Keine Mietwohnungen für Flüchtlinge
Ammerthal auf Amberg angewiesen

In Ammerthal finden auch Deutsche keine Mietwohnungen. Wir haben sie einfach nicht. Wir werden da wohl ohne die Stadt nicht auskommen.
Politik
Amberg in der Oberpfalz
21.02.2016
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Ammerthals Bürgermeisterin Alexandra Sitter hatte "einen kleinen Vortrag zum großen Thema Flüchtlinge" angekündigt. Danach stand fest: Trotz aller Bemühungen um die Integration von aktuell 16 Syrern hat die kleine Gemeinde in naher Zukunft ein großes Problem - das sie wohl nur mit Amberger Hilfe lösen kann.

Die Hauptversammlung der Freien Wähler/FW hatte am Freitagabend nach einem harmonischen Ablauf ein relativ zügiges Ende gefunden, als der Vortrag von Alexandra Sitter begann. Die Ammerthaler Bürgermeisterin gehört der befreundeten Unabhängigen Wählergemeinschaft an und sprach als Gast über das Vorhaben, die der 2300 Einwohner zählenden Gemeinde zugewiesenen 16 Flüchtlinge zu integrieren - eine siebenköpfige Familie und neun junge Männer. Sitter: "Unvergessen werden mir die Bilder bleiben, als Heimatlose mit ihren wenigen Habseligkeiten aus dem Bus ausgestiegen sind." Die Flüchtlinge hatten jeweils nicht mehr als einen Koffer und die Verantwortlichen im Rathaus "keinen Plan": "Das hatte im September 2014 keiner. Wir hatten wirklich keine Ahnung."

CD für 10,99 Euro


Bei dem Zuteilungsschreiben der Regierung der Oberpfalz habe es sich um ein einziges Blatt Papier gehandelt. Sitter übte sich in Ironie: "Gut, es war beidseitig bedruckt." Ammerthal habe aber versucht, das Beste aus der Situation zu machen. Erste Erkenntnisse: "Integrationsarbeit ist anstrengend, kompliziert, aber auch machbar" - wenn Einwohner- und Flüchtlingszahl wie in Ammerthal in einem gesunden Verhältnis stehen. Zwei Beispiele: Für einen der jungen Männer habe die Gemeinde in Eigenregie in Amberg für 10,99 Euro eine Übersetzungs-CD gekauft. Nach kurzer Zeit sei eine Verständigung möglich gewesen.

Job im Betriebshof


Auch die Idee, die Neuankömmlinge für 1,05 Euro pro Stunde im Betriebshof zu beschäftigen, habe sich bewährt: "Je mehr Flüchtlinge mit Besen unterwegs waren, desto größer war die Akzeptanz." Vor der Zukunft ist Alexandra Sitter dennoch etwas bange. Parallel zur Ankündigung, in absehbarer Zeit weitere 25 Asylbewerber zugewiesen zu bekommen, bahnt sich im Fall der Anerkennungen ein größeres Problem ab: "In Ammerthal finden auch Deutsche keine Mietwohnungen. Wir haben sie einfach nicht. Wohin mit den Menschen?" Eine Lösung sei nur mit Amberg möglich: "Wir werden da ohne die Stadt wohl nicht auskommen." An der Vils seien genügend Mietwohnungen frei.

In Ammerthal finden auch Deutsche keine Mietwohnungen. Wir haben sie einfach nicht. Wir werden da wohl ohne die Stadt nicht auskommen.Ammerthals Bürgermeisterin Alexandra Sitter
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