Grünen-Mandatsträger beim Kinderschutzbund
Staat bleibt erst mal außen vor

Keine Angst vor dem zuschnappenden grünen Krokodil (von links): die Grünen-Politiker Hans-Jürgen Bumes (Stadtrat), Yvonne Rösel (Kreisrätin), Stefan Schmidt (Bezirksvorsitzender), Jürgen Mistol (Landtag) Bundestagsabgeordnete Ekin Deligöz, Elke Winkel (Stadtrat) und Kinderschutzbund-Vorsitzende Brigitte Breitfelder. Bild: Hartl

Nicht jeder Berliner Abgeordnete hat auf seiner Homepage eine eigene Kinderseite. Ganz oben steht: "Alle mal herhören!" Parteipolitisches Klappern liegt Ekin Deligöz (Grüne) aber so gar nicht.

Vielmehr erwies sich die bayerische Bundespolitikerin mit dem Wahlkreis Neu-Ulm bei einem Besuch des Kinderschutzbundes am Freitag als profunde Kennerin der Materie, sprich einschlägigen Probleme. Deligöz war auf dem Weg nach Neumarkt, wo die Oberpfälzer Grünen am Abend ihren Bezirksvorsitzenden Stefan Schmidt auf den Schild einer Bundestags-Kandidatur hoben. Dessen Mitglied ist Deligöz seit 1998. Früher in der Kinderkommission des Plenums tätig, sitzt sie inzwischen im Haushaltsausschuss mit dem inhaltlichen Schwerpunkt Sozialetat.

Schon von daher interessierte sich die Bundespolitikerin dafür, was der hiesige Kinderschutzbund in seinen Räumen im Mühlhof 3 anbietet, leistet, und wie er das finanziert. Da kann Vorsitzende Brigitte Breitfelder nicht aus dem Vollen schöpfen. Sie muss mit Mitgliedsbeiträgen, Spenden und Erstattungen aus den Jugendhilfeetats der Stadt und des Landkreises über die Runden kommen. Der sogenannte "begleitete Umgang" spielt vor diesem Hintergrund eine nicht unerhebliche Rolle.

Dabei handelt es sich um eine von Jugendämtern vorgeschlagene oder gerichtlich verfügte Maßnahme, dass Elternteile (vereinzelt auch Großeltern) ihre Kinder (Enkel) zu festgesetzten Zeiten nur in Gegenwart eines Dritten (Fachpersonal) treffen dürfen. Außerdem organisiert und betreut der Kinderschutzbund noch Familien-Patenschaften (ausschließlich freiwillig), bietet eine kurzzeitige, offene Kinderbetreuung an ("Wichtelburg"), schult ehrenamtliches Betreuungspersonal oder ist beratend auf unterschiedlichen Gebieten (Eltern, Jugendliche) tätig.

20 Prozent gefährdet


Um all das abzudecken, kann der Kinderschutzbund auf zweieinhalb Vollzeitstellen und eine ganze Reihe von ehrenamtlichen Kräften - allein 33 Familienpaten, jedoch gegen Aufwandsentschädigung - zurückgreifen. Deligöz zeigte sich durchaus beeindruckt von diesem vielfältig ausgerichteten Leistungsspektrum und sieht die Bedeutung des Kinderschutzbundes eher wachsen. Es müsse davon ausgegangen werden, dass (inklusive niedrigschwellige Hilfen) 20 Prozent der Familien mit Kindern einer Unterstützung von außen bedürften, legte sie dar.

In diesem Zusammenhang seien präventive Angebote wie Familien-Paten wichtig, um schlimmere Entwicklungen zu verhindern. So geht Deligöz davon aus, dass acht Prozent von Familien mit Kindern eine stetige Begleitung benötigen, zwei bis drei Prozent stufte sie als "krass" ein. Da der hiesige Kinderschutzbund auch eine Beratung und Betreuung für Familien mit autistischen Kindern anbietet, riet die Abgeordnete, hier eventuell finanzielle Mittel, die für Inklusionsbemühungen zur Verfügung gestellt werden, anzuzapfen.

Zwei konkrete Anliegen wollte Breitfelder zudem loswerden. Sie fordert das Verbandsklagerecht ein (Deligöz: "Da rennen Sie bei uns offene Türen ein.") und wendet sich strikt gegen Kinderehen. Letzteres sieht die Grünen-Abgeordnete ("Da habe ich mich auch eines Besseren belehren lassen müssen") sehr differenziert. Eine kategorische Verbotslinie möchte sie bei unter 14-Jährigen und Zwangsverheiratungen ziehen.

Das kann man ändern


Danach sollten Einzelfall-Entscheidungen unter sehr hoch gehängten Hürden einer möglichen Zustimmung gefällt werden, wobei klar zwischen hier zu schließenden oder zugezogenen Kinderehen zu unterscheiden sei. Denn eine automatische Annullierung mitgebrachter Fälle schaffe unter Umständen nur tiefgreifende neue Probleme. In einem Punkt konnte Breitfelder jedoch quasi auf dem Fuß weitergeholfen werden. Sie bedauerte, als Kinderschutzbund fast ausschließlich in Amberg wahrgenommen zu werden. "Wir sind aber für den gesamten Landkreis zuständig." Das will die Sulzbach-Rosenberger Stadt- und Kreisrätin Yvonne Rösler nun ändern.
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