Mann aus Schnaittenbach gesteht, seine Frau getötet zu haben
War es Mord oder Totschlag?

Auch als ihm zu Beginn der Verhandlung von einem Polizeibeamten die Handschellen abgenommen wurden, ließ der 47-jährige Angeklagte die Fotografen sein Gesicht nicht sehen. Bild: Hartl
Politik
Amberg in der Oberpfalz
24.03.2015
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Der Mann braust auf. Er fühlt sich vorverurteilt und schreit: "Was soll der Zirkus hier. Sperren Sie mich doch lebenslang ein mit Sicherungsverwahrung." Der 47-Jährige, so gibt er zu, hat seine Frau getötet. Allerdings in einem Moment, in dem sich bei ihm "der Schalter umlegte".

War es Totschlag oder Mord? Für das, was in der Nacht zum 11. Februar vergangenen Jahres in einem Mehrfamilienhaus an der Rosenbühlstraße in Schnaittenbach geschah, gibt es nur einen Zeugen. Und das ist der Angeklagte. Der Leitende Oberstaatsanwalt Harald Riedl geht von Mord aus. Doch niedere Beweggründe wie Heimtücke bestreitet der Angeklagte. Er will "nur noch rot gesehen" haben, in einer - wie er sagt - nicht von ihm zerrütteten Ehe. Immer wieder hören die Richter: "Ich habe meine Frau geliebt."

Ärger über Nebenbuhler

Dem unter Vorsitz von Roswitha Stöber tagenden Schwurgericht beim Landgericht Amberg stellen sich Fragen, die im Lauf eines offenbar sehr langen Prozesses zu klären sind. Zum Beispiel: Gab es tatsächlich einen Nebenbuhler, der den Ehemann zum "Gehörnten" machte? Der 47-Jährige behauptet das, er will seine Frau auch darauf angesprochen haben. Doch die habe das für Unsinn erklärt. Bis zu jener Februarnacht im vergangenen Jahr, als sie - so ihr Mann - wieder einmal nach Abwesenheit in die gemeinsame Wohnung zurückgekehrt sei. Zuvor will er sie mit jemandem beobachtet haben, den er schon längere Zeit für ihren Liebhaber hielt.

Handfester Streit

Was dann passierte, kennen die Richter nur aus der Sicht des Angeklagten. Er schilderte: Erst nahm seine Frau ein Bad, zu dem er als Zeichen der Zuneigung Teelichter an die Wanne stellte. Dann gab es, so sagt er, einen Streit, der sich von der Küche ins Wohnzimmer verlagerte.

Dort kam es angeblich zu Handgreiflichkeiten. "Sie hat mich mit einem Teppichmesser verletzt." Ihr Handy will er in den Ofen geworfen haben. Und danach? "Sie zog ein Küchenmesser unter einem Sofakissen hervor."

15 Stiche, 13 Schnitte

Was geschah dann? Die Frau gab - so berichtete ihr Ehemann - Einzelheiten aus dem intimen Zusammensein mit ihrem Liebhaber preis. Fast schon verhöhnend und mit dem Bemerken: "Der ist besser im Bett als du." Da sei bei ihm "der Schalter runtergegangen". Was folgte, war ein Blutbad. Die 38-Jährige bekam 15 Stiche, sie erlitt 13 Schnittwunden.

Dazu wurden vier Messer verwendet. Zwei brachen ab. Die umfunktionierten Waffen stammten offenbar aus einer Küchenschublade der Wohnung.

Sehr jähzornig

Nur an zwei Stiche und an zwei von ihm verwendete Messer erinnerte sich der Angeklagte. Ansonsten: "Blackout". Die Frage ist nun, ob das alles der Wahrheit entspricht. Fest steht: Der aus Weiden stammende und seit 2011 mit dem Opfer verheiratet gewesene Mann neigt zu jähem Zorn. Er braust auf, mischt sich in Vernehmungen ein. Als die im gleichen Haus wohnende Schwester der 38-Jährigen vom Schwurgericht gehört wurde, drohte er: "Man sieht sich immer zweimal im Leben." Ihm das Wort abzuschneiden, erwies sich als nahezu aussichtslos.

Kinder nicht in Wohnung

Das Opfer hatte drei Kinder, die aus anderen Verbindungen stammten. Sie befanden sich zum Zeitpunkt des Verbrechens nicht in der Wohnung. Zwei waren außerhalb, das dritte nächtigte bei der im gleichen Anwesen wohnenden Schwester der 38-Jährigen. Die 27-Jährige hatte während der lautstarken Auseinandersetzung Rufe vernommen wie "Leg' das Messer weg", war daraufhin an den Tatort geeilt. Sie sah, wie das Opfer am Boden lag und rief bei der Rettungsleitstelle an. Als Sanitäter kamen, sprach die Frau noch mit schwerer Stimme. Dann starb sie.

Der Prozess wird heute fortgesetzt. Annähernd 70 Zeugen und fünf Sachverständige sollen aussagen.
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