Günstiger Wohnraum
Bloß nichts überhasten

 
Wir brauchen etwa zweieinhalb Jahre für einen Wohnblock.

Im Rathaus werden sie es schon wissen, dachte sich die SPD und fragte nach dem Bestand von Sozialwohnungen und günstigem Wohnraum. Die Antwort überraschte alle.

Das sei nicht bekannt, habe ihr ein Amtsleiter geantwortet, sorgte Birgit Fruth für allseitige Verblüffung. Als Vorsitzende der SPD-Stadtratsfraktion hatte sie für Montagabend zu einem Runden Tisch in Sachen Wohnraumbedarf zu erschwinglichen Preisen eingeladen. Ein in diese Richtung weisender Antrag sei bereits in die Haushaltsberatungen eingeflossen, betonte Fruth und bekannte: "Wir sind bei diesem Thema etwas ungeduldig." Sie und die Sozialdemokraten wollen rechtzeitig vorgebaut haben, wenn aus Flüchtlingen und Asylsuchenden Zuwanderer geworden sind.

Doch nicht nur die SPD-Stadträte zeigten sich über die Antwort aus dem Rathaus erstaunt. Auch die drei Gäste der Fraktion, Dagmar Kierner (Werkvolk Amberg), Dieter Gerl (Wohnungsunternehmen Amberg) und Maximilian Hahn (Stadtbau Amberg). Sie repräsentierten die in der Stadt aktive kommunale und genossenschaftliche Wohnungswirtschaft und kamen aus dem Stegreif auf überschlägig 4500 Wohneinheiten, die sie in ihrem Bestand haben. Das müsse das Rathaus sehr wohl wissen.

Durchschnittsniveau


Kierner erwies sich als eine diskussionsfreudige Gesprächspartnerin: "Was versteht denn die Politik unter bezahlbarem Wohnraum?", wandte sie sich an die SPD-Stadträte, deren Schätzung sich bei 6 Euro pro Quadratmeter einpendelte. "Unser Durchschnitt liegt bei 4,25 Euro", setzte als Antwort Hahn dagegen, und Gerl kam überschlägig auf 10 Cent mehr. Die derzeit in der Bundes- und Landespolitik plakativ geführte Diskussion auf diesem Gebiet werde hauptsächlich von der deutlich verschärfteren Situation in Ballungsgebieten geprägt, unterstrichen die drei Gäste.

Ausschließlich nach Zahlen betrachtet, schätzten sie, stünden derzeit in Amberg rund 1000 Einheiten leer (oberpfalzweit 22 000). Von einer akuten Wohnungsnot könne also nicht gesprochen werden. Alle drei Repräsentanten der genossenschaftlichen und kommunalen Wohnungswirtschaft gehen zudem davon aus, dass die in Aussicht gestellten Förderprogramme für den Sozial- und mehrgeschossigen Wohnungsbau in der Region von sich aus zu keinem entsprechenden Investitionsschub führen dürften.

So verwies Kierner darauf, dass für nicht primär gewinnorientierte Wohnungsgenossenschaften beispielsweise die Finanzierung des nötigen Grundstücks das Hauptproblem darstelle. München trete deshalb nicht privatwirtschaftlich ausgerichteten Trägern nötige Flächen teilweise kostenlos ab. Parallel betonte Hahn, "wir brauchen etwa zweieinhalb Jahre für einen Wohnblock". Er stellte deshalb übereinstimmend mit seinen beiden Kollegen den Vorschlag in den Raum, nicht nur komplette Neubauten ins Auge zu fassen.

Jedenfalls schneller


Die Sanierung vorhandener und wegen ihrer Unattraktivität leerstehender Einheiten sei schneller machbar und kostengünstiger, als ein neues, auf mehrgeschossige Mietwohnungen ausgerichtetes neues Baugebiet. Kierner ergänzte: "Fast keines unserer Dachgeschosse ist ausgebaut." In der Verdichtung vorhandener Flächen und Substanz könne deshalb ein nicht nur gangbarer, sondern auch zeitlich relativ schnell umsetzbarer Weg beschritten werden.

All das sollte aus fachlicher Sicht in Betracht gezogen werden, legten die Diskutanten der SPD-Fraktion ans Herz. Und ein unbedingtes Muss dazu: alles daranzusetzen, um eine Ghettobildung zu verhindern. (Im Blickpunkt, Angemerkt)
Wir brauchen etwa zweieinhalb Jahre für einen Wohnblock.Maximilian Hahn, Stadtbau
Was versteht die Politik unter bezahlbarem Wohnraum?Dagmar Kierner, Werkvolk
Wir sind bei diesem Thema etwas ungeduldig.Birgit Fruth, Vorsitzende SPD-Stadtratsfraktion
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