Hans Rudolf Wöhrl gibt Denkanstöße für die Innenstadt
Parkhaus im Forum „eigentlich das Beste“

Hans Rudolf Wöhrl (links) fühlt sich Amberg aus früheren Zeiten noch immer verbunden und nahm deshalb relativ kurzfristig eine Einladung zum Runden Tisch unter Regie von OB und Gewerbebau an. Dabei wollte er im Rathaus nicht als Lehrmeister auftreten, nur Denkanstöße geben. Bild: Hartl
Politik
Amberg in der Oberpfalz
17.06.2016
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Hans Rudolf Wöhrl wird einen Strafzettel kassiert haben. Da war sich der Multi-Unternehmer, wie ihn OB Michael Cerny anerkennend nannte, selbst ganz sicher. Denn er wollte gestern wegen strömenden Regens nahe am Rathaus parken und stellte seinen Wagen außerhalb der Parkflächen ab, nachdem er die Altstadtstraßen zweimal vergeblich suchend umrundet hatte. Mit diesem geschilderten Erfahrungsbericht im doppelten Wortsinn war er bei seinem Besuch in Amberg eigentlich schon mitten im Thema.

Jeder will es bequem


Wobei seine Tipps für die Entwicklung der City beim Runden Tisch im Rathaus keineswegs nur aufs Parken abzielten. Im Gegenteil zäumte der deutschlandweit in mehreren Branchen vertretene Unternehmer und Kenner vieler Innenstädte das Thema an den Eigenheiten der Menschen auf. Dazu zählte er die Bequemlichkeit, die jeder gerne habe. Beispiel: er selbst. Anstatt in eines der umliegenden Parkhäuser zu fahren, wählte Hans Rudolf Wöhrl am Freitag lieber den kürzeren Weg direkt hinein ins Zentrum, um nicht weit zum Ziel gehen zu müssen. Das machen nach seiner Erfahrung die meisten Menschen so - aus Bequemlichkeit -, erst recht wenn sie einkaufen und ihre Tüten nicht lange und weit durch die City tragen wollen. Das gelte insbesondere auch für Besucher von auswärts, die anschließend vielleicht die Gastronomie oder kulturelle Angebote nutzen und dort nicht mit Einkäufen bepackt auflaufen wollen.

Ergo: Parkplätze in der Nähe sind laut Wöhrl "ein ganz entscheidender Punkt". Deshalb funktionieren nach seiner Ansicht ja auch die Einkaufsmöglichkeiten auf der grünen Wiese so gut, weil sie diesen Service - obendrein kostenlos - bieten. In dem Zusammenhang bezeichnete der vor allem als Modehausketten- und Fluglinienbetreiber bekannte Unternehmer die Entwicklung auf den Franzosenäckern als "Erbsünde für ein gewisses Ausbluten" der Innenstadt.

Nachdem es auch kein City-Center mit Einkaufs- und Erlebnismöglichkeiten unter einem Dach gibt, müsse Ambergs Altstadt insgesamt "eine Menge bieten": gastronomisch, kulturell und mit einem bunten, möglichst inhabergeführten Einzelhandelsmix, der nicht wie die Filialisten austauschbar, sondern persönlicher ist - auch im Umgang mit Kunden.

Einheitliche Öffnungszeiten


Zur "Quadratur des Kreises" gehörte für Wöhrl dann auch der Vorschlag, aus dem Ex-Kaufhaus Forum ein großes Parkhaus zu machen. "Für die Belebung der Stadt wäre das eigentlich das Beste", sagte er - wohlwissend, dass das kaum kommen wird, weshalb er mit einfacheren Ratschlägen weitermachte: beispielsweise, die für Kunden oft unkalkulierbaren unterschiedlichen Ladenöffnungszeiten zu vereinheitlichen. Planbarkeit sei da ein wichtiges Stichwort, gerade für auswärtige Besucher, die schnell vergrault werden könnten, wenn sie vor verschlossenen Türen stehen.

Vor dem Hintergrund der Eitelkeit vieler Menschen ("Sehen und gesehen werden") appellierte der 68-Jährige an die Innenstadt-Bewohner, Toleranz zu zeigen bei den für Belebung sorgenden Aktivitäten von Lokalen oder anderen Veranstaltungen im Freien. Wer in der City lebe und die Vorteile hier nutze, müsse auch Nachteile in Kauf nehmen - "oder aufs Land ziehen". (Kommentar)
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