Investor stellt Pläne für Bürgerspital-Areal vor
25 Millionen für Stadtbrache

So soll das neue Wohn-, Einkaufs- und Dienstleistungzentrum am Bürgerspitalgelände aussehen. Die Grafik zeigt die Perspektive aus der Bahnhofstraße, links im Bild eine Ecke der Spitalkirche. Grafik: Wittfoth-Architekten
Politik
Amberg in der Oberpfalz
26.07.2016
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Stadtspitze und Investor präsentierten am Dienstag die Pläne (von links): Oberbürgermeister Michael Cerny, Ten Brinke-Geschäftsführer Andreas Kern, Projektleiterin Sandra Kainz, sowie die Fraktionsvorsitzenden Birgit Fruth (SPD) und Dieter Mußemann (CSU). Bild: Hartl

Jetzt ist es raus: Der holländische Immobilienmagnat Ten Brinke hat den Zuschlag für die Bebauung des Bürgerspitalgeländes erhalten. Am Dienstag stellten Oberbürgermeister und Investor die Pläne vor.

Einen Mix aus Handel, Dienstleistung und Wohnen hatte der Stadtrat anvisiert, jetzt bekommt er ihn – in Form eines viergeschossigen Baukörpers, der sich vom Eckert-Gebäude bis zum ehemaligen Ring-Kino zieht. Die in Varsseveld (Niederlande) ansässige Ten-Brinke-Gruppe will rund 25 Millionen Euro in die Hand nehmen, um das seit Anfang 2014 brachliegende Bürgerspital-Areal im Osten der Altstadt zu entwickeln.

"Ich freue mich, dass wir nach langer Vorbereitungszeit eine Lösung gefunden haben", sagte Oberbürgermeister Michael Cerny am Dienstagnachmittag bei der Vorstellung der Pläne. Bis Montagabend war noch offen, welcher der beiden verbliebenen Wettbewerber den Zuschlag für das Projekt bekommt. Wie Cerny erklärte, habe der Stadtrat die Entscheidung in nichtöffentlicher Sitzung "mit großer Mehrheit" getroffen. Das bestätigten die Sprecher der beiden größten Fraktionen im Gremium, Dieter Mußemann (CSU) und Birgit Fruth (SPD).

Wie bei der Neuen Münze


Die Ten-Brinke-Gruppe kauft die Architekturleistungen zu. Und zwar von einem Unternehmen, das in Amberg längst aktiv ist. Das Stuttgarter Büro Wittfoth plant den Bau des Gebäudes und der Außenanlagen. Es führt bereits bei der Wiederbelebung des ehemaligen Kaufhauses Forum (Neue Münze) auf der gegenüberliegenden Seite der Bahnhofstraße Regie. Damit wird klar, dass der Stadtrat ein besonderes Augenmerk darauf gelegt hat, beide Projekte eng aufeinander abzustimmen.

Der aus Argentinien stammende Architekt Leonardo Sartori umriss kurz die Ausmaße des künftigen Bürgerspital-Komplexes. Demnach soll das Gebäude eine Grundfläche von rund 2000 Quadratmetern, eine doppelstöckige Tiefgarage und vier Geschosse aufweisen. Im Erdgeschoss, zur Spitalkirche, hin soll Platz für Gastronomie geschaffen werden, dahinter entstehen Flächen für den Handel. Der für das Geschäft in Süddeutschland zuständige Ten-Brinke-Geschäftsführer Andreas Kern sagte, er denke bei der Nutzung jedoch nicht an kleinere Läden, sondern eher an einen Lebensmittler und einen Drogeriemarkt. Von Seiten des Immobilien-Investors ist Sandra Kainz aus der Regensburger Niederlassung mit der Projektleitung beauftragt. Sie erklärte, die Suche nach potenziellen Mietern beginne erst jetzt. "Bis Montagabend war ja noch nicht klar, ob wir den Zuschlag erhalten."

