Mariahilfberg: Streit zwischen Pfarrei St. Martin und Leitung des Franziskanerklosters
Maria hilf: Streit am Berg

Bei der Abschlussandacht fürs Bergfest am Sonntagabend reihte sich die Geistlichkeit von Kloster und Stadt einträchtig am Freialtar auf und versammelte sich anschließend mit Hunderten Gläubigen und allen Berg-Anhängern zur traditionellen Lichterprozession. Bild: Steinbacher

Oh Gott: Der Mariahilfberg ist zurzeit kein reiner Hort himmlischen Friedens. Zwischen der Mutterpfarrei St. Martin und der Leitung des Franziskanerklosters hängt der Haussegen schief. Eingeweihte machen sich aufgrund mancher Aussagen bereits Sorgen um die Zukunft der Wallfahrtsseelsorge auf Ambergs Heiligtum.

Dabei sind es an sich nur diese Äußerungen, die Anlass zu gewissen Befürchtungen geben, nicht die Situation selbst. Das sieht auch Stadtpfarrer Franz Meiler von St. Martin so, der das Problem als "plausibel und gar nicht konfliktbeladen" bezeichnet. Er zumindest gehe rein sachlich damit um und erkenne keinen Grund für "emotionale Reaktionen" aufseiten der polnischen Franziskaner, die bekanntlich 2007 die Wallfahrtsseelsorge auf dem Mariahilfberg von ihren bayerischen Vorgängern übernommen hatten.

Spekulationen über möglichen Rückzug des Guardians Pater Janusz Wrobel

Das aber scheint die Schwierigkeit zu sein, dass sich die Dinge in den vergangenen Wochen und Monaten aufgeschaukelt haben und nicht mehr rein inhaltlich, sondern mit menschlichen Emotionen behandelt werden. Diesen Eindruck hat nicht nur Franz Meiler, sondern auch so mancher Insider, der das Innenleben des Klosters und seiner Kirchenverwaltung kennt. Aussagen des Guardians Pater Janusz Wrobel wie, er habe "keine Lust mehr" und "nächstes Jahr gehe ich sowieso" (auch gegenüber der AZ in der Bergfestwoche), nähren Spekulationen, die polnischen Patres könnten sich insgesamt aus Amberg wieder zurückziehen.

Teufel an der Wand

Aber bevor wir den Teufel an die Wand malen, erst mal zur strittigen Sache selbst: Die bayerischen Franziskaner und die Diözese Regensburg haben seinerzeit eine Vereinbarung geschlossen, dass es neben dem Orden auf dem Mariahilfberg eine Kirchenstiftung und eine -verwaltung geben soll, die sich um nötige Entscheidungen, auch finanzielle, vor allem für die Liegenschaften und deren Erhalt kümmern. Neben Bergkirche und Kloster gehören die Wirtschaft, die Grabkapelle, der Kalvarienberg, der Parkplatz und das Umfeld dazu.

Keine gültige Rechtsgrundlage

Nun stellte sich laut Meiler die Frage, inwieweit die Vereinbarung noch greift, weil sie ja von den bayerischen Franziskanern getroffen wurde und nicht von den Krakauern, die seit 2007 zwar faktisch diese Rechte und Pflichten übernommen haben, aber wohl keine gültige Rechtsgrundlage dafür besitzen. Das beurteilte auch das eingeschaltete Institut für Staatskirchenrecht in Bonn so, wie Meiler informierte. Es erteilte den Auftrag, eben eine neue Satzung, auch für die Kirchenstiftung samt Verwaltung, zu schaffen - in Letztere sind demnach wie früher zwei Vertreter der Pfarrei St. Martin zu entsenden.

Das Rechtliche macht die Justiziarin der Diözese, mit der Abwicklung und Umsetzung aber wurde die Mutterpfarrei St. Martin beauftragt. "Das ist uns zugewiesen worden", sagt deren Chef Franz Meiler, der sich um diese Aufgabe nicht gerissen hat. Im Gegenteil habe er jetzt den Schwarzen Peter, das zu bewerkstelligen, was vor allem bei der Ordensleitung Unverständnis hervorrufe.

Verwaltung hat funktioniert

Dort sieht man das Ganze nach Meilers Beobachtung als bürokratischen Akt an, der unnötig sei. Zumal es doch bisher schon eine Kirchenstiftung und -verwaltung gab, die funktionierten und sich ihren Aufgaben, wie zum Beispiel der Klostersanierung für 2,7 Millionen Euro, erfolgreich stellten. Auch dass sich St. Martin jetzt "einmischt" und zwei Mitglieder seiner Pfarrei in die Berg-Verwaltung entsenden will, stößt laut Meiler nicht auf Gegenliebe.
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