Klage gegen ein Mehrgenerationenhaus
Passt, passt nicht, ...

Von der Wohnatmosphäre her würde ein Mehrgenerationenhaus in die Alemannenstraße passen. An der Architektur scheiden sich jedoch die Geister bis hin zu einer Klage vor dem Verwaltungsgericht. Bild: Steinbacher
Politik
Amberg in der Oberpfalz
30.08.2016
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Bezeichnend - oder Ironie des Zufalls? Eine Seniorin klagt gegen ein Mehrgenerationenhaus, das in ihrer Nachbarschaft entstehen soll. Doch architektonische Geschmacksfragen interessieren die Verwaltungsrichter nicht.

/Regensburg. Gutbürgerlich - dieses Attribut passt zu dieser Wohngegend. In der Alemannenstraße im Stadtosten prägen spitzgiebelige Ein- und Zweifamilienhäuser aus den 50er- und 60er-Jahren das Bild. Die Gärten sind gepflegt, die Grundstücke vergleichsweise groß, und die Lage im Dreifaltigkeitsviertel offenbart sich als ruhig und dennoch einigermaßen zentrumsnah.

Doch der Schein trügt. Ganz so grün scheinen sich zumindest ein paar Nachbarn in spe nicht zu sein. Sie treffen sich vor dem Verwaltungsgericht in Regensburg. Beklagte ist allerdings die Stadt, weil sie für ein Grundstück im sogenannten vereinfachten Verfahren eine Baugenehmigung erteilt hat. Einen rechtsgültigen Bebauungsplan gibt es dort nicht. Eine betagte Frau tritt als Klägerin gegen das Vorhaben auf, das das Bauherren-Ehepaar schlagwortartig als Mehrgenerationenhaus für die eigene Familie beschreibt.

"Sehr modern"


Die künftige Nachbarin macht eine allzu massive Bebauung des gesamten Grundstücks geltend und schließt daraus, dass wohl recht viele Menschen dort einziehen werden und das entsprechenden zusätzlichen Verkehr in die Alemannenstraße ziehen wird. Zudem handle es sich um einen mehrgeschossigen in sich verschachtelten Baukörper in Flachdach-Bauweise, während das Umgebungsbild durch Giebeldächer geprägt ist. Auch die Baujuristin der Stadt, Jasmin Ramsauer, spricht von einer "sehr modernen Architektur". Doch gestalterische Gesichtspunkte würden im vereinfachten Verfahren nicht geprüft, schiebt sie hinterher.

Keine Rechtsverletzung


Der Bebauungsgrad des Grundstücks liege zudem nur um rund 13 Prozent über dem der Nachbarn. Auch die 7. Kammer des Regensburger Verwaltungsgerichts betonte nicht nur einmal, dass sie lediglich zu prüfen habe, ob dieses Bauvorhaben "Nachbarschaftsrechte verletzt". Doch dazu wohne die Klägerin unter anderem "zu weit weg". Die Rechtmäßigkeit der von der Stadt erteilten Genehmigung gelte es in diesem Verfahren nicht zu prüfen, ergänzten die Richter und wiesen die Klage ab. "Es gefällt halt nicht", mutmaßte die Kammer als das eigentliche Motiv, gegen diesen Bau gerichtlich vorzugehen. Doch reine Geschmacksfragen seien nicht justiziabel. Die Kammer ließ schnell erkennen, dass sie diese Klage wohl zurückweisen werde und legte deshalb der Seniorin eine Rücknahme nahe. Sie bestand jedoch auf ein Urteil. (Angemerkt)
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