Marlene Mortler, die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, diskutiert mit Ambergern
Was gegen Drogen hilft

"Bei der Online-Sucht sind Mädchen mehr in sozialen Netzwerken unterwegs. Jungen spielen lieber." Zitat: Marlene Mortler
Politik
Amberg in der Oberpfalz
13.07.2016
1297
1

In Sachen Drogen ist Amberg keine Insel der Seligen. Das zeigte die Diskussion beim Besuch von Marlene Mortler, der Drogenbeauftragten der Bundesregierung, im Rathaus.

Die CSU-Bundestagsabgeordnete aus dem Landkreis Nürnberger Land war auf Einladung ihrer Parlamentskollegin Barbara Lanzinger nach Amberg gekommen. Hier diskutierte sie mit Vertretern des Bündnisses für Familie sowie des Suchtarbeitskreises. Immer wieder tauchte dabei das Schlagwort Crystal Meth auf, die synthetische Droge, die vor allem aus Tschechien in die Region kommt. "Die Konsumenten werden immer jünger", warnte Wolfgang Händlmeyer. Mortler setzt da auf weitere Aufklärung. "Das ist aber eine Gratwanderung. Wer zu viel macht, macht Werbung dafür." Trotz der Erfolge der Polizei fänden die Dealer stets neue Wege über die Grenze. "Da kann man einfach zu viel Geld verdienen." Aus den Schulen sprach Rektor Stephan Tischer (Ammersricht) das Problem Internetsucht an ("das beginnt schon in der 3. Klasse"), während Gabriele Swandulla (Krötensee) nach dem Fall eines 16-Jährigen mit Alkoholvergiftung wissen wollte, wie man da am besten an die Eltern herankomme. Dieses Problem bestehe auch in seinem Metier, bestätigte Kinderpsychologe Franz Hench: "Wir haben da noch keinen goldenen Weg gefunden." Die Drogenbeauftragte ebenso wenig.

Die Verharmlosung des Rauchens von Shishas und E-Zigaretten missfiel Karin Meixner-Nentwig. Dass es in Deutschland jetzt für unter 18-Jährige verboten ist, sei auch Marlene Mortler zu verdanken. Die empfahl als Mittel der Prävention das Programm "Klasse 2000", das bereits Grundschüler stark mache - gegen alle Drogen. "Das ist eine tolle Basis, die Sie den Kindern mitgeben können." Die örtliche AOK hat zu dessen Finanzierung in den Regionen Amberg-Sulzbach und Schwandorf neun Patenschaften für die Dauer von vier Jahren übernommen, vor allem in sozialen Brennpunkten.

Zitate"Als Drogenbeauftragte mache ich mich gerne unbeliebt, wenn es um unsere Gesundheit geht."

"Bei Crystal-Meth-Konsumenten geht es in der Regel um Leistung. Und den Jungen hat man oft gesagt, dass man damit ganz schnell wieder schlank wird."

Marlene Mortler

"Marlene Mortler hat sich als Drogenbeauftragte dadurch einen Namen gemacht, dass sie stehenbleibt. Sie hält die Kritik der Tabakindustrie aus, und das ist wirklich schwer. Die Lobbyarbeit ist stärker, als wir meinen."

Barbara Lanzinger

"Für uns ist das Gesetz wichtig, das endlich synthetische Kräutermischungen verbietet. Damit fangen heute schon 12-Jährige an, ohne die Risiken zu kennen."

"Sehr vieles im Drogenbereich findet mittlerweile über soziale Netzwerke statt. ... Das meiste wird übers Internet bestellt."

Wolfgang Sennfelder, Kripo


Bei der Online-Sucht sind Mädchen mehr in sozialen Netzwerken unterwegs. Jungen spielen lieber.Marlene Mortler
1 Kommentar
6
Willi Heinrich aus Sinzing | 15.07.2016 | 15:25  
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.