Heimatminister Markus Söder spricht beim CSU-Sommerempfang in Amberg
Lauern in Vollendung

Freundlich lachende Frauen dominierten das Empfangskomitee für Markus Söder (von links): Bundestagsabgeordnete Barbara Lanzinger, die beiden stellvertretenden CSU-Kreisvorsitzenden Birgit Wittmann und Susanne Wasner mit Kreisvorsitzendem Stefan Ott. Bild: Hartl
Politik
Amberg in der Oberpfalz
15.07.2016
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Fast eine Stunde lang lauschten die Gäste des Sommerempfangs der Amberger CSU am Donnerstagabend im JuZ-Saal dem bayerischen Heimat- und Finanzminister Markus Söder (am Rednerpult). Sie schmunzelten dabei, lachten, nickten oder klatschten Applaus - am Schluss sogar stehend und im Stakkato-Rhythmus. Bild: Hartl

Ein kleines "Oh!" entfuhr Markus Söder, als Stefan Ott ihn als "Ministerpräsident in Lauerstellung" begrüßte. Doch dann nickte er. Söders Rede beim Sommerempfang der Amberger CSU zeigte, warum fast niemand mehr bezweifelt, dass er eines Tages ins höchste bayerische Staatsamt aufsteigt.

Dass der Auftritt Söders im JuZ-Saal nicht langweilig werden würde, dürfte jedem Besucher schon vorher klar gewesen sein. Das Reden ist eindeutig das Metier des selbstbewussten Franken. Er demonstrierte aber, dass er noch mehr Dinge beherrscht, die ein Politiker mit Ambitionen in Bayern haben muss, um beim Volk anzukommen und gleichzeitig in Berlin ernst genommen zu werden. Fünf Beispiele:

Selbstironie

Das funktioniert gut mit dem derzeitigen Amt: "Als ich vor drei Jahren gehört habe, es gibt einen Heimatminister, dachte ich zuerst an Volkstanz. So eine Art Bezirksheimatpfleger auf Landesebene."

Das richtige Maß

Söder lobte die örtlichen CSU-Politiker: OB und Landrat, "weil ihr immer wieder mit einem pragmatischen Vorschlag kommt, was man machen kann"; den Landtagsabgeordneten Harald Schwartz, weil er ihn "bis an die Grenzen der physischen und psychischen Belastbarkeit" mit Oberpfälzer Themen "erfreut". Als Stefan Ott vorschlug, dass so ein Mann doch auch in einem Kabinett Söder gut aufgehoben wäre, konnte der aber auch unverbindlich bleiben: Das komme auf den "großen Zettel". Otts Wunsch einer Verlegung der Hauptstadt der Oberpfalz auf das Gelände der Leopoldkaserne will Söder "mal mit den Regensburgern besprechen".

Die ernsten Töne

Die kamen, als Söder Barbara Lanzinger für ihren Einsatz in Sachen Hospizarbeit lobte: In der letzten Lebensphase seiner Mutter habe er am eigenen Leib erfahren, dass es in der Medizin Zeiten gebe, "in der das Handhalten wichtiger ist als der neue Computertomograph".

Konkurrenten-Bashing

Das traf die Freien Wähler: "Die schicken jeden Tag eine E-Mail nach Berlin, aber die macht dort keiner auf." Bei der SPD macht das derzeit wohl weniger Spaß, da muss man subtiler vorgehen: "Andrea Nahles hat keinen Fanclub, glaube ich. Aber wenn sie einen hätte: Ich wäre nicht dabei."

Distanz zu Berlin

Die kommt gut an, wenn sie die Parade-Preußen allgemein betrifft ("in Berlin ist es nicht so schlimm, wenn gar nichts funktioniert, die Leute erwarten dort gar nicht so viel von ihrer Regierung"), aber auch die Bundesregierung ("totaler Konsens in Berlin schützt nicht vor Nonsens") oder die Schwesterpartei CDU ("Zuwanderung muss am Ende begrenzt werden, wir können nicht alle Menschen zu uns holen").

Söder-Zitate"Wenn man fragt, warum ist Deutschland so stark?, dann kommt man nicht spontan auf Berlin oder Bremen."

Aber ein anderes Bundesland, das mit "B" beginnt, wäre laut Söder eine gute Erklärung

"Wenn es um Humanität geht, hat Bayern keinen Nachholbedarf."

Zur geglückten Erstaufnahme der Flüchtlinge. Söders Gegenentwurf ist das LAGeSo in Berlin.

"Ich will keine Festung Europa, aber - sorry - ich hätte gerne ein sicheres Europa."

Zur nicht immer geglückten Sicherung der EU-Außengrenzen

"Wer zu uns kommt und hier leben will, hat sich an unsere Sitten, Werte und Gebräuche anzupassen."

Zur kulturellen Integration

"Der deutsche Staat sollte die eigenen Bürger schützen und nicht nur die Empfindlichkeiten ausländischer Staatschefs."

Zur Entscheidung der Bundesregierung, die Klage Erdogans gegen den Satiriker Böhmermann nicht abzuweisen

"Der ländliche Raum drohte bei der Digitalisierung zu einem einzigen Feldweg zu werden."

In Sachen Datenautobahn

"Sieben Milliarden Euro geben Sie einfach ab? Und an Leute, die nicht einmal Danke sagen?"

Fragt laut Söder ein Betriebsprüfer, wenn er im bayerischen Haushalt die Zahlungen für den Länderfinanzausgleich entdeckt
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