stichwort Behördenverlagerung brachte Brandelik dabei ins Spiel.

Schwerpunkt Gesundheit


Zunächst sind die neuen Mitbewohner der Gewerbebau aber vor allem im Gesundheitsbereich tätig: eine Apotheke, ein Sanitätsdienstleister, eine "medizinische Versorgungseinheit". Kunden-Parkplätze in unmittelbarer Nähe wollen sie alle. Die Gewerbebau berücksichtigt diese Forderung durch eine Tiefgarage mit 120 Stellplätzen und einen Innenhof mit 76. Auf ein weiteres Parkgeschoss habe man verzichtet, weil laut Gutachten die umliegenden Straßen das damit verbundene zusätzliche Verkehrsaufkommen nicht bewältigt hätten. (Angemerkt/Zitate)

Der Streit lohnt sich nicht

Von Markus Müller

In der Hauptausschuss-Sitzung im November 2015 hatte es noch gewaltig gekracht, als SPD und CSU sich über die zukünftige Ausrichtung der Amberger Gewerbebau in die Haare geraten waren. Die SPD wollte ihr eine Stabsstelle Wirtschaftsförderung im Rathaus an die Seite stellen. Die sollte direkt dem OB zugeordnet sein. Der CSU reichte eine Umbenennung in "Wirtschaftsförderung Amberg GmbH" inklusive Behandlung wie ein städtisches Referat.

Die Streitlust von damals scheint heute verflogen. Einige aus der SPD-Fraktion schmunzelten sogar, als Gewerbebau-Geschäftsführer Karlheinz Brandelik am Montag beim Baustellentermin verkündete, dass die städtische Tochtergesellschaft sich tatsächlich bald umbenennen werde. Man kann es nun offenbar verschmerzen, dass keine Stabsstelle kommt, zumal die neue Bezeichnung den Begriff Wirtschaftsförderung wieder aufgreift.

Wichtiger dürfte ohnehin sein, dass die Gewerbebau - egal unter welchem offiziellen Titel - ihre Aufgabe ordentlich erledigt. Und dass ihre Kunden sich hier gut angenommen fühlen (wofür der Umzug in die Emailfabrikstraße beste Voraussetzungen schafft). Dann könnte Altmeister Goethe mit seinen Erkenntnissen aus dem Faust dafür Pate stehen: "Gefühl ist alles; Name ist Schall und Rauch."

markus.mueller@zeitung.org

Zitate

"Die Marienstraße entwickelt sich immer mehr zu einem Hotspot in Amberg. Hier brummt's."

Birgit Fruth, SPD-Fraktionsvorsitzende

"Die Gewerbebau hat schon vor dem eigentlichen Baubeginn acht Millionen Euro in die Altlastenbeseitigung investiert. Welcher private Investor macht so etwas?"

Karlheinz Brandelik, Gewerbebau-Geschäftsführer
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