Menschen aus dem Landkreis Amberg-Sulzbach zur US-Wahl
Erklärungsversuche: Darum Donald Trump

Verena Weiß kommt aus Amberg. Seit sie in Denver lebt, ist sie der Mentalität der US-Amerikanern nahe und kann erklären, warum sich so viele für Trump entschieden haben. Bild: hfz
Politik
Amberg in der Oberpfalz
10.11.2016
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Einen Tag nach der US-Wahl sind viele immer noch in der Schockstarre. Der Populist Donald Trump hat gewonnen. Weil er das offen ausspricht, was die etablierten Parteien nicht mehr sehen?

Amberg/Berlin. Er arbeitet im Zentrum der politischen Macht in Deutschland. Dr. Harald Dähne kritisiert, dass die Politiker die Menschen nicht mehr verstehen. Als Referent im Bundestag arbeitet der Freudenberger für die SPD-Bundestagsfraktion. "Sind nicht wir ein Musterbeispiel für diese Arroganz der liberalen Gebildeten, Erfolgreichen und Weltläufigen?", fragt Dähne. Der Jurist meint die etablierten Parteien, auch die SPD, bei der er Mitglied ist. "Unsere Empathie beschränkt sich auf Stolpersteine, gendergerechte Sprache, Unisex-WCs, Fahrradwege und kostenlose Kitas. Wir verstehen nicht, warum das immer weniger Menschen überzeugt. Zugleich verlangen wir zynisch von Millionen von Altersarmut bedrohten Niedriglöhnern, doch für ihre Rente ,mehr Eigenvorsorge' zu betreiben. Die Gesetze der Agenda 2010 drücken den Schwachen, Unbegabten, Unsicheren, Unglücklichen die Verantwortung für die negativen Folgen der Globalisierung auf. (...) Und dann wundern wir uns, warum das Establishment und der Mainstream zu einem Feinbild geworden sind."

Keine Überraschung


Verena Weiß machte 2001 ihr Abitur am Dr.-Johanna-Decker-Gymnasium in Amberg und lebt nun in Denver. Die 35-Jährige erklärt die Wahl ihrer neuen Landsleute: "Sie wollen endlich einen Politiker, der kein Blatt vor den Mund nimmt und sich wie ein Mensch verhält. Menschen haben Fehler. Trump hat viele, aber er verstellt sich nicht. Die Leute wissen, dass bei Hillary vieles nicht mit rechten Dingen zugeht, deswegen hat sich damals Obama als Kandidat gegen sie durchgesetzt. Leider hat sich dieser Verdacht verstärkt. (...) Angesichts der strafrechtlichen Ermittlungen gegenüber Hillary hab ich mir schon lange gedacht, dass es eine hohe Wahrscheinlichkeit gibt, dass Trump gewinnt."

Viele sozial schwache Menschen haben Trump gewählt. Ist auch in Deutschland der Boden für den Populisten bereitet? Irmgard Buschhausen hilft bei der Tafel den Schwächsten. Die Situation in Amerika will sie nicht auf Deutschland übertragen. Doch auch hier herrsche soziale Ungerechtigkeiten: "Ich kann mir nicht vorstellen, dass ein 55-jähriger Familienvater, der zu uns kommt, weil er die Familie ernähren muss und keinen Job findet, zufrieden ist mit der politischen Landschaft." Doch ihre Organisation selbst sei unparteiisch und die Klienten sprächen wenig über Politik.

Auch VdK-Kreisgeschäftsführer Gerhard Spies sieht wenig Parallelen zu den USA. "Ich würde nicht sagen, dass sich die Leute von der Politik verlassen fühlen. Vor allem, weil sie sehen, dass unser Verband ihre Interessen vertritt und durchsetzt."

Werner Meier, Vorsitzender des Kreisverbandes der AfD Amberg-Neumarkt ist vom US-Präsidenten nicht voll überzeugt. "Trump spricht Tacheles, auch wenn es ein paar Mal zu viel war." Besonders bei den falschen Prognosen sieht er Parallelen zu seiner Partei: "Auch bei den Wahlen in Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg war es so, dass die Prognosen immer viel schlechter waren als die Wahlergebnisse. Das zeigt, dass die Bürger den Meinungsforschern nicht vertrauen und falsche Angaben machen darüber, wen sie wählen. Oder dass die Forscher die falschen Leute befragen."

Menschen haben Fehler. Trump hat viele, aber er verstellt sich nicht.Verena Weiß aus Denver über die Wähler von Donald Trump
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