Kulturausschuss kann sich nicht durchringen
Tourismus-Beschilderung bleibt wie sie ist

Keine Experimente: An der bisherigen touristischen Beschilderung für Amberg neben der A 6 (rechts im Bild) soll sich nichts ändern. Der Vorschlag, sie durch den "Luftkunstort Amberg" zu ersetzen, fand nur drei Befürworter. Bilder: Huber (2)
Politik
Amberg in der Oberpfalz
11.05.2016
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Historische Altstädte gibt es ja viele. Aus dem Luftkunstort wird beim schnellen Vorbeifahren aber schnell auch ein Luftkurort. - Martin Preuß (CSU), Bürgermeister (mit Luftkunstort-Sticker)

Was sind schon zehn Jahre im Vergleich zu gestandener Geschichtsträchtigkeit? Das ist gar nicht so einfach zu beantworten, rang der Kulturausschuss ernsthaft mit dieser Frage. Sie hat es nämlich in sich.

Schon der Begrifflichkeit nach: Was jedem bekannt ist, und schon unzählige Male durch das Blickfeld huschte, heißt Touristische Unterrichtstafel. Das sind jene an den Autobahnen stehenden braun-weißen Schilder, die auf Besonderheiten der Landschaften oder Städte hinweisen, an denen man gerade - in der Regel unwissend - vorbeirauscht.

An der A 6 gibt es auch so einen großflächigen Hinweis mit einer stilisierten Silhouette und dem Schriftzug "Historische Altstadt Amberg". So weit so bekannt. Doch die Stadt entwickelt sich weiter. Deshalb hatte der Kulturausschuss am Dienstag darüber zu befinden, ob sich nicht auch der "Luftkunstort Amberg" per Schild an der Autobahn niederschlagen sollte. Angeregt hat das der einschlägige Runde Tisch, der sich unter anderem mit der touristischen Attraktivität und der Außenwirkung der Stadt befasst.

80 000 Besucher


Das Luftmuseum am Eichenforstgässchen - das steht außer jeglichen Zweifels - hat Amberg in Fachkreisen zu einer ernsthaften internationalen Größe gemacht und erzielt daneben eine mehr als beachtliche Außenwirkung. Rund 10 000 Besucher kommen jährlich ins Luftmuseum. Und das gerade einmal zehn Jahre nach dessen Gründung (gefeiert wird unter anderem an dem Wochenende 4. und 5. Juni).

Der gängige Begriff von einem unschlagbaren Alleinstellungsmerkmal für das Image der Stadt war deshalb im Kulturausschuss, der zudem im Luftmuseum tagte, nicht weit. Allerdings auch ein Dilemma. Das Kulturamt hatte bei der Vorbereitung der Tischvorlage herausgefunden, dass die zuständige Autobahndirektion Nordbayern der Stadt nur eine einzige Touristische Unterrichtstafel zugesteht. Das trug Kulturreferent Wolfgang Dersch vor.

Zwei gewichtige Pfunde


Also käme lediglich ein Austausch der "Historischen Altstadt Amberg" gegen den "Luftkunstort Amberg" in Frage. Hinsichtlich des nach außen getragenen Images in Sachen Tourismus käme das einem Paradigmenwechsel gleich. SPD-Stadträtin Hannelore Zapf brachte es auf den Punkt. Sie ist als Gästeführerin tätig und weiß um die Bedeutung und Wirkung der Autobahn-Schilder.

Die Altstadt-Historie sei nach wie vor ein gewichtiges Pfund, um Gäste in die Stadt zu ziehen, lautet eine ihrer Erfahrungen. Neugierde wecke der Luftkunstort allerdings nicht minder. Da schlügen zwei Herzen in ihrer Brust. Ähnlich sah es Bürgermeister Martin Preuß (CSU), der die Sitzung leitete. "Historische Altstädte gibt es ja viele. Aus dem Luftkunstort wird beim schnellen Vorbeifahren aber schnell auch ein Luftkurort."

Damit waren die Meinungen eher unentschlossen positioniert, und Luftmuseums-Gründer Wilhelm Koch nutzte die Gelegenheit für einen Kompromissvorschlag. Es müsse ja nicht unbedingt die Autobahn sein, warum nicht Aufmerksamkeit für die Amberger Kunst und Kultur an den beiden Bundesstraßen erregen? So ergebe sich womöglich auch mehr Gestaltungsspielraum, weil nicht das Design der Touristischen Unterrichtstafeln zwingend vorgeschrieben sei.

Klare Mehrheit


Diese Argumentation hatte für das Gremium Charme. Gegossen in einen Beschluss hieß das: Gegen drei Stimmen aus der SPD wurde mehrheitlich für die Beibehaltung der bisherigen Beschilderung an der Autobahn gestimmt und parallel der Auftrag erteilt, Vorschläge für Lösungen an den Bundesstraßen zu erarbeiten.

Historische Altstädte gibt es ja viele. Aus dem Luftkunstort wird beim schnellen Vorbeifahren aber schnell auch ein Luftkurort.Martin Preuß (CSU), Bürgermeister (mit Luftkunstort-Sticker)
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