Klinikumsvorstand Manfred Wendl über den Wunsch nach einer stärkeren Kooperation
St. Marien bleibt "immer offen"

Das Klinikum St. Marien aus der Vogelperspektive. Die Aufnahme vom Mai 2016 zeigt noch die Baustelle der Landeplattform für den Hubschrauber, die inzwischen schon fertig ist. Bild: Georgi
Politik
Amberg in der Oberpfalz
09.01.2017
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"Die wachsenden Anforderungen bringen die kleinen Häuser in erhebliche Schwierigkeiten." Zitat: Manfred Wendl, Vorstand Klinikum St. Marien

Auch wenn der Landkreis Amberg-Sulzbach dem Klinikum St. Marien in Sachen Fusion die kalte Schulter zeigt: Die Amberger bleiben den Krankenhäusern in Sulzbach und Auerbach gegenüber "immer offen für eine Kooperation". Das betont Klinikums-Vorstand Manfred Wendl.

Im Gespräch mit der AZ zum Jahresbeginn äußerte sich Wendl auch über die wirtschaftlichen Perspektiven des Amberger Krankenhauses. Hier hatten die ursprünglichen Prognosen für die Jahre 2016 bis 2021 jeweils Defizite von 3,5 bis 3,7 Millionen Euro ergeben.

Bereits im Dezember hatte Wendl dazu angemerkt, das tatsächliche Ergebnis für 2016 werde deutlich unter diesen Werten liegen. Er verband damit jetzt einen Dank an alle Mitarbeiter: "Sie haben hervorragend gearbeitet, dass das möglich war." Gleichzeitig präsentierte er auch eine neue Prognose für 2017: Da gehe man inzwischen von einem Defizit in Höhe von 2,1 Millionen Euro aus.

Der Druck wächst


Einen verstärkten wirtschaftlichen Druck sieht Wendl in den nächsten Jahren auf alle kleineren Krankenhäuser zukommen, da die Anforderungen vonseiten des Gesetzgebers und der Gesundheitsverwaltung ständig wüchsen. "Die bringen die kleinen Häuser in erhebliche Schwierigkeiten." Als Beispiel führt er die neuen Vorschriften zu den Rufdiensten rund um die Uhr an, die in St. Marien bereits durchgehend umgesetzt seien, in kleineren Kliniken aber erfahrungsgemäß zu einer überproportionalen Kostenmehrung sowie Belastung der Beschäftigten führten.

Aber nicht nur aus dieser Perspektive stuft Wendl "Kooperationen und Absprachen in nächster Nähe" als sehr sinnvoll ein, sondern auch mit Blick auf die Belange der Patienten, "weil man so das Qualitätsniveau halten oder steigern kann". Und ein "hochwertiges Leistungsspektrum" sieht der Klinikumsvorstand als einen der wichtigsten zukünftigen Erfolgsfaktoren für Krankenhäuser. Der Ansatz von St. Marien sei deshalb, der Bevölkerung (einschließlich Landkreis) eine hochwertige medizinische Versorgung in vielen und breiten Feldern zu bieten.

Das geschehe zum einen durch die Bereiche, die es in anderen Häusern nicht gebe, wie etwa die Kinderklinik. Zum anderen legten Medizin und Politik Wert auf höchste Qualität der medizinischen Versorgung, "und dazu brauchen wir hervorragende Mediziner". Die bekomme man aber in vielen Fällen nicht mehr, wenn man die Anwerbung nicht in Kooperation betreibe. Häufig sei das Haus in Amberg schon zu klein für die ins Auge gefassten Experten, "aber zusammen mit den Kliniken Nordoberpfalz in Weiden erreichen wir eine Größenordnung, die für sie attraktiv ist".

Mit Weiden funktioniert's


Als Beispiel dafür nennt Wendl die 2016 neu eingerichtete neuroradiologische Versorgung von Schlaganfallpatienten. Die habe man nur gemeinsam mit Weiden auf die Beine stellen können. Somit habe die Kooperation nicht nur die Versorgung in der Region verbessert, sondern auch das Betriebsergebnis. Man habe nämlich die erwartete Zahl von 20 Patienten auf 35 steigern können. Ähnliche - für beide Seiten positive - Effekte könnten laut Wendl auch aus einer stärkeren Zusammenarbeit mit den Amberg-Sulzbacher Krankenhäusern erwachsen. (Angemerkt)

Die wachsenden Anforderungen bringen die kleinen Häuser in erhebliche Schwierigkeiten.Manfred Wendl, Vorstand Klinikum St. Marien