Für Kunden und Mieter


Im ersten Obergeschoss können sich die Ten Brinke-Vertreter einen Mix aus Dienstleistung und Wohnen vorstellen. Im zweiten und dritten Stockwerk sind vorerst nur noch Wohnungen vorgesehen. "Ein- bis Zwei-Zimmer-Appartements", wie Andreas Kern erläuterte. Das Gebäude soll mit einer doppelgeschossigen Tiefgarage ausgestattet werden. Die erste Ebene soll nach den Worten von Architekt Sartori von Mitarbeitern und Kunden des Einzelhandels genutzt werden. Die zweite stehe den Wohnungsmietern zur Verfügung.

Derzeitiger Planungsstand ist eine Tiefgarageneinfahrt in der Bahnhofstraße. "Die Detailplanung kann jetzt starten", erklärte der Oberbürgermeister. "Wir werden das im Bebauungsplanverfahren sauber abarbeiten." Cerny bat noch einmal um Verständnis für die monatelange Geheimhaltung. Der "wettbewerbliche Dialog", bei denen den Investoren Diskretion zugesichert gewesen sei, habe diese Zurückhaltung erfordert. Wenn das Bebauungsplanverfahren startet, würden die Bürger und die Träger öffentlicher Belange eingebunden. Baureferent Markus Kühne erklärte, dass die Verwaltung unverzüglich die dafür notwendigen Schritte einleiten werde. Zu einem Zeitplan wollten sich weder die Investoren, noch Kühne konkret äußern. "Die Komplexität des Projekts ist hoch", sagte der Baureferent. Zwölf Monate seien bis zur Verabschiedung eines neuen Bebauungsplanes nicht unrealistisch.

Der Investor


Rund 25 Millionen Euro will die Ten-Brinke-Gruppe in die Entwicklung des Bürgerspital-Areals stecken. Das Unternehmen mit Sitz in Varsseveld in den Niederlanden investiert in großem Stil in Immobilien in ganz Europa – unter anderem in Einkaufszentren, aber auch in Wohnkomplexe. Die Firma beschäftigt rund 670 Mitarbeiter und verbucht einen Jahresumsatz von 600 Millionen Euro. Den Bereich Süddeutschland betreut eine Niederlassung in Regensburg mit 16 Mitarbeitern. Geschäftsführer von Ten Brinke Bayern ist Andreas Kern. Für die Projektleitung in Amberg ist Sandra Kainz zuständig.

Kern verwies bei der Vorstellung der Pläne auf einige Referenzen im Freistaat, darunter die 2013 eröffnete Altstadtpassage in Ebersberg oder den Kemmelpark in Murnau, ein ebenfalls vor drei Jahren in Betrieb genommenes Nahversorgungszentrum. Auch in der Oberpfalz war das Unternehmen bereits aktiv. Das Tanngrindler Einkaufszentrum (TEZ) in Hemau (Kreis Neumarkt) geht auf die Rechnung des holländischen Immobilienmagnaten. 2006 erhielt das Unternehmen den Zuschlag für die Wiederbelebung des Schlingmann-Geländes in Nittenau (Kreis Schwandorf).

Das Unternehmen Ten Brinke ist als Sieger aus dem „wettbewerblichen Dialog“ hervorgegangen, den die Stadt Amberg vor einem Jahr gestartet hat. Investoren konnten sich nach einer europaweiten Ausschreibung des Projekts Bürgerspital bis Anfang Oktober 2015 bewerben. Danach prüfte ein Gremium aus Mitgliedern des Stadtrates und der Verwaltung, inwieweit die eingereichten Konzepte mit den vom Stadtrat formulierten Zielen übereinstimmten. Im März wurde bekannt, dass nur noch zwei potenzielle Investoren im Rennen sind. Stadtverwaltung und Stadtrat hatten sich während der Verhandlungsphase strikte Geheimhaltung auferlegt.
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