Intensive Diskussion nach Vortrag
Zoff um Flüchtlingspolitik

Judith Kopp von Pro Asyl referierte auf Einladung der Katholischen Erwachsenenbildung über die europäische Flüchtlingspolitik. Ihr Vortrag stieß auf großes Interesse, rief aber auch lauten Widerspruch hervor. Bild: Konrad
Politik
Amberg in der Oberpfalz
14.04.2016
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Die europäische Flüchtlingspolitik bleibt auch für die Amberger ein Streitthema. Nach dem Referat von Judith Kopp von Pro Asyl ging es bei der folgenden Diskussion noch heiß zur Sache.

"Wie stellen Sie sich das denn vor, wenn alle zu uns kommen?", konfrontierte ein Teilnehmer die Referentin Judith Kopp im Seminarraum der Katholischen Erwachsenenbildung (KEB) mit seinen Bedenken. Eineinhalb Stunden hatte die Frankfurterin die europäische Flüchtlingspolitik aus der Sicht der Menschenrechtsorganisation Pro Asyl erklärt. Als Vertreterin eines Verbands, der sich besonders für die Rechte der Flüchtlinge einsetzt, ging sie vor allem auf die schwierige Lage der Schutzsuchenden ein. Nicht alles, was Kopp vortrug, stieß dabei auf ungeteilte Zustimmung. Im Anschluss an den Vortrag wurde bei der KEB noch intensiv diskutiert.

Keine Seenotrettung


Kopp begann ihren Vortrag mit einer Aussage des UN-Flüchtlingshilfswerks: Derzeit gebe es so viele Flüchtlinge auf der Welt, wie noch nie seit dem Zweiten Weltkrieg. Viele versuchten, über das Mittelmeer nach Europa zu kommen. Die Europäische Union konzentriere sich weiterhin vor allem auf den Schutz der Grenzen und ignoriere die Seenotrettung weitestgehend. Dies führe zu unzähligen Todesfällen, die laut Kopp verhindert werden könnten. Sie erinnerte an das Schiffsunglück vor Lampedusa, das im Herbst 2013 viele Menschen wachgerüttelt hatte. Doch es habe keinen Wandel in der Politik gegeben. Im Gegenteil: Die Zahl der Opfer sei sogar gestiegen.

Zu versuchen, die Flüchtlingszahlen durch die Bekämpfung der Schlepper einzudämmen, bezeichnete die Frankfurterin als Heuchelei: Flüchtlinge suchten sich so oder so einen Weg nach Europa. Dadurch bekämpfe man schlussendlich die Schutzsuchenden selbst. Die Seenotrettung übernähmen inzwischen zivile Organisationen. Das könne so aber nicht weitergehen.

Gegenüber den Ländern Italien und Griechenland gebe es in Europa keine Solidarität, prangerte sie an. Im Herbst 2015 habe die EU die Umverteilung von 160 000 Flüchtlingen beschlossen. Davon seien jetzt, ein halbes Jahr später, nur knapp 600 verteilt. Durch den EU-Türkei-Deal gebe es jetzt Gefängnisse auf den griechischen Inseln. An der Inhaftierung der Flüchtlinge würden sich die Hilfsorganisationen nicht mehr beteiligen, da sie nicht helfen wollten, Menschenrechtsverletzungen zu begehen, fügte Judith Kopp hinzu.

Reichlich Gesprächsstoff


Viele Zuhörer zeigten sich betroffen von den Ausführungen der Referentin. Es gab aber auch kritische Stimmen. Mitunter wurde sie argumentativ hart angegangen. So wurde ihr etwa Blauäugigkeit vorgeworfen. Einige fühlten sich von der Thematik grundsätzlich provoziert. Deutschland habe schon immer viel mehr für Flüchtlinge getan als andere Länder, sagte ein älterer Herr. Seit dem Zweiten Weltkrieg habe es Kriegsflüchtlinge, Spätaussiedler und Osteuropäer aufgenommen. Auch die Zuwanderung aus der DDR habe man verkraftet. Ein anderer Zuhörer stellte grundsätzlich infrage, ob sich Menschen aus dem arabischen Raum überhaupt integrieren könnten. Zwei Frauen gingen auf die Bedenken ein: Sie hätten bereits gute Erfahrungen mit Flüchtlingen gemacht und betreuten sie ehrenamtlich.

Als sich die Kontroverse zuspitzte, verließen mehrere Personen vorzeitig den Raum. Es handelte sich dabei sowohl um Befürworter als auch um Gegner der Zuwanderung. Beim Hinausgehen rief ein Gast der jungen Referentin noch diese Worte zu: "Machen Sie ruhig weiter so, ich geh' jetzt", und in Richtung des erwähnten älteren Herrn meinte er: "Sie mit ihrem Schmarrn ,Das Boot ist voll', das kann ich mir nicht mehr anhören." Gastgeber Johann Bauer ergriff schließlich das Wort und übernahm die Kontrolle über die Veranstaltung. Er ließ noch eine begrenzte Zahl an Fragen zu und beendete dann die teils hitzig geführte Diskussion.
Sie mit Ihrem Schmarrn "Das Boot ist voll", das kann ich mir nicht mehr anhören.Teilnehmer auf dem Weg zur Tür zu einem anderen Gast
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