Jugendämter im deutschlandweiten Datenverbund
Bierdeckel-Denken hilft kaum weiter

Politik
Amberg in der Oberpfalz
09.03.2016
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Verlässliche Ausgangsdaten sind die halbe Miete. Das gestehen selbst Statistik-Skeptiker ein. Wer gezielt fragt, bekommt belastbare Antworten und vielleicht auch noch ein bisschen mehr. So hat es Amberg erst einmal auf vier Seiten in einer Publikation der renommierten Bertelsmann-Stiftung gebracht.

In der Broschüre "KECK konkret" wird die Stadt als "Leuchtturm für Bayern" gelobt. KECK steht für "Kommunale Entwicklung - Chancen für Kinder". Im Frühjahr 2014 hat der Stadtrat beschlossen, sich diesem Projekt anzuschließen. In der vergangenen Woche wurde dem Hauptausschuss die Veröffentlichung der Bertelsmann-Stiftung als ein erstes, sichtbares Ergebnis präsentiert.

Im Hintergrund steht natürlich deutlich mehr. Das skizzierte Sozialreferent Dr. Harald Knerer-Brütting kurz vor dem Gremium. Demnach eröffnet die Einbindung in dieses Projekt speziell dem Jugendamt eine ständige, aktuelle Fortschreibung der Ist-Situation als Basis einer möglichst ziel- und bedarfsorientierten Arbeit. Bisher fließen in das Projekt die Daten und Erfahrungen von 19 Kommunen deutschlandweit ein. Sie tauschen sich netzwerkartig aus. Amberg ist bisher die einzige KECK-Kommune Bayerns.

Sibylle Vinzens, im Rathaus für die Jugendhilfe-Planung zuständig, wird in der Publikation der Bertelsmann-Stiftung unter anderem mit dem Satz zitiert, dass sie die bisher durch die Einbindung gewonnenen Erkenntnisse "nicht so sehr" überrascht hätten. "Aber die 'gefühlte' Situation hat sich auch nicht überall bestätigt", führte Vinzens aus. Konkret bezog sie diese Feststellung darauf, "dass in einem als überaltert wahrgenommenen Stadtteil der dritthöchste Anteil aller Kinder und Jugendlichen unter 15 Jahren lebt, und dass insgesamt 50 Prozent aller unter 15-Jährigen in drei Planungsräumen wohnen".

Zu dieser Erhebung war die Stadt in elf Gebiete unterteilt worden. Demnach schwankt der Anteil der Kinder und Jugendlichen an der Gesamtbevölkerung in den unterschiedlichen Bereichen recht deutlich. Die Innenstadt kommt auf lediglich 8,75 Prozent (Minimalwert), das südwestliche Umland auf 14,71 Prozent (Maximalwert).

Erstaunlicherweise stehen diese Zahlen in einem unmittelbaren Zusammenhang mit dem Quotienten Spielplatzfläche pro unter 15-Jährigen. In der Kernstadt liegt er bei 5 Quadratmetern, im südwestlichen Umland bei 25. Der Südosten der Stadt, der immerhin auf den zweithöchsten Anteil der unter 15-Jährigen (13,20 Prozent) kommt, bringt es aber nur auf 9 Quadratmeter.

Derartige Zusammenhänge, das deutete Knerer-Brütting gegenüber dem Hauptausschuss an, könnten in Zukunft bei der Fortschreibung der Arbeit seines Referats eine nicht zu unterschätzende Rolle spielen.
Die 'gefühlte' Situation hat sich nicht überall bestätigt.Sibylle Vinzens vom Jugendamt
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