Interview mit Dr. Matthias Schöberl zur Verlegung des Kriegerdenkmals in Amberg
Raus aus dem „Guckkasten“

Drüber der Rathausbalkon, davor Säulen und eine Absperrung: In diesem Umfeld erfüllt das Kriegerdenkmal seine Funktion nicht, sagt Dr. Matthias Schöberl. Bild: Hartl
Politik
Amberg in der Oberpfalz
21.11.2016
428
1
 
Dr. Matthias Schöberl. Bild: Hartl

Mit seinem Antrag in der Bürgerversammlung, das Kriegerdenkmal vom Rathaus auf den Platz zwischen der Kirche St. Georg und der Stadtmauer zu verlegen, hat Dr. Matthias Schöberl eine rege Diskussion ausgelöst. Er scheut sich auch nicht, sie weiterzuführen.

Im Gespräch mit der AZ erklärt der Historiker und frühere CSU-Stadtrat, der vor Kurzem wieder in seine Heimatstadt zurückgekehrt ist, noch einmal ausführlicher, was ihn zu seinem Antrag bewogen hat.

Herr Dr. Schöberl, haben Sie persönlich auch schon Reaktionen auf Ihren Vorschlag bekommen, das Kriegerdenkmal zu verlegen?

Dr. Matthias Schöberl: Ja, etliche. Und zu 85 Prozent waren sie positiv. Ich fand es interessant, dass alle gemeint haben, ich hätte da in ein Wespennest gestochen. Für mich ist das einfach eine Sachfrage.

Gab es einen bestimmten Anlass, der Sie auf diesen Antrag gebracht hat?

Nein. Das Thema hat mich schon vor zehn Jahren beschäftigt, aber ich habe es nicht größer zur Sprache gebracht. Für mich ist jetzt der Punkt: Ein Denkmal hat eine Funktion. Hier soll es daran erinnern, was passiert, wenn wir leichtfertig die Errungenschaften der europäischen Einigung aufgeben. Und ein Denkmal, das kein Mensch bewusst anschaut, erfüllt diese Funktion nicht.

Am Rathaus schaut man das Kriegerdenkmal nicht an?

Fragen Sie sich mal, ob Sie wirklich wissen, was da drin unter den Rundbögen ist. Von denen, die ich gefragt habe, wusste es niemand.

Und was könnte durch die Verlegung besser werden?

Dort, wo das Kriegerdenkmal jetzt hängt, kann es nicht wirken. Die ideelle Mahn-Funktion braucht einen physischen Anker. Ich könnte mir zum Beispiel etwas Begehbares vorstellen. Der Platz zwischen der Kirche St. Georg und der Stadtmauer ist groß, da kann man einiges machen.

Wie sind Sie auf diesen Ort gekommen?

Da hängen schon zwei Epitaphe. Außerdem gehen da viele junge Leute vorbei, OTH-Studenten oder Nutzer der Provinzialbibliothek. Am Marktplatz gibt es möglicherweise noch mehr, aber man sollte die Frequenz bei St. Georg auch nicht unterschätzen. Ich bin auf den Ort nicht festgelegt, es gibt möglicherweise auch andere gute Plätze, aber wenn man eine Verlegung vorschlägt, soll man ja sagen, wohin die Reise gehen könnte. Die Überlegung war: Wenn ich mit dem Kriegerdenkmal an die katastrophale Situation erinnern will, die der Krieg für alle bedeutet, und wenn es mahnen soll, dass wir selbst einiges tun müssen, damit es nie mehr so weit kommt, wo muss es dann hin? Unter den Rathaus-Arkaden ist es halt doch etwas abgesperrt, es ist mehr wie ein Guckkasten, du kannst nur reinschauen. Da bist du halt bei der Nutzung eingeschränkt.

Haben Sie schon eine Vorstellung von der möglichen kommerziellen Nutzung der Rundbögen am Rathaus nach einer eventuellen Verlegung des Kriegerdenkmals?

Ich finde es absolut logisch, dass man an dieser Stelle kein Stuhllager oder so was machen kann. Das ist am Marktplatz, da liegt etwas mit Kommerz auf der Hand. Ich fände es schön, wenn es was mit dem Markt zu tun hätte, also mit dem, was dort auf dem Marktplatz verkauft wird. Aber eigentlich ist es nicht meine Aufgabe, mir über die Nachfolge-Nutzung Gedanken zu machen. Ich habe absolutes Zutrauen in OB Cerny und die Stadträte, dass sie da was Geeignetes finden. Und übrigens auch, dass sie der Sache die richtige Dringlichkeit zuordnen. Man muss aus der Sache keinen Elefanten machen, aber die Diskussion ist schon wichtig.

Wie werden Sie selbst die Sache weiterverfolgen?

Ich habe hier ja keinen Auftrag. Ich habe den Antrag gestellt, damit ist es jetzt erst einmal Sache der Verwaltung, sich mit dem Thema zu beschäftigen. Privat rede ich gerne mit jedem drüber, der meine Meinung wissen will. Ich bin auch nicht beleidigt, wenn einer gegen meinen Vorschlag ist, aber wir sollten schon ohne Schaum vorm Mund diskutieren. Und ich bin übrigens auch sicher, dass es nicht so bleibt, wie es jetzt ist, dass sich an der Situation des Kriegerdenkmals schon was ändern wird.

Darf man den Antrag als Zeichen sehen, dass Sie wieder in der Kommunalpolitik aktiv werden wollen?

Ich finde, wir brauchen weniger besorgte und mehr engagierte Bürger. Da will ich auch selber dazu beitragen, selbst was machen. Ich will mich wieder für Amberg engagieren. Und ich fand, dass das Thema jetzt einfach reif ist.
1 Kommentar
19
Ulrich Kreillinger aus Amberg in der Oberpfalz | 22.11.2016 | 08:57  
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.