Grammer-Solar-Chef plädiert für dezentrale Gaswerke
Geringer Netzbedarf für Photovoltaik

Siegfried Schröpf, Geschäftsführer von Grammer Solar in Amberg. Bild: Herda
Politik
Amberg in der Oberpfalz
22.10.2016
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"Die meisten Befürworter regenerativer Energien sind der Meinung", sagt Siegfried Schröpf, Geschäftsführer von Grammer Solar, "je dezentraler die Kraftwerke aufgestellt sind, desto geringer ist der Netzbedarf." Auch das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) kritisiere die Konzeption der Trassen: "Diese Leitungen sind so ausgelegt, dass sie bei einem reichhaltigen Angebot von erneuerbaren Energien dennoch eine vollständige Einspeisung des Kohlestroms ermöglichen. Das ist aus energiewirtschaftlichen Gründen unnötig und aus umweltpolitischen Gründen nicht tragbar."

Es sei paradox, dass die Bundesregierung seit zwei Jahren durch teils rückwirkende Veränderungen am EEG den Ausbau der erneuerbaren Energieproduktion massiv gebremst habe und dann beklage, man sei auf Sicht auf Kohle angewiesen. "Der Entwurf für den Netzentwicklungsplan sieht trotz steigender Kapazitäten aus erneuerbaren Energien auch für 2023 und 2033 eine durchgängig hohe Auslastung der deutschen Braunkohlekraftwerke vor - die auf dieser Basis geplanten Stromtrassen verursachen unnötige Kosten für die Bereitstellung von Netzkapazitäten für den Transport von Strom, der nicht mehr benötigt wird."

Fossiler Bedarf sinkt


Es habe in diesem Jahr schon ein Wochenende gegeben, an dem Deutschland komplett mit regenerativer Energie versorgt wurde. "Aber es ist klar, dass wir das im Herbst und Winter nicht hinbekommen." Der Bedarf an fossilen Energieträgern werde jedoch weiter sinken. "Als Puffer könnten dezentrale Gaswerke dienen." Je dezentraler diese aufgestellt seien, desto geringer der Netzausbaubedarf. "Zentrale Kohlekraftwerke brauchen deutlich mehr Übertragungsnetzkapazitäten als dezentrale Gaskraftwerke, die noch dazu in Kraft-Wärme-Kopplung deutlich effizienter betrieben werden können."

Da Photovoltaik (PV) zu über 90 Prozent auf der Verteilnetzebene (Nieder- und Mittelspannung) einspeise, spiele der Ausbau der Übertragungsnetze für sie nur eine untergeordnete Rolle. Für den Ausbau der PV sei dagegen die Aufnahmefähigkeit der Verteilnetze entscheidend. "Nach einer aktuellen Prognos-Studie können intelligente Solarstrom-Speicher die Kosten des Netzausbaus auf der Verteilnetzebene in Bayern und Baden-Württemberg um über 100 Millionen Euro pro Jahr reduzieren."
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