In der Planungsregion liegen die größten Flächenanteile im Landkreis Amberg-Sulzbach
Regionalplan Windenergie Oberpfalz-Nord wenig ausgewogen

Kritik an den Planungen in Sachen Windenergie in der Oberpfalz übt der CSU-Arbeitskreis Umwelt Amberg-Sulzbach an den Kreisen Neustadt und Tirschenreuth. Bild: bö
Politik
Amberg in der Oberpfalz
26.10.2016
234
1

Der Regionalplan Windenergie Oberpfalz-Nord ist wenig ausgewogen: So sieht es der CSU-Arbeitskreis Umwelt. Konkret wirft er den Landkreisen Neustadt/Waldnaab und Tirschenreuth Egoismus vor.

-Sulzbach. (bö) Zum als Entwurf vorliegenden Regionalplan urteilt der CSU-Arbeitskreis Umweltsicherung und Landesentwicklung (AKU): "Vor dem Hintergrund der Herausforderung der Energiewende verhalten sich die Landkreise Neustadt/Waldnaab und Tirschenreuth in der Planungsregion Oberpfalz-Nord egoistisch und stellen sich nicht ihrer Verantwortung für die nachfolgenden Generationen." Dies sagte der AKU-Sprecher im Landkreis Amberg-Sulzbach, Kreisrat Sebastian Schärl.

In der Planungsregion lägen die größten Flächenanteile für Windkraftanlagen im Landkreis Amberg-Sulzbach (Vorrang- und Vorbehaltsflächen mit 1800 Hektar entsprechen 1,44 Prozent der Landkreisfläche) und Landkreis Schwandorf (1570 Hektar), informierte Vorstandsmitglied Hans Braun.

Über 40 Prozent der Gesamtfläche für die Windenergieanlagen (WEA) entfallen damit allein auf Amberg-Sulzbach. Mögliche Standorte seien vor allem in Hirschau und Schnaittenbach, Hahnbach, Freihung, Freudenberg und Gebenbach zu finden. In der Vorgänger-Planung seien die windhöffigsten Stellen noch im nördlichen Teil der Planungsregion, in den Landkreisen Neustadt und Tirschenreuth, ausgewiesen gewesen - und weniger im Süden, in den Kreisen Amberg-Sulzbach und Schwandorf, stellte der AKU verwundert fest.

Laut Schärl diskutierte die Runde auch, wie das im Juli 2016 verabschiedete Gesetz zur Digitalisierung der Energiewende umgesetzt werden kann. Im Zentrum stehe die Einführung intelligenter Messsysteme. Es werde immer wichtiger, die Stromerzeugung, den Verbrauch und die Netze intelligent miteinander zu verbinden und Möglichkeiten zur Speicherung zu schaffen.

Stromtrasse: Arbeitskreis erwartet mehr Akzeptanz durch ErdverkabelungEin weiteres Schwerpunktthema der AKU-Sitzung war die Strom-Autobahn Süd-Ost-Link. Ob und wo die Trasse das Landkreisgebiet tangiert, steht noch nicht fest. Der grundstücksgenaue Verlauf, der in das Planfeststellungsverfahren eingebracht wird, soll bis 2018 feststehen. Ende 2021 rechnet Netzbetreiber Tennet mit dem Planfeststellungsbeschluss. Drei bis vier Jahre werde dann gebaut, 2025 gehe die Leitung in Betrieb: Dann soll Gleichstrom durch den Süd-Ost-Link fließen.

Nachdem die Staatsregierung die sogenannten Monstertrassen verhindert habe und die Süd-Ost-Link-Trasse unter die Erde verlegt werde, rechnet der AKU mit einer deutlich höheren Akzeptanz in der Bevölkerung. AKU-Vorstandsmitglied Helmut Kraus verwies allerdings darauf, dass die Erdverkabelung Mehrkosten verursache. Anders als riesige Freileitungsmasten werde sie von der Bevölkerung als weniger störend angesehen, weil Landschaftsbild und Siedlungsstruktur entlastet würden, sagte stellvertretender AKU-Vorsitzender Bürgermeister Markus Dollacker. Der AKU befürworte den Bau der Hochspannungs-Gleichstrom-Übertragung (HGÜ).

Bedingt durch das Abschalten der Kernkraftwerke in Deutschland bis 2022 sowie durch das Pariser Klimaabkommen müssten die atomaren und fossilen Energieträger in den kommenden drei Jahrzehnten durch Strom aus erneuerbaren Energien ersetzt werden. Neben dem zügigen Ausbau der HGÜ-Trasse zur Versorgungssicherheit setze sich der AKU für die dezentrale Energieproduktion und eine Energiewende im Landkreis ein. Dabei sollen vor allem Bürgerenergiegenossenschaften und kommunale Gemeinde- und Stadtwerke gestärkt werden.

Die neue HGÜ-Technik beschäftige besonders die Landwirte, betonte AKU-Vorstandsmitglied Kreisbäuerin Brigitte Trummer. Nachteile ergäben sich für die Landwirtschaft aber nicht, hieß es in der Runde: Über die Leitung mit schwerem Gerät zu fahren, sei kein Problem. Die Übertragungsverluste verursachten nur eine geringe Erwärmung des Bodens um bis zu zwei Grad. Dies habe keine Auswirkungen auf die Feldfrüchte. Nur tiefer wurzelnde Bäume sollten in dem Areal nicht gepflanzt werden. Die Erdkabel verlaufen in zwei Metern Tiefe. (bö)
Weitere Beiträge zu den Themen: CSU-Arbeitskreis (2)Regionalplan Windenergie (2)
1 Kommentar
98
Dr. Peter Steinbock aus Eschenbach in der Oberpfalz | 26.10.2016 | 19:38  
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.