Hintergrund
Die Öffentlichkeit und das Geld: Sowohl das Klinikum St. Marien als auch die beiden Krankenhäuser des Landkreises Amberg-Sulzbach in Sulzbach-Rosenberg und Auerbach sind rechtlich in der Form eines Kommunalunternehmens organisiert. Dieser Begriff steht für "Anstalten des öffentlichen Rechts", die Aufgaben im Rahmen der Daseinsvorsorge übernehmen und einer Kommune (oder mehreren) gehören. Die rechtlichen Grundlagen sind also für die Kliniken in Amberg und Amberg-Sulzbach dieselben. In der praktischen Umsetzung gibt es aber durchaus Unterschiede:
Verwaltungsrat: Er besteht für die Krankenhäuser des Landkreises aus Landrat Richard Reisinger als Vorsitzendem und acht Kreisräten. In Amberg ist laut Satzung der OB der Vorsitzende, dazu kommen sechs weitere Mitglieder aus den Reihen des Stadtrats. Während in Amberg die Sitzungen des Verwaltungsrates immer auch einen öffentlichen Teil haben, verhandelt man auf Landkreis-Seite grundsätzlich unter Ausschluss der Öffentlichkeit. "Man ist nicht zu öffentlichen Sitzungen verpflichtet", erklärt Manfred Wendl dazu. Im Falle von St. Marien liege den Verantwortlichen aber oft daran, in die Öffentlichkeit zu wirken.
Defizitausgleich: Wenn das Kommunalunternehmen Krankenhäuser des Landkreises ein Minus macht, trägt das der Landkreis (meistens ziemlich klaglos). In schlechten Jahren waren das durchaus Größenordnungen, wie sie jetzt für St. Marien vorhergesagt sind. Für die Amberger Klinik war ein solcher Defizitausgleich "bisher nicht erforderlich", sagt Vorstand Wendl. "Und mein Anspruch ist auch, dass wir das dauerhaft nicht wollen, weil sich das keine Kommune auf Dauer leisten kann. Wir wollen uns aus eigener Kraft wirtschaftlich tragen."

Was es aber in Amberg gibt, sind Investitionszuschüsse der Stadt. Sie steuert etwa seit 2012 für den Bauabschnitt IV jährlich eine halbe Million Euro bei. Insgesamt sollen es fünf Millionen werden. "Unsere Gebäude gehören der Stadt", nennt Wendl dafür einen Grund, der auch auf Landkreis-Seite gilt und dort genauso dafür sorgt, dass der Kreistag immer wieder Geld für Investitionen in den Krankenhäusern in die Hand nimmt.


Schere geht nicht mehr zu - Angemerkt von Markus Müller

Manchmal ist es gar nicht so gut, wenn man in die Zukunft schauen kann. Manfred Wendl zum Beispiel sieht jetzt schon, wie für 2017 die Schere aufgeht zwischen dem, was das Klinikum St. Marien für seine Leistungen verlangen darf, und dem, was es ausgeben muss. Der "Landesbasisfallwert" als Grundlage der Abrechnung für die im Krankenhaus erbrachten stationären Leistungen wird laut Wendl um 1,4 bis 1,5 Prozent steigen, die Lohnkosten legen aber nach den Tarifabschlüssen um mehr als 2 Prozent zu.

Für St. Marien mit seinen Personalkosten von mehr als 70 Millionen Euro ein ganz schöner Brocken. Zumal man die Einnahmen kaum in entsprechende Höhen klettern lassen kann. Nicht einmal neue Rekorde bei den Patientenzahlen, wie sie das Klinikum in der Endabrechnung für 2016 erwartet, sind ein Garant für ein Plus. Denn nicht die Fälle an sich bringen das Geld, sondern deren Schwere. Weniger Fälle, die aber als komplizierte Diagnosen eine aufwendigere Behandlung erfordern, können also für ein Krankenhaus lukrativer sein als ein kräftiges Anwachsen der schlechter honorierten leichteren Fälle, das womöglich dazu führt, dass man weiteres Personal einstellen muss.

Das immerhin gilt für das Amberger Krankenhaus genauso wie für diejenigen des Landkreises. Der Laie fragt sich geradezu, wie unter diesen Voraussetzungen Kliniken überhaupt jemals wieder auf schwarze Zahlen kommen wollen. Ein Kooperationsdruck ergäbe sich daraus aber nur, wenn die Amberg-Sulzbacher Verantwortlichen des regelmäßigen Defizitausgleichs für ihr Kommunalunternehmen überdrüssig wären. Aber dafür geht es dem Landkreis finanziell zu gut.
